90-Jährige verhindert Raub

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Die mutigste Oma der Uckermark

Helene T. kann schon wieder lachen.  
Helene T. kann schon wieder lachen.
Claudia Marsal

Mit Helene T. ist gut Kirschen essen. Familie, Nachbarn und Bekannte schätzen die alte Dame sehr. Nur wer sich mit ihr anlegt, der zieht den Kürzeren.

Ihren letzten „Geldtag“ wird Helene T. so schnell wohl nicht vergessen. Um ein Haar hätte die 90-Jährige da nämlich ihre gesamte Barschaft verloren. Auf dem Heimweg von der Sparkasse war die Seniorin von einer Frau überfallen worden. Die ihr unbekannte Räuberin hatte sich ihr in der Baustraße von hinten genähert und wenig später in den Weg gestellt. Das schrille „Komm‘ mit“ der Räuberin hallt der taffen Oma von zwei erwachsenen Enkelkindern noch immer in den Ohren. Erst als die andere Frau an ihrer Umhängetasche zu zerren begann, fiel es der Witwe wie Schuppen von den Augen: „Sie muss mich beim Geldabheben beobachtet haben und später gefolgt sein.“

Mit Gehstock gewehrt

Doch da hatte die Diebin die Rechnung ohne Helene T. gemacht. Die Mutter von zwei Söhnen verteidigte ihr Hab und Gut standhaft. Beherzt griff die Kreisstädterin zu ihrem Gehstock und schlug zu. Nur so gelang es Helene T., sich aus der Umklammerung der Frau zu lösen. Zeitgleich schrie sie laut um Hilfe. Doch zunächst wurde niemand auf die Notlage des Raubopfers aufmerksam. Obwohl die Baustraße um die Mittagszeit viel befahren ist, blieb das Drama zunächst unbemerkt. Helene T.s Glück war vermutlich, dass die Angreiferin von so einer kleinen, zierlichen Frau nicht so viel Gegenwehr erwartet hatte.

Polizei ermittelt Räuberin

Jedenfalls ließ die Räuberin irgendwann von ihr ab. Nachbarn holten dann die Polizei. Aufgrund ihrer guten Zeugenbeschreibung konnte die Angreiferin wenig später gefunden werden. Den Ermittlungen zufolge ist die Frau psychisch krank und schon mehrfach rabiat in Erscheinung getreten. Helene T. erfuhr erst tags darauf aus dem Uckermark Kurier, dass ihre Widersacherin in ein Krankenhaus gebracht worden ist. Leid tut ihr ihre Gegenwehr trotzdem nicht. „Es hat doch niemand das Recht, sich an einer alten Frau zu vergreifen. Ich habe nie jemandem etwas Böses getan. Von Kindesbeinen an musste ich hart arbeiten. Ich war immer Papas Kutscher“ – Dass ihr Leben kein Zuckerschlecken war, kam ihr bei dieser Attacke nun zu pass. Ein paar Tage danach scheint sie den Schock jedenfalls schon überwunden zu haben. Eins aber hat sie ihrer Familie nach dem Vorfall versprechen müssen: „Zur Bank gehe ich nur noch mit Begleitung.”