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Krankheitswelle

Lauterbach warnt vor Hamsterkäufen bei Medikamenten für Kinder

Berlin / Lesedauer: 3 min

Im vergangenen Winter wurde Deutschland von Lieferengpässen bei Arzneimitteln für Kinder kalt erwischt. Nun reagiert der Bundesgesundheitsminister – und nimmt Eltern in die Pflicht.
Veröffentlicht:14.09.2023, 12:52

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Kaum hatte Karl Lauterbach begonnen zu sprechen, da war er kaum noch zu verstehen. Denn plötzlich schrillten Handys und Sirenen – die Pressekonferenz mit dem Bundesgesundheitsminister wurde vom bundesweiten Warntag gecrasht.

Engpässe können nicht gänzlich ausgeschlossen werden

Doch nach einer Minute war der Spuk vorbei, Lauterbach nahm den Gesprächsfaden wieder auf und gab teilweise Entwarnung – zumindest was mögliche Lieferengpässe bei Arzneimitteln für Kinder und Jugendliche für den nächsten Winter angeht.

„Wir sind besser vorbereitet als im vergangenen Jahr. Sicherlich können Engpässe wie im Winter 2022/23 bei einer starken Welle von Erkältungs– und Atemwegserkrankungen bei Kindern und Jugendlichen nicht gänzlich ausgeschlossen werden, doch haben wir jetzt gemeinsam entsprechende Vorsorge getroffen“, sagte der SPD–Politiker am Donnerstag in Berlin im Anschluss an ein Gespräch mit Vertretern der Industrie, der Apotheken und der Kinder– und Hausärzte. 

Im vergangenen Winter waren nach einer Infektionswelle Lieferprobleme etwa bei Fieber– und Hustensäften für Kinder eskaliert. Um den Nachschub abzusichern, war im Juli ein Anti–Engpass–Gesetz in Kraft getreten.

Was ist ein kleiner Hausvorrat?

Die Industrie habe jetzt einen großartigen Job gemacht, die Produktion von Arzneimitteln auf das technische Maximum hochgefahren, 24 Stunden sieben Tage die Woche produziert, lobte Lauterbach – und hob dennoch den mahnenden Zeigefinger in Richtung Eltern. „Bitte tätigen Sie keine Hamsterkäufe, bitte horten Sie nicht Arzneimittel“, appellierte der Minister an die Mamas und Papas. Ein kleiner Hausvorrat sei sinnvoll – doch bitteschön nicht mehr.

Doch was ist ein „kleiner Hausvorrat“, Herr Minister? Lauterbach konkretisierte: „Eine Tagesdosis Fiebersaft beispielsweise oder eine Ration, um ein Wochenende zu überstehen – das reicht wirklich aus. Ansonsten könnten die Medikamente womöglich genau da fehlen, wo sie gerade am dringendsten benötigt würden.

Zusätzlich zum sparsamen Umgang mit den Arzneien soll ein „Gefechtsstand“ direkt im Bundesgesundheitsministerium helfen. „Zur besseren Steuerung einer gleichmäßigen Versorgung richtet das Ministerium im Herbst und Winter einen regelmäßig tagenden Steuerungskreis ein – unter Beteiligung von Unternehmen, Ärzten und Apotheken“, sagte Lauterbach.

Tabletten statt Fiebersaft - ohne neues Rezept

Und auch die erweiterten Befugnisse und Rechte der Apotheken sollen für eine Entschärfung der Arzneimittelversorgung im Winter sorgen. Demnach können Apotheken selbst Medikamente herstellen und auch unbürokratisch die auf den Rezepten angegebenen Mengen beziehungsweise Dosen an Medikamenten und Arzneien verändern – ohne ein neues Rezept anzufordern. Es sei auch möglich, wenn beispielsweise ein Fiebersaft nicht vorrätig ist, als Ersatz Tabletten auszugeben.

Sollten all diese Maßnahmen nicht greifen und eine extrem starke Krankheitswelle bei Kindern und Jugendlichen übers Land rollen, dann würde er als Minister für kurzfristige Direktimporte aus dem Ausland sorgen, kündigte Lauterbach pragmatisches Handeln an.