Unsere Themenseiten

Berührender Appell

:

Depressiver Vater bricht sein Schweigen

Schwach trotz dicker Muskeln - Jonny Henning steht dazu.
Schwach trotz dicker Muskeln – Jonny Henning steht dazu.
Privat

Vier Millionen Deutsche sind depressiv. Die meisten schweigen. Nicht so Jonny Henning, der 40-jährige Elvis-Künstler appelliert, nicht weg zu sehen.

Über Depressionen und Suizid wird in der Öffentlichkeit meist geschwiegen. Dabei sind die Zahlen besorgniserregend in die Höhe geschnellt: In Deutschland leiden mittlerweile vier Millionen Menschen an einer depressiven Störung. Schätzungsweise jeder dritte Notarzteinsatz hat bereits mit psychischen Krisen zu tun. Den Betroffenen wäre geholfen, wenn es mehr Offenheit gäbe, versichert Erzieher Jonny Henning. Der 40-Jährige ist vor 17 Jahren erkrankt und nutzt seine Popularität als Elvis-Tribut-Artist, um die Massen für dieses Thema zu sensibilisieren.

Aufruf in den sozialen Netzwerken

In den sozialen Netzwerken wurde der Aufruf des populären Sängers zu „Ich rede darüber – Depression hat ein Gesicht” bereits tausendfach geteilt. Viele Betroffene haben dem Vater einer kleinen Tochter, der in der Region auch durch sein Engagement für „Uckermark gegen Leukämie” bekannt ist, für seine Offenheit gedankt und die Hoffnung geäußert, dass endlich eine gesellschaftliche Diskussion in Gang kommt, um vor Ausgrenzung zu schützen und mehr Behandlungsmöglichkeiten anzumahnen. Aktuell warten Betroffene bis zu einem halben Jahr auf einen Facharzttermin. In der Uckermark ist die Lage besonders dramatisch.

Wichtige Dinge im Leben sehen

In seinem Aufruf heißt es: „Stärke beweist du nicht durch dicke Arme oder breite Schultern. Stärke beweist du, wenn es trotz aller Umstände weiter voraus geht, Krankheiten dir das Lachen und den Lebensmut nicht nehmen, du Dinge hin nimmst, die du nicht ändern kannst. Manchmal muss man erst in der Krankheit ankommen, um wichtige Dinge über sich zu erfahren, einen Gang runter zu schalten und die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu sehen und vor allem täglich zu leben. Ich liebe mein Leben, das war nicht immer so! Trotzdem gibt es auch heute noch dunkle Tage, Dämonen, die mich nicht ruhen lassen, Ängste und Leere.

Depressionen sind menschlich. Egal welche Hautfarbe, egal welches Alter, egal welches Geschlecht oder Kontostand...es trifft dich und fragt nicht danach, ob es dir gerade in den Kram passt. Achtet auf euch und eure Mitmenschen, nehmt Anzeichen und Symptome ernst. Vertraut euch jemanden an und werft bitte euer Leben nicht weg, es ist einzigartig und deshalb so verdammt kostbar!
Fuck depression – fuck the black dog...17 Jahre mittlerweile und immer noch da, stärker als je zuvor!”

Kommentare (1)

Ein mutiger Mann. Doch wer 17 lange Jahre mehr oder weniger unglücklich ist, der sollte sein Leben ganz grundsätzlich ändern und den "schwarzen Hund" zur Hölle schicken. Dass diese Krankheit tabuisiert und als "Burnout" getarnt werden muss, ist schlimm genug. Noch viel schlimmer ist aber, dass betroffene Kassenpatienten monatelang auf therapeutische Hilfe warten müssen.