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Extremismus

Soziologe: „Erfolgskurs der AfD ist gestoppt worden"

Potsdam / Lesedauer: 1 min

Die seit Wochen anhaltende Protestwelle gegen Rechtsextremismus zeigt aus Sicht des Soziologen Ortwin Renn Wirkung – mit Folgen für die AfD?
Veröffentlicht:11.02.2024, 15:51

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Nach der Protestwelle in Deutschland angesichts des Treffens radikaler Rechter rechnet der Soziologe Ortwin Renn künftig nicht mehr mit wachsender Zustimmung für die AfD. „Vom konservativen bis zum linken Spektrum haben sich viele Menschen bei Demonstrationen versammelt. Dieses Signal wird Wirkung haben“, sagte der ehemalige Direktor am Institut für Transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam. „Der Erfolgskurs der AfD ist gestoppt worden.“

Trendumkehr bei Wahlprognosen erwartet

Er rechne nicht mehr mit weiteren Zuwächsen für die Partei, sondern mit einer Trendumkehr, das zeigten auch Verluste für die AfD in neueren Umfragen auf Bundesebene. „Viele von denjenigen, die die AfD aus Protest wählen wollten, überlegen es sich jetzt anders“, glaubt Renn. Die demokratischen Parteien hätten nun die Chance, diese Bewegung für sich zu nutzen und wieder mehr Bürgerinnen und Bürger auf ihre Seite zu ziehen. Renn rät der Ampel-Koalition auch, in Abgrenzung zur AfD eine humane Migrationspolitik zu vertreten und aufzuzeigen, was rechtlich überhaupt umsetzbar sei.

Nach Umfragen im Januar - bevor das Treffen rechter Radikaler in Potsdam Wellen schlug - würde die AfD bei den Landtagswahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg in diesem Jahr stärkste Kraft werden.

Soziologe Ortwin Renn,  früherer Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam
Soziologe Ortwin Renn, früherer Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Transformative Nachhaltigkeitsforschung in Potsdam (Foto: Wolfgang Kumm/dpa)

Auslöser der Protestwelle in Deutschland war ein Bericht des Medienhauses „Correctiv“ vor rund einem Monat über ein Treffen radikaler Rechter am 25. November in Potsdam. Daran hatten auch AfD-Politiker sowie einzelne Mitglieder der CDU und der sehr konservativen Werteunion teilgenommen. Der frühere Kopf der Identitären Bewegung in Österreich, Martin Sellner, sprach bei dem Treffen in Potsdam über „Remigration“. Wenn Rechtsextremisten diesen Begriff verwenden, meinen sie in der Regel, dass eine große Zahl von Menschen ausländischer Herkunft das Land verlassen soll, auch unter Zwang.