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Fesseln, Sehnsucht und eine Prise Frauenfeindlichkeit

Diana Wagner und Michael Kühne probierten vor dem Filmgenuss spaßeshalber die Handschellen aus.
Diana Wagner und Michael Kühne probierten vor dem Filmgenuss spaßeshalber die Handschellen aus.
Heike Stiel

In Prenzlau hat der Erotikfilm den Kinosaal seht gut gefüllt. Der Streifen sorgte aber gleichzeitig auch für viel Gesprächsbedarf.

Seit einer knappen Woche läuft im Union Filmtheater in Prenzlau der Erotikstreifen „Fifty Shades of Grey“, der die sexuelle Spielart BDSM thematisiert. BDSM – das sind die ersten Buchstaben der Begriffe Bondage (Fesselspiele), Dominanz, Sadismus und Masochismus. In dem Film verliebt sich die Studentin Anastasia Steele in den Milliardär Christian Grey, der frühkindliche Traumatisierungen durch gewalttätige sexuelle Neigungen kompensiert. Ana ist fasziniert von Christian und lässt sich zunehmend auf seine dunkle Welt aus Gewalt, Sex und Dominanz ein.

In Prenzlau scheint dieses Thema anzukommen. „Besonders die Frauen sind begeistert von dem Film“, berichtet Klaus-Dieter Glander, Leiter des Union Filmtheaters Prenzlau. „Zum Valentinstag hatten wir ein spezielles Programm für die anwesenden Frauen, das sehr gut angenommen wurde.“ Die Aufführungen am Wochenende seien mit über 250 Karten pro Aufführung nahezu ausverkauft gewesen und auch am kommenden Wochenende rechne man mit guten Verkaufszahlen. Ungewöhnlich sei auch, dass der Vorverkauf bereits zwei Monate im Voraus begonnen habe und trotzdem gut angelaufen sei.

Verherrlichung von häuslicher Gewalt?

Gänzlich unkritisch aufgenommen wurde der Film allerdings nicht. Vor allem Frauenmagazine und BDSM praktizierende Kommentatorinnen sehen in der Verfilmung des Buches keine cineastische Annäherung an eine Nischensexualität, sondern eine schlichte Verherrlichung von häuslicher und sexueller Gewalt an Frauen. Ana sei keine gleichberechtigte Partnerin, die sich freiwillig einer sexuellen Spielart hingebe, so das Argument der Kritiker. Vielmehr verkörpere sie eine Frau, die alles tue, um einem Mann zu gefallen.

Die Kritik ist nicht neu. Schon vor zwei Jahren veröffentlichte die britische Tageszeitung The Guardian zur Buchvorlage von „50 Shades of Grey“ einen Kommentar der englischen Journalistin und praktizierenden Masochistin Sophie Morgan. Darin kommt Morgan zu dem Schluss, dass die Darstellung sadomasochistischer Sexualität im Buch falsch und gefährlich sei. BDSM habe nichts mit Gewalt und Erniedrigung zwischen zwei ungleichen Menschen zu tun, sondern mit Rollenspielen zwischen gleichberechtigten Partnern. Die deutschen Feuilletons bemängeln zudem die künstlerische Armut und psychologische Farblosigkeit des Streifens.

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