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Bahnhof kämpft weiter

Hartmut Trester hofft inständig, dass die Züge künftig nicht an Nechlin vorbeirauschen.

Mit dem Zug kommen die Nechliner in anderthalb Stunden nach Stralsund oder zum Potsdamer Platz. „Wir sind besser dran als Templin. Wir liegen direkt an der ...

Mit dem Zug kommen die Nechliner in anderthalb Stunden nach Stralsund oder zum Potsdamer Platz. „Wir sind besser dran als Templin. Wir liegen direkt an der Bahnstrecke Berlin-Stralsund, kommen über die Straßen und Autobahnen schnell von A nach B.“ Harald Trester, Nechlins Ortsvorsteher in der Gemeinde Uckerland, ist zuversichtlich, dass es so bleibt. Dennoch sieht er das Damoklesschwert über dem Haltepunkt. Die erste Zugfahrt soll es auf der im Bau befindlichen Strecke von Berlin nach Stettin am 18. November 1862 gegeben haben. Jetzt droht dem einst florierenden Bahnhof das Aus.
Dabei ist er nicht der einzige, der vom Infrastrukturministerium unter die Lupe genommen wurde. Minister Jörg Vogelsänger veröffentlichte kürzlich eine Statistik, nach der montags bis freitags in Nechlin 25, in Hammelspring 29 und in Casekow 33Reisende gezählt wurden. Noch weniger waren es in Passow (24), Petershagen (11) und Schönow (10). Täglich halten 21 Mal Züge in Nechlin; 34 Halte gebe es in Hammelspring – die beiden Orte nehmen damit Spitzenpositionen in der Uckermark ein. Finanziell heißt das, das Land muss an Stationsgebühren für Nechlin jährlich 25 700 Euro, für Hammelspring 44800 Euro aufbringen.
Ob, wann oder welche der Haltepunkte geschlossen werden, darüber habe die Landesregierung noch nicht entschieden, erklärte gestern Petra Dribbisch vom Pressereferat des Ministeriums. Mit der Untersuchung von 335 Bahnhöfen im Land solle vor Ort die Diskussion angeschoben werden, wie öffentlicher Personennahverkehr bedarfsgerecht und effektiver gestaltet werden könne. „Wir wollen die Landkreise mit ins Boot holen, die nun ihre Vorstellungen einbringen müssen.“
Die Kommunen vor Ort haben ihre Hausaufgaben gemacht. Zumindest in der Gemeinde Uckerland steht das Thema Bahnhof Nechlin als einziger in der Großgemeinde mindestens seit 2010 auf dem Programm. Damals gab es zwar behindertengerechte Zugänge zu den Bahnsteigen. „Doch eine Überdachung und die elektronische Fahrgastinformation fehlten“, erinnert sich Bürgermeisterin Christine Wernicke. Nach einem Vor-Ort-Termin mit der Deutschen Bahn, Gesprächen und Schreiben klappte es. Im Zuge des Ausbaus der Strecke für Zug-Geschwindigkeiten bis zu 160 Stundenkilometern wurden die Bahnsteige sogar verlegt und neu gebaut, damit die Fahrgäste ungefährdeten Zugang in beide Reiserichtungen haben.
Seit über einem Jahr bemüht sich Uckerland zudem um einen Parkplatz. Im Oktober wurde der Bauantrag beim Landkreis eingereicht. So bleibt die Bürgermeisterin zuversichtlich. Bisher vertraute sie auch auf Aussagen der vorjährigen Regionalkonferenz des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg in Eberswalde, wonach Nechlin nicht geschlossen werden soll.
„Wir hoffen auf die Einsicht, dass der erste und letzte Bahnhof in Brandenburg nicht geschlossen wird“, meint sie wohlwissend, dass die Finanzierung ein gewichtiges Argument ist. „Doch wer den ersten Schritt nicht geht, hat schon verloren. Ich male mir nicht aus, was in 20Jahren ist, sondern gestalte die Gegenwart.“