Ukrainekrieg

Tausende Menschen demonstrieren für den Frieden

Seenplatte, Berlin / Lesedauer: 4 min

In der Seenplatte und in Vorpommern, auf Rügen und in Berlin: Am Sonnabend sind Tausende auf die Straße gegangen. Was sie antreibt und was sie wollen, lesen Sie hier. 
Veröffentlicht:25.02.2023, 19:40

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  • Author ImageDeutsche Presse-Agentur
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Mehrere hundert Menschen haben am Sonnabend an Friedensdemonstrationen in der Seenplatte und Vorpommern  teilgenommen. Wie die Polizei am Sonnabend mitteilte, hätten sich in Neubrandenburg 650, in Waren 200 und in Anklam 55 Menschen an Friedensdemos beteiligt. Außerdem gingen in Stralsund rund 80 Leute „Für Frieden in Europa“ auf die Straße. In Sellin auf Rügen demonstrierten etwa 400 Menschen vor der Seebrücke gegen die Errichtung eines LNG-Terminals vor der Insel Rügen. Alle Veranstaltungen verliefen friedlich, so die Polizei.

13.000 oder 50.000 Teilnehmer?

Die genaue Teilnehmerzahl bei der großen Friedensdemonstration in Berlin, die Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer ins Leben gerufen hatten, war unklar. Die Polizei sprach von mehr als 13.000 Teilnehmern, die Veranstalter von 50.000. Der Protest stieß teilweise auf heftige Ablehnung, nicht nur, weil sich vereinzelt Rechte und Rechtsextreme unter die Teilnehmer mischten. Kritiker warfen Schwarzer und Wagenknecht Naivität und Irreführung vor.

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Auf der Bühne forderte Wagenknecht, teils vom Publikum bejubelt, erneut einen Stopp von Waffenlieferungen an die von Russland angegriffene Ukraine und mahnte Friedensverhandlungen an. Es gehe darum, „das furchtbare Leid und das Sterben in der Ukraine zu beenden“. Zugleich gehe es darum, Russland ein Verhandlungsangebot zu unterbreiten, „statt einen endlosen Abnutzungskrieg mit immer neuen Waffen zu munitionieren“. Es gelte, das Risiko einer Ausweitung des Krieges auf ganz Europa und womöglich die Welt zu bannen. Dieses Risiko sei „verdammt groß“.

Strikt gegen Dritten Weltkrieg

Ihre Sorgen und ihren Grund für die Teilnahme brachte eine ältere Frau vor Ort so auf den Punkt: „Es geht um unsere Welt. Wenn wir nicht gegen den Krieg was tun in der Ukraine und in Russland, dann kommt es zum Dritten Weltkrieg. Und wahrscheinlich zum Atomwaffenkrieg — und dagegen sind wir ganz strikt.“

Frauenrechtlerin Schwarzer nannte es auf der Bühne „durchaus richtig, den von Russland brutal überfallen Ukrainern mit Waffen zur Seite zu stehen — zunächst, um sich zu verteidigen“. Deshalb sei es nun richtig, „nach einem Jahr Tod und Verwüstung nach dem Ziel dieses Krieges zu fragen und nach seiner Verhältnismäßigkeit.“

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Sarah Wagenknecht (Linke) und Alice Schwarzer (Publizisten, rechts) bei der Kundgebung am Sonnabend in Berlin, zu der sie aufgerufen hatten. (Foto: Christophe Gateau)

Der frühere General Erich Vad forderte „ein Ende der Kriegsrhetorik in Deutschland“, einen Ausstieg aus der militärischen Eskalation und den baldigen Beginn von Verhandlungen. „Es ist naiv zu glauben, man könne Russland militärisch ohne Nuklearkrieg besiegen.“ Der von Russland ausgelöste völkerrechtswidrige Angriffskrieg sei nach einem Jahr zu einem „Abnutzungskrieg“ geworden — dies bedeute, dass es keine vernünftige militärische Lösung mehr gebe.

Rechtsextreme, Holocaustleugner Russlandunterstützer?

Wagenknecht kritisierte scharf den Kurs der Bundesregierung. Man fühle sich nicht vertreten von Kanzler Scholz. Die Linke–Politikerin rief zu einem „Startschuss für eine neue starke Friedensbewegung“ auf. Neonazis und Reichsbürger hätten selbstverständlich auf der Kundgebung nichts zu suchen.

Es habe am Rande der Veranstaltung kleinere Handgreiflichkeiten gegeben, sagte ein Polizeisprecher. Zudem lieferte sich laut Polizei eine Gruppe linker Gegendemonstranten eine lautstarke Auseinandersetzung mit dem Herausgeber des „Compact–Magazins“, Jürgen Elsässer. Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft das Magazin als erwiesen rechtsextremistische Bestrebung ein. Ein Polizeisprecher sagte nach der Demo, die Polizei habe keine Kenntnis von Rechtsextremen vor Ort.

Teils war auf Plakaten Medienkritik zu lesen. Nach Parteiangaben waren auch zahlreiche Mitglieder der AfD vor Ort. „Rechtsextreme, Holocaustleugner und Unterstützer Russlands waren auf Schwarzers und Wagenknechts Demonstration. Das ist schlimm und schadet Deutschland. Nichts, was sich vor dem Brandenburger Tor abgespielt hat, hilft der Ukraine“, teilte die SPD–Parlamentsgeschäftsführerin Katja Mast mit.

Slogans und Fahnen aus der Friedensbewegung der 1980er

Vor Ort waren viele ältere Menschen zu sehen. Viele Slogans und Fahnen stammen aus der Friedensbewegung der 1980er Jahre. Gezeigt wurden außerdem Transparente der Linkspartei. Die Veranstaltung am Samstag war größer als die am Tag zuvor, als mehr als 10.000 Menschen in Berlin gegen den Krieg demonstriert und Unterstützung der Ukraine gefordert hatten.

Im Vorfeld hatten sich zahlreiche prominente Politiker auch von SPD und Linken von dem Demo–Aufruf abgegrenzt. Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Finanzminister Christian Lindner (FDP) hatten deutlich gemacht, dass sie die Überzeugung im „Manifest für Frieden“ nicht teilten. Im Internet erklärten hingegen mehr als 640.000 Menschen ihre Zustimmung zum „Manifest“.