StartseitePolitikGünstige Benzin- und Dieselpreise in Polen dank Wahlkampf?

Spritpreise

Günstige Benzin- und Dieselpreise in Polen dank Wahlkampf?

Swinemünde / Lesedauer: 2 min

Der Sprit ist so günstig, dass sich an manchen Tankstellen schon Schlangen bilden sollen. Die Preise könnten bis 15. Oktober niedrig bleiben.
Veröffentlicht:02.10.2023, 14:12

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Autofahrer aufgepasst! An vielen Tankstellen in Polen werden Benzin und Diesel momentan vergleichsweise günstig angeboten. Nach Angaben der Europäischen Kommission hat sowohl ein Liter Diesel als auch Superbenzin (E5) zuletzt jeweils durchschnittlich 1,31 Euro gekostet. 

Fallende Spritpreise bei steigendem Rohölpreis

Nach Angaben eines polnischen Analysedienstes sorgt der Konzern Orlen für billigen Sprit in Polen. Laut Polityka Insight hält der Konzern die Preise in Absprache mit der regierenden Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) niedrig, um ihr bei den anstehenden Parlamentswahlen am 15. Oktober zum Sieg zu verhelfen.  

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Mehrere Medienberichte verweisen in diesem Zusammenhang auf einen Anstieg des Rohölpreises um elf Prozent in den vergangenen Wochen, während der Benzinpreis in der Zeit vom 6. bis zum 20. September um acht Prozent gesunken sei. Polityka Insight zufolge gelingt es dem Mineralölkonzern Orlen, an dem der polnische Staat 49,9 Prozent der Anteile hält, die Spritpreise niedrig zu halten, in dem er dafür Notfallreserven anzapft.

Aus Tschechin, wo Orlen auch ein großes Tankstellennetz unterhält ‐ die Spritpreise aber deutlich höher sind, soll deshalb bereits ein Tank-Tourismus nach Polen eingesetzt haben. Offenbar sind einige deutsche Autofahrer auch schon auf die günstigen Benzin- und Dieselpreise im Nachbarland aufmerksam geworden. Der Ostsee-Zeitung zufolge bilden sich vor einer Orlen-Tankstelle im Hafen von Swinemünde bereits lange Auto-Schlangen aufgrund der niedrigen Preise.

Die Nachfrage ist offenbar so groß, dass Orlen sich zu einer ungewöhnlichen Maßnahme gezwungen sieht. In einem Video fordert ein Konzern-Sprecher Kunden auf, nicht mehr als nötig zu tanken, begründet das aber mit der Logistik bei der Belieferung von Tankstellen. Das Szenario von Treibstoffknappheit oder plötzlichen Preiserhöhungen stelle für Polen keine Gefahr dar. „Wir laden weiterhin alle Fahrer zu den Orlen-Stationen ein, wo sie zu einem attraktiven Preis tanken können. Gleichzeitig appellieren wir daran, keinen Kraftstoff in Reserve zu kaufen, um den normalen Betrieb der Logistikkräfte, die die Tankstellen täglich bedienen, zu ermöglichen“, so Adam Kasprzyk, Chef der Unternehmenskommunikation.

Dass Notfallreserven angezapft werden, um die Spritpreise niedrig zu halten, wird vom polnischen Klimaschutzministerium und Orlen bestritten. Die Preise an der Zapfsäule würden von verschiedenen Faktoren beeinflusst, heißt es vom Konzern. Polityka Insight geht davon aus, dass die Spritpreise in Polen nach den Parlamentswahlen am 15. Oktober deutlich ansteigen werden.