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Leben mit Schulden oder doch lieber Privatinsolvenz?

Andy Rostek, Rechtsanwalt aus Wilhelmshof [KT_CREDIT] FOTO: Gerald Bahr

VonGerald BahrRestschuldbefreiung oder Schuldenbereinigungspläne sind für viele böhmische Dörfer. Professioneller Rat mag teuer, kann aber unvermeidbar ...

VonGerald Bahr

Restschuldbefreiung oder Schuldenbereinigungspläne sind für viele böhmische Dörfer. Professioneller Rat mag teuer, kann aber unvermeidbar sein.

Prenzlau.Monatsende. Die Rechnungen stapeln sich. Auf dem Kontostand prangt eine „Null“, Miete und Strom stehen aus. Die bange Frage: Lebt man mit den Schulden oder beantragt man ein Insolvenzverfahren? Einige Interessierte sitzen in der EJF-Beratungsstelle „Lichtblick“ in Prenzlau. Rechtsanwalt Andy Rostek aus Wilhelmshof berät sie rund um das Thema Verbraucherinsolvenz.
Gleich zu Beginn stellt er klar, dass nicht jeder Schuldner auch die Schuld daran trägt. Krankheit oder Schulden aus einer Erbschaft könnten unbeabsichtigt in die Falle führen. Absichtlich Schulden zu sammeln und sein Glück mit einem Insolvenzverfahren zu versuchen, gehe in die Hose. Das nähere sich einem Betrugsversuch, erklärt Rostek bei dem Themenabend am Donnerstag.
Beispielsweise Schuldnerberatungsstellen oder Rechtsanwälte können helfen. „Steuerberater oder Notare dürften das auch anbieten, tun es aber nicht immer“, ergänzt Rostek. Bei der Privat-Insolvenz folgt zu Beginn ein außergerichtlicher Schuldenbereinigungsplan. Sprich: Schuldner und Gläubiger versuchen sich zu einigen. Oft seien Gläubiger aber verärgert, ihrem Geld hinterherzulaufen. In kleinen Raten den Schuldenberg abzustottern werde von Gläubigern nicht selten abgelehnt. Eine Ratenzahlung sei für viele Schuldner dennoch verlockend, da es zunächst den Zahlungsdruck lindere. „Aber wenn das Geld ohnehin knapp ist, kann es leicht passieren, dass ein Gläubiger zufrieden ist, aber das Geld für andere Schulden fehlt“, erklärt Rostek. Das summiere sich schnell, weitere Mahnbescheide folgen. Da den Überblick zu behalten, sei schwer.
In vielen Fällen bleibt dem Rechtsanwalt trotz Bemühungen seiner Klienten nur, einen „Null-Plan“ zu schreiben: „Der Schuldner kann nichts anbieten, weil nichts zu holen ist“, erklärt Rostek.
Der harte Gang, die Privat-Insolvenz zu beantragen, und eine gerichtliche Regelung sind die Konsequenz. Mindestens sechs Jahre müsse der Schuldner in der Wohlverhaltensperiode seinen Pflichten nachkommen, ohne neue Schulden anzusammeln. Erst danach kann er von eventuellen Restschulden befreit werden.
Die Interessierten an dem Abend haken nach. Teils mit allgemeinen Fragen zum Verfahren, teils aus persönlichen Gründen. Wie weit die Schuldenfalle schon zugeschnappt hat, wird nicht verraten.

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g.bahr@nordkurier.de