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Frost frisst eingesparte Reserven auf

Eigentlich sollte bei Familie Graunke in Hetzdorf das Frühjahrsgeschäft schon auf Hochtouren laufen. Salat-, Sellerie- und Kohlrabipflänzchen warten auf ...

Seniorchef Ulrich (rechts) und Mario Graunke mit Pelargonien, die schon den Frühsommer erahnen lassen.

Eigentlich sollte bei Familie Graunke in Hetzdorf das Frühjahrsgeschäft schon auf Hochtouren laufen. Salat-, Sellerie- und Kohlrabipflänzchen warten auf Kleingärtner. Noch ducken sich auch Lobelien und Primeln in einem Gewächshaus, warm eingepackt unter Vlies. In einem anderen Glashaus stehen Tausende Stiefmütterchen und Hornveilchen in blau, gelb und weiß. Nur in den seltenen Sonnenstunden öffnet Seniorchef Ulrich Graunke die Tore weit, lässt Licht und Luft hinein.
Von Hause aus Optimist, lässt sich der Gartenbaumeister Sorgen nicht anmerken. Doch verleugnen lassen sie sich nicht. Denn der Verkauf läuft schleppend, die Ölheizung dagegen noch immer auf Hochtouren. So kommen zu dem vermutlich finanziellen Verlust nicht veräußerter Pflanzen die Einbußen durch hohe Energiekosten. „Was wir an Energie von November bis Februar versucht haben einzusparen, ging im gesamten März wieder drauf“, gesteht Ulrich Graunke.
Dabei hat der erfahrene Gärtner erst im Sommer die Geschäftsführung des Familienbetriebes in die Hände seiner Söhne Mario und Michael gelegt. Sicher hätte er ihnen einen besseren Start ins erste Frühjahr auf eigenen Beinen gewünscht. Sie begleiten den Vater beruflich schon seit mehr als 20 Jahren. „Schon zur Wende, als es um die Lehre ging, stand für uns fest, dass wir in den Betrieb einsteigen“, erinnert sich der
38-jährige Mario. So lernten er und sein jüngerer Bruder Gemüse- und Zierpflanzenbauer. „Damals gab es in jedem Dorf eine Gärtnerei. Es war nicht abzusehen, dass wir die einzige im Umkreis von 30 Kilometern bleiben.“ Dafür gilt es, sich gegen die Konkurrenz der großen Handelsketten zu behaupten. Das Geheimnis des Zuspruchs ist ihre Regionalität. In Hetzdorf sind sich die Käufer sicher, vor Ort gezogene Pflanzen und Gemüse zu erhalten, das ohne Chemiekeule wuchs. Eigentlich könnten die drei Gärtner zufrieden sein. Allein die 800 bis 1000 Besucher zu jedem Tag der offenen Tür im Mai zeigt, wie beliebt ihr Betrieb ist. Nun droht der seit Wochen herrschende scharfe Ostwind und nächtlicher Dauerfrost die Mühen von Wochen zunichte zu machen. Vor wenigen Nächten erst fiel das Thermometer auf minus 14 Grad Celsius. Das heißt, alle Gewächshäuser müssen beheizt werden, selbst wenn sie noch keine Pflanzen beherbergen. „Denn der Schnee muss von den Dächern. Die vertragen eine Last von fünf bis zehn Zentimetern, dann drohen sie einzubrechen. Außerdem dürfen die Heizungsrohre nicht einfrieren“, erläutert Mario Graunke. Wenn er alles zusammenrechnet, verschlingen Öl und Strom für die Anlage derzeit ein Drittel der Gesamtkosten.
Seit er im Beruf steht, stiegen die Ölpreise um das Sechsfache, gibt er zu bedenken. Dennoch lohne sich für die Gärtnerei die Umstellung auf Alternativen nicht. „Außerdem: Die Anlage läuft und alles andere hieße für uns zu investieren. Das muss erst mal verdient werden.“