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Nord Stream

Der Anschlag, die USA und ein gesprengter Verdacht

Neubrandenburg / Lesedauer: 2 min

Berichte zum Angriff auf Nord–Stream 1 und 2 sorgen für Spekulationen. Beunruhigend, dass eine Segelcrew kritische Infrastruktur zerstören kann, so unser Kommentator.
Veröffentlicht:10.03.2023, 18:05

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Vier Wochen ist es jetzt her, dass der amerikanische Pulitzer–Preisträger Seymour Hersh eine völlig andere Geschichte über den möglichen Urheber der Nord–Stream–Anschläge präsentierte als die jetzt im Raum stehenden Recherchen. Hersh zeichnete das Bild einer komplexen US–Spezialoperation, ersonnen von der CIA, abgesegnet von Präsident Biden.

Viele Vorbehalte gegen die USA

In westlichen Ländern fand diese bis ins Detail erzählte Geschichte nur wenig Widerhall und wurde als schlecht belegt und wenig glaubwürdig eingeordnet. In vielen anderen Staaten schlug die Story vom möglichen Angriff der USA auf die ökonomische Lebensader eines engsten Verbündeten allerdings hohe Wellen: Denn hatten die USA nicht schon immer gegen die Pipelines opponiert? Und profitierten sie nicht wirtschaftlich wie politisch enorm von den Anschlägen?

Diese Lesart fand ein dankbares Publikum auch in neutralen Staaten und zog immer weitere Kreise, bestätigte sie dort doch viele Vorbehalte gegen die Vereinigten Staaten. Für die USA keine Hilfe bei der Suche nach Partnern im sich weiter verstärkenden Ringen mit Moskau und Peking.

Eine Reisegruppe und ein paar Kilo Sprengstoff

Vor diesem Hintergrund nimmt es vielleicht weniger Wunder, dass dann mit einem großen Knall in Deutschland und den USA zeitgleich Informationen an ausgewählte Medien durchgestochen wurden, die bis dahin von den jeweiligen Nachrichtendiensten und Ermittlungsbehörden eisern beschwiegen wurden.

Gleichlautende Berichte auf zwei Kontinenten — das erhöht natürlich die Glaubwürdigkeit der ansonsten womöglich abenteuerlich anmutenden Meldungen über eine kleine Reisegruppe, die mal eben mit Hunderten Kilogramm Sprengstoff in einer Mietjacht losschippert und im bestbewachten Seegebiet der Welt einen Milliardenschaden nebst Umweltkatastrophe herbeisprengt.

Die USA wären damit aus dem Kreis der Verdächtigen heraus — wenigstens das eine beruhigende Vorstellung bei der jetzt präsentierten Version der Anschläge. Verstörend daran ist die Einsicht, dass unser Land tatsächlich so schwach und hilflos sein könnte, dass sechs Leute seine kritische Infrastruktur ungestraft pulverisieren konnten.