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Eine WC-Spülung für Grenada

Jüngstes Mitglied der Elektronikfirma „A+S“ ist Toni Knorr. Der Azubi im dritten Lehrjahr steht kurz vorm Abschluss der Ausbildung zum Elektroniker.

Karibik – Sonne, Strand und Traumurlaub auf der Insel! Welch eine Verlockung für wintergeplagte Mitteleuropäer. Da macht sich niemand Sorgen ums ...

Karibik – Sonne, Strand und Traumurlaub auf der Insel! Welch eine Verlockung für wintergeplagte Mitteleuropäer. Da macht sich niemand Sorgen ums Trinkwasser, das auf den Inseln mitten im Pazifik knapp ist.
Eine kleine Firma in Prenzlau hat längst die Dimension des Rohstoffs Wasser erkannt und sich auf elektronische Steuerungen spezialisiert, die das Herzstück in Wasser- und Abwasseranlagen darstellen. Für die Trauminsel Grenada bestimmt ist zum Beispiel der jüngste Auftrag der „A+S Aktuatorik und Sensorik GmbH“ von Reinhard Roland: „Unsere Steuergeräte überwachen den Wasserstand in den Spülbecken der WC-Anlagen und verteilen bei Bedarf über Ventile den Nachschub aus einem zentralen Behälter. Das sichert die Funktion der Toiletten auch in den anspruchsvollsten Bungalows“, lächelt der Firmenchef.
Nach der Wende hatte sich der Ingenieur mit einem Elektrotechnik-Unternehmen selbstständig gemacht. Von Berlin bis Stralsund belieferte es Kunden mit elektronischen Steuerungen für den Maschinen- und Anlagenbau; in der Heimatregion betreute es viele Metallbaubetriebe. Als sich 1998 die Chance bot, rief Reinhard Roland mit seinem Team die neue Firma ins Leben – und landete offensichtlich einen Volltreffer. Denn seit 15 Jahren konzentriert sich das Hauptgeschäft auf Steuerungstechnik und -elektronik für Wasseranlagen – egal ob Regen, Trink- oder Abwasser. Mit nur fünf Mitarbeitern ist die „A+S“ ein kleines Unternehmen. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Als Ingenieur bringen Steffen Urban, Arne Kirchner, Ulrike Gottschalk und Torsten Czech mit ihrem Chef die Kompetenz eines ganzen Entwicklungsbüros mit. Im dritten Jahr an ihrer Seite befindet sich Azubi Toni Knorr. Damit können sie Interessenten beinahe jeden Wunsch erfüllen, sie tüfteln auch an außergewöhnlichen Kundenwünschen. Einen Großteil der aufwendigen Handarbeit übernehmen die Uckermärkischen Werkstätten der AWO. Dort werden zum Beispiel Leiterplatten in Gehäusen montiert oder Zubehör verpackt.
Ein Produkt von der Software über die Konstruktion, den Musterbau und die Erprobung bis zur Serienreife zu führen, das ist wohl eines der Geheimnisse für den Geschäftserfolg der Firma mit dem ungewöhnlichen Namen und Reinhard Roland zeigt sich zufrieden mit der Auftragslage. Längst geht die Prenzlauer Hightech im Miniformat an weltweite Adressen. Verstärkt melden sich selbst aus den USA und Australien immer mehr Interessenten, sagt Roland. „Durch die vielen großen Katastrophen ändert sich dort das Verhalten gegenüber der Umwelt. Man denkt darüber nach, wie mit dem knappen Wasser besser umgegangen werden kann. Wasser ist ein Zukunftsthema, so wie das der erneuerbaren Energien auch.“
Verkaufsrenner sind vor allem Füllstandsgeräte, die selbstständig Wassermengen regulieren. In enger Kooperation mit Herstellern von Behältern entstanden zum Beispiel digitale Füllstandsanzeigen, Überlaufwächter oder auch Systemsteuerungen für Regenwasser-Nutzungsanlagen. Beim jüngsten Kind der „A+S“, der ASmicro-Steuerung, handelt es sich um einen Alleskönner. Der Minicomputer vereint in sich Datenerfassung und Prozesssteuerung, nutzt die modernsten Technologien von Funksystemen bis zum Internet, das die Anlagensteuerung aus der Ferne ermöglicht. Das eröffnet den Nutzern neue Einsatzmöglichkeiten in der Wasser- und Abwassertechnik, im Umweltmonitoring oder der Gewässerüberwachung. Über die ASmicro-Steuerung läuft zum Beispiel die Versorgung des Prenzlauer Weinberges. „Zur Landesgartenschau haben wir die gesamte Bewässerung des Weinberges als Referenzobjekt gesponsert. Die Rebstöcke werden also immer mit dem notwendigen Nass versorgt, auch wenn kein Gärtner vor Ort ist.“
Neben „Wasser“ steht auch „Licht“ im Programm der kleinen Prenzlauer Firma. Dabei widmet es sich mit den LED-Leuchten einem relativ neuen Thema. So entstehen hier Vorschaltgeräte für LED-Leuchten etwa für Autohäuser. Die Verbindungen zum Wirtschaftsforum Prenzlau eröffnet weitere Kontakte. So greift zum Beispiel die Enertrag AG auf ähnliche Vorschaltgeräte der Prenzlauer Spezialisten zurück.
Als drittes schließlich widmet sich das Unternehmen Sonderlösungen für Kunden mit Spezialwünschen. Für eine große Firma wurde zum Beispiel ein System zur kontrollierten Dimmung des Kunstlichtes in Werkhallen entwickelt. Dort steht jetzt nicht mehr die ganze Halle hell erleuchtet, sondern nur noch die Stellen, wo auch gearbeitet wird. Durch technische Kommunikation – ähnlich wie bei Bluetooth-Geräten – stehen die einzelnen Komponenten des Systems in Verbindung und regulieren die Beleuchtung selbstständig. Das Prinzip ist nicht neu, „wohl aber die Anwendung, die wir selbst entwickelten“, erklärt Reinhard Roland nicht ohne Stolz.