StartseitePolitikZigeunerschnitzel und Gendersternchen: Claudia Pechsteins Rede im Wortlaut

Wirbel um Olympiasiegerin

Zigeunerschnitzel und Gendersternchen: Claudia Pechsteins Rede im Wortlaut

Politik / Lesedauer: 5 min

Claudia Pechstein steht in der Kritik, weil sie sich in Uniform zu den Themen Flüchtlinge, Gendersternchen und Zigeunerschnitzel äußerte. Was Pechstein sagte - und was nicht.
Veröffentlicht:19.06.2023, 13:48

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Claudia Pechstein ist Bundespolizistin und zugleich fünffache Olympia-Siegerin im Eisschnelllauf. Ihre Rede in Polizeiuniform bei einer CDU-Veranstaltung in Berlin am vergangenen Wochenende sorgt für Diskussionen. Es geht um die Frage, ob Pechstein gegen die für Polizisten geltende Neutralitätspflicht verstoßen hat. Pechstein sagte dazu, der Auftritt in Uniform sei ihr von einem Vorgesetzten freigestellt worden. Dass Pechstein auch über Gendersternchen, Zigeunerschnitzel und traditionelle Familienbilder sprach, sorgt für zusätzliche Diskussionen. Aus Gründen der Transparenz veröffentlichen wir an dieser Stelle die gesamte Rede von Claudia Pechstein im Wortlaut.

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Ohne Ehrenamt keine Wettkämpfe

"Es wird Sie sicher nicht überraschen, wenn ich anrege, grundsätzlich den breiten Vereins- und Schulsport zu stärken. Nur wer hier gute Bedingungen schafft, darf darauf hoffen, dass auch der Spitzensport davon profitieren kann. Und dabei ist natürlich auch das Ehrenamt nicht zu vergessen. Denn ohne Ehrenamt finden keine Veranstaltungen, keine sportlichen Veranstaltungen statt, keine Wettkämpfe. Auch ich habe davon jahrelang profitiert. Und einen ganz, ganz herzlichen Dank auch an dieser Stelle an das Ehrenamt.

Wir haben hierzulande rund 86.000 Vereine mit mehr als 23 Millionen Mitgliedern. Das entspricht etwa 37 Prozent der deutschen Bevölkerung. Das ist gewaltig. Und dennoch sind die Zahlen rückläufig. Der Nachwuchs ist häufig lieber zu Hause vor der Konsole, als sich aktiv zu bewegen. Das Problem beginnt schon in der Schule: In die Hände klatschen, ein paar Kniebeugen machen reicht für die Kinder genauso wenig wie nur eine Stunde Sport im wöchentlichen Unterricht. Schon jetzt haben viele Kids Probleme, einen Purzelbaum zu schlagen. Das sollte uns alle alarmieren.

Denn grundsätzlich gilt: Mangelnde Fitness in früheren Jahren wird nicht dazu beitragen, später die Gesundheitskassen zu entlasten. Vom mangelnden Anreiz für den Spitzensport ganz zu schweigen. Ich kann es aus meiner eigenen, jahrelangen Erfahrung berichten, dass heute auf Weltcup-Reisen die nächste Shoppingtour für manche Läuferinnen den gleichen Anreiz ausübt wie die Wettkämpfe auf dem Eis. Und es gab Zeiten, da war das undenkbar. Ich bin nicht hier, um meine eigenen Leistungen zu schmälern. Aber es dürfte eigentlich nicht möglich sein, dass eine 51-jährige in einer olympische Sportart noch deutsche Meisterin wird. Bei unseren Nachbarn in den Niederlanden wäre ich schon längst in der Rente.

"Dann versteht niemand, dass solche Menschen einfach hierbleiben dürfen"

Um es mit den Worten von Altkanzler Helmut Kohl zu sagen: Leistung muss sich wieder lohnen. Es gibt Nationen, da haben Olympiasieger für ihr späteres Leben ausgesorgt. Ich habe fünfmal olympisches Gold gewonnen und bin trotzdem weit davon entfernt. Da ich in meinem Alter auch weit davon entfernt bin, ein sechstes Mal Olympiasiegerin zu werden, kann mir niemand Eigennutz unterstellen, wenn ich anrege, dass es grundsätzlich keine schlechte Sache wäre, olympisches Gold nicht nur mit 20.000 Euro zu entlohnen. Der oder die beste der Welt im Sinne des olympischen Gedanken zu sein, ist mit großen Entbehrungen, Disziplin, Willen und auch mit Qualen verbunden. Glauben Sie mir, ich weiß, wovon ich rede.

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Wenn wir sportlich wieder ganz vorne mitmischen wollen, dann gilt der Kohl'sche Grundsatz umso mehr. Damit sich Leistung wieder lohnt, sollten auch die Förderplätze der Bundeswehr und auch bei der Bundespolizei - und da wären wir schon längst beim nächsten Impuls - grundsätzlich an harte Leistungskriterien geknüpft und nicht verschenkt werden. Überhaupt scheint es mir so, dass derzeit viel verschenkt und zu wenig entlohnt wird.

Ich bin selbst seit Jahrzehnten Bundespolizistin. Als Polizeihauptmeisterin stehe ich mit meinen Kollegen im regen Austausch und es ist für uns alle unstrittig, dass man Menschen in Not helfen muss. Aber wenn Menschen zu uns kommen und Asyl beantragen und ein Richter nach Prüfung aller Fakten zu dem Schluss kommt, dass der Antragsteller kein Recht hat, hier zu leben, dann versteht niemand, dass solche Menschen einfach hierbleiben dürfen. Wenn ich richtig informiert bin, reden wir derzeit etwa über 300.000 solcher Fälle.

"Ist es noch erlaubt, ein Zigeunerschnitzel zu bestellen?"

Wir sollten grundsätzlich die Rahmenbedingungen schaffen, um dieses Problem rechtsstaatlich zu lösen. So erleichtern wir nicht nur die Arbeit meiner Polizei-Kollegen, sondern sorgen auch grundsätzlich für mehr Sicherheit im Alltag der Menschen. Allein die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen zu können, ohne ängstliche Blicke nach links und rechts werfen zu müssen, gehört zum Beispiel zu den Alltagsproblemen, die viele, insbesondere ältere Menschen und auch Frauen, belasten. Darüber wird viel zu wenig gesprochen, meiner Meinung nach.

Hier für Verbesserungen zu sorgen, sollte uns grundsätzlich hundertmal wichtiger sein, als darüber nachzudenken, ob wir ein Gendersternchen setzen oder ob ein Konzert noch deutscher Liederabend heißen darf oder ob es noch erlaubt ist, ein Zigeunerschnitzel zu bestellen. Das sind Themen, die viele Menschen bewegen und in den Familien kopfschüttelnd diskutiert werden. Ich bin selbst ein ausgesprochener Familienmensch. Womit wir auch schon beim nächsten Impuls sind, den ich als Abschluss setzen möchte.

Die CDU ist immer die Familienpartei Deutschlands gewesen und ist es nach wie vor. Meine Eltern haben mich und meine Geschwister mit viel Liebe zu anständigen Menschen erzogen. Eine intakte Familie ist auch ein Idealbild von dreiviertel der Deutschen. In Shell-Studien über die Zukunft unserer Kinder stehen gute Freunde und Familie ganz weit oben. Gerade wegen alle Probleme um sie herum: Die Kinder hierzulande wollen nicht nur einen guten Job, eine heile Familie, eine traditionelle Familie. Sie wollen Mama und Papa. Die Familienpolitik der Christlich Demokratischen Union sollte sich grundsätzlich zuallererst mit der traditionellen Familie beschäftigen. Wenn wir aufhören, die Familienpartei im Lande zu sein, dann werden wir auch nicht mehr Volkspartei in Deutschland sein."