DIE FOLGEN DES VERLUST-GESCHÄFTS

Job-Kahlschlag bei Aleo Solar

Das lange Bangen war für viele vergebens: Von den 590 Prenzlauer Mitarbeitern der Firma Aleo Solar dürfen nur 150 bleiben.
Traurige Gewissheit: Die Solarfirma Aleo wird zerschlagen. Das kostet auch in Prenzlau Arbeitsplätze.
Traurige Gewissheit: Die Solarfirma Aleo wird zerschlagen. Das kostet auch in Prenzlau Arbeitsplätze. Bernd Settnik
Prenzlau.

Es ist keine gute Nachricht für die allermeisten Beschäftigten in Prenzlau und Oldenburg, den Sitzen von Aleo: Der verlustreiche Solarspezialist wird zu großen Teilen vom Mutterkonzern Bosch verkauft. Zugreifen will eine asiatische Investorengruppe, die sich die Filetstücke der Aleo-Gruppe in Brandenburg und Niedersachsen sichert. Das Geschäft mit den Asiaten soll fast Dreiviertel der Aleo-Belegschaft den Job kosten.

Nur 200 der zuletzt noch rund 750 Mitarbeiter haben demnach eine Zukunft bei Aleo, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Der seit 2009 mehrheitlich zu Bosch zählende Solarspezialist zieht mit dem Verkauf einen Schlussstrich: Das Unternehmen hatte zuletzt hohe Verluste eingefahren und war von der Insolvenz bedroht. Allein nach den ersten neun Monaten 2013 standen bei der Aleo Solar AG unter dem Strich 63,6 Millionen Euro Verlust. Die gesamte Solarbranche kämpft mit Überangebot und Preisverfall.

Betriebsrat schweigt

Seit Monaten hatten sich die Aleo-Solar-Geschäftsführung und die Mitarbeiter in Prenzlau und Oldenburg an den Strohhalm eines kaufwilligen Investors geklammert. Der Betriebsrat äußerte sich am Mittwoch nicht gegenüber dem Uckermark Kurier, verwies dafür an den Pressesprecher Hermann Iding. Der wertete die Liquidation seines Unternehmens und gleichzeitige Gründung einer neuen Firma als kleinen Hoffnungsschimmer für den Standort in der Uckermark.

Während der Standort Oldenburg ganz aufgegeben wird, soll in Prenzlau 150 Mitarbeitern eine Arbeit in der neuen SCP Solar GmbH angeboten werden. „Die taiwanesische Firma in dem Konsortium, Sunrise Global Solar, kennen wir aus früheren Geschäftsbeziehungen“, zeigt sich Iding über die Marktchancen zuversichtlich. Zuvor aber seien noch einige Schritte notwendig. Dazu gehörten kartellrechtliche Prüfungen, Verhandlungen für einen Interessenausgleich mit dem Betriebsrat sowie die Entscheidung der Aktionäre auf der außerordentlichen Hauptversammlung, die Iding im April erwartet.

Worte des Bedauerns vom Konzernchef

Aleo-Chef York zu Putlitz ließ sich Mittwoch mit den Worten zitieren: „Ich bedaure, dass es nicht möglich war, mehr Arbeitsplätze zu erhalten. Mit der Produktion in Prenzlau, einem Großteil der Vertriebsmannschaft und der Marke Aleo bleiben jedoch wesentliche Teile des Unternehmens erhalten.“ Mit den Betriebsräten an den Standorten in Prenzlau und Oldenburg seien bereits Rahmensozialpläne vereinbart.

Die neuen Besitzer, ein Käuferkonsortium aus Taiwan, Japan und Hongkong, wollen den Kauf über eine GmbH mit Sitz in Hamburg abwickeln. So soll der Deal laufen: Die Investoren statten ihr Kaufvehikel SCP Solar GmbH aus Hamburg mit 13,5 Millionen Euro Eigenkapital aus. Aleo selber muss für den Kauf drauflegen: Den Angaben zufolge fließt für die Produktionsstätte in Prenzlau inklusive Anlagevermögen, Vorräten, gewerblichen Schutzrechten und Anteilen an einem Tochterunternehmen nur ein symbolischer Euro. Aleo überweist seinerseits zehn Millionen Euro an die neuen asiatischen Besitzer, und Noch-Großaktionär Bosch stützt den Verlustbringer Aleo zum Abschluss mit 31 Millionen Euro.

Bosch besitzt laut Angaben vom Mittwoch derzeit noch 91 Prozent von Aleo. Der übrige Rest verteile sich im Streubesitz auf 1289 Kleinaktionäre.

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Kommentare (1)

Nachdem es jetzt öffentlich geworden ist,wer der neue Investor ist,ist es nach meiner Meinung nur eine Frage der Zeit,bis das Werk hier geschlossen wird. Ich kann mir nicht vorstellen,dass in Deutschland weiter produziert wird,( Mindestlohn)wo es in Asien viel kostengünstiger ist. Denke mir,dass der neue Investor,Fördermittel beantragt oder aber die Maschinen pp abbaut um sie dann in Asien wieder in Betrieb zunehmen. Was dann noch an Mitarbeitern übrig bleibt,ist der Vertrieb und die Forschungsabteilung.