Parade im Adamskostüm

Nackter Spaziergänger sorgt für Aufsehen

Ein entblößter Mann am Straßenrand – in Dedelow gibt es das Schauspiel seit Monaten. Wir haben den Flitzer zu seiner Motivation befragt.

Nacktflitzer kennt man gemeinhin nur von Großveranstaltungen. Dass man den Nackedeis aber auch auf dem platten Land begegnet, zeigt ein Beispiel aus der Uckermark. In Dedelow bei Prenzlau macht seit Monaten ein unbekleideter Bewohner von sich reden. Uckermark Kurier hat ihn getroffen. Hartmut Meseke sagt, dass er manchmal keine Bekleidung auf seiner Haut ertragen kann. Der 66-jährige Schmied nimmt für sich in Anspruch, dass es kein generelles Verbot von Nacktheit in der Öffentlichkeit gebe. Nach Rücksprache mit der Polizei habe er sich aber überzeugen lassen, künftig einen Lendenschurz zu tragen.

Keine großen Sprünge

„Mein Gemächt muss bedeckt sein, alles andere ist erlaubt”, argumentiert der Pensionär und setzt beschwichtigend hinzu, dass er keine Gefahr darstelle. „Ich lebe hier seit Jahren ganz ruhig in einer kleinen Einzimmer-Wohnung und tue niemandem etwas.” Mit seinen über 800 Euro Rente im Monat könne er zwar keine großen Sprünge machen, aber Geld für Bekleidung sei natürlich da.

Beschwert hat sich niemand

Ortsvorsteherin Gisela Hahlweg kennt ihn nur angezogen. Der Kommunalpolitikerin ist zwar schon zu Ohren gekommen, dass es ab und an Nacktauftritte gebe. „Aber beschwert hat sich bei mir noch niemand über ihn.” Rechtlich ist es so, dass man nur in den eigenen vier Wänden so rumlaufen darf, wie man möchte. „Und auch wer im Garten lieber auf Kleidung verzichtet, begeht zunächst weder eine Straftat und meist auch keine Ordnungswidrigkeit”, so steht es im Rechtsportal des Deutschen Anwaltvereins.

Nur ein Gummiparagraf

Der in diesen Fragen relevante Paragraf 118 gilt als so genannter Gummi­pa­ra­graf. Weil er so unbestimmt formu­liert sei, lasse sich das Gesetz gummi­artig dehnen, so die Juristen. Daher komme es oftmals auf den Einzelfall an – und auf die Auslegung der Richter.

Anzeigen in Vorbereitung

Die Prenzlauer Polizei hat allerdings in jüngerer Vergangenheit mehrfach Einsätze in diesem Zusammenhang gefahren, so Pressesprecher Stefan Möhwald. Entsprechende Anzeigen wegen exhibitionistischer Handlungen sind in Bearbeitung.

Claudia Marsal

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