Ganoven unterwegs
Einbrecher spionieren Wohnungen aus

Die Wohnungen sind nur von hinten zu erreichen.
Die Wohnungen sind nur von hinten zu erreichen.
Claudia Marsal

Mieter der Prenzlauer Innenstadt haben unheimliche Beobachtungen gemacht. Offenbar haben Ganoven die Umgebung observiert und Türen beschädigt.

Einbrecher kommen nachts und suchen sich nur entlegene Objekte aus? Von wegen. Ganz andere Erfahrungen haben in dieser Woche Mieter der Prenzlauer Friedrichstraße gemacht. Dort haben bislang unbekannte Täter versucht, mehrere Wohnungstüren aufzubrechen. Eine Anwohnerin, die in einem der Häuser wohnt, hat nach Feierabend eine unheimliche Entdeckung gemacht. Beim Aufschließen fiel ihr auf, dass zwischen Rahmen und Tür ein Klebestreifen angebracht worden war. „Von mir stammte der nicht. Das kam mir schon komisch vor”, berichtet die Frau dem Uckermark Kurier. Als sie die Tür dann geöffnet hatte, sah sie die Bescherung. Der Türrahmen wies Kratzer und Dellen auf, ein sicherer Beweis dafür, dass jemand versucht hatte, in die Wohnung zu gelangen, sagt die 49-Jährige. Die selbe Beobachtung machten auch weitere Mieter im Haus. Bei mehreren Familien waren die Ganoven mit der selben Masche vorgegangen. Im Aufgang daneben kam Familie Schröder noch etwas komisch vor: „Bei uns hat ein Mann geklingelt, der sich an der Gegensprechanlage zunächst als Paketbote ausgab. Weil wir häufig für die Nachbarn etwas annehmen, ließen wir ihn unten rein.”

Angeblicher Bote konnte sich nicht ausweisen

Oben angelangt habe der Fremde dann plötzlich gesagt, dass er für eine Eisfirma Werbung mache. Die Eltern eines kleinen Kindes waren alarmiert, denn das Gespräch an der Haustür gab ihnen zu denken. „Er wollte sofort unsere Telefonnummer und wissen, wann er uns denn erreichen könne”, erinnern sie sich zurück. Diese Auskunft gaben sie ihm nicht, vor allem, weil er sich nicht ausweisen konnte und vor dem Haus auch kein Firmenfahrzeug stand. „Das Aussehen des Mannes ließ ebenfalls nicht auf einen Vertreter schließen”, sagte der Familienvater im Gespräch mit dem Uckermark Kurier: „Grüne Bomberjacke, kurzgeschorene Haare, kein Dienstausweis – nein, das war nicht koscher.”

Bewegungsmelder mit Alarm angeschafft

Das Paar aus Prenzlau schickte ihn fort, doch anschließend erfuhren sie, dass er es auch noch bei anderen Mietern versucht hatte. „Ich glaube ja, dass da jemand loszieht, um auszukundschaften, wann wer zu Hause ist”, vermutet die 49-Jährige. Von einer anderen Anwohnerin weiß die Behördenmitarbeiterin, dass sogar schon versucht wurde, die Wohnungstür aufzuschließen, während die alte Dame drinnen saß. „Das gibt natürlich einen noch größeren Schreck”, versichert die Prenzlauerin. In ihrem Fall habe das Dreifach-Schloss seinen Dienst getan. „An drei Stellen gehen Bolzen von der Tür in den Rahmen. So etwas zu knacken ist offensichtlich nicht so leicht”, nur so kann sich die Frau erklären, warum die Einbrecher in ihrem Fall scheiterten. Sie ist froh, abgeschlossen zu haben, denn sonst funktioniert dieser Schutz natürlich nicht. Für sich selbst hat die Prenzlauerin sofort Konsequenzen gezogen und einen Bewegungsmelder mit Alarm angeschafft. Versucht jetzt ein Unbefugter, in die Wohnung zu gelangen, geht ein schriller Ton los, den nur sie selbst oder ihr Sohn abstellen kann. „Ich denke mal, dass das die Diebe in die Flucht schlagen würde.” Aber viel lieber wäre ihr natürlich, wenn diese gar nicht erst in die Wohnung gelangten.

Anzeigen bei der Polizei gestellt

Ein wichtiger Schutz könnte sein, dass alle Mieter darauf achten, die Hausflurtür geschlossen zu halten. „Denn wenn sie schon unten nicht reinkommen, verlieren sie vielleicht die Lust.” Ansonsten sei der Vorfall an Dreistigkeit natürlich nicht zu überbieten, sagt die Mieterin abschließend: „Die Wohnungen befinden sich direkt an einer belebten Eingangsstraße, und nur Insider dürften wissen, dass man durch den Torbogen zu den Eingängen gelangt.” Bei der Polizei sind Anzeigen gestellt worden, aber die Chance, dass die potenziellen Langfinger gefasst werden, ist vermutlich gering. Es sei denn, sie werden auf frischer Tat ertappt – deshalb der Appell an alle Mieter, wachsam zu sein und bei Unregelmäßigkeiten sofort die Polizei zu rufen.

Telefon: 03984 350

Kommentare (1)

...aber die Chance, dass die potenziellen Langfinger gefasst werden, ist vermutlich gering." Zitat Ende Richtig! Die Chance einen Langfinger zu fassen, ist vermutlich höher, wenn Politiker betroffen sind! Siehe Datendiebstahl! Beim Volk ist der Brief "Verfahren eingestellt" schneller im Briefkasten, als man selbst von der Polizei wegen der Anzeige zu Hause ist!