SIMSON-FREUNDE PILGERN IN DIE UCKERMARK

Ohne Pittiplatsch geht es nicht auf große Tour

Für die Simson-Freunde kann es kein Moped mit dem knatternden Kultgefährt aufnehmen. Ostalgie? Sicher nicht, denn viele Fans beim Treffen auf der Uckeralm kennen die DDR und das Suhler Werk nur noch vom Hörensagen. Stundenlang zuckelten sie auf ihren unkaputtbaren Lieblingen über die Landstraßen.
Ivonne Hackbarth Ivonne Hackbarth
Als sich Matthias Aßmann (vorn rechts) und seine Clique vom Zweitakt-Team Uckermark wieder auf den Heimweg nach Templin machten, waren ihnen die Blicke der Besucher sicher.
Als sich Matthias Aßmann (vorn rechts) und seine Clique vom Zweitakt-Team Uckermark wieder auf den Heimweg nach Templin machten, waren ihnen die Blicke der Besucher sicher. Ivonne Hackbarth
Matthias Aßmann auf seiner höher gelegten S 51. Noch gehört das Moped ihm, aber Teamkollege Eric Markhoff will sie ihm abkaufen. Der 16-Jährige ist ganz vernarrt in die DDR-Kultgefährte.
Matthias Aßmann auf seiner höher gelegten S 51. Noch gehört das Moped ihm, aber Teamkollege Eric Markhoff will sie ihm abkaufen. Der 16-Jährige ist ganz vernarrt in die DDR-Kultgefährte. Ivonne Hackbarth
Schnatterinchen und Pitti haben einen Ehrenplatz ergattert und sind das Markenzeichen der Templiner Simson-Freunde.
Schnatterinchen und Pitti haben einen Ehrenplatz ergattert und sind das Markenzeichen der Templiner Simson-Freunde. Ivonne Hackbarth
Steffen Frisch (links) und seine Kumpel von der Simson Brigade Röpersdorf.
Steffen Frisch (links) und seine Kumpel von der Simson Brigade Röpersdorf. Ivonne Hackbarth
Schon der Nachwuchs ist infiziert und ganz fasziniert von den knatternden Motorengeräuschen.
Schon der Nachwuchs ist infiziert und ganz fasziniert von den knatternden Motorengeräuschen. Ivonne Hackbarth
Ob aufgemotzt, original erhalten oder bunt lackiert - die Simson-Kultmopeds haben auch in der Uckermark Anhänger.
Ob aufgemotzt, original erhalten oder bunt lackiert - die Simson-Kultmopeds haben auch in der Uckermark Anhänger. Ivonne Hackbarth
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Seelübbe.

Es roch nach Sprit und Öl. Dicke bläuliche Auspuffschwaden zogen über das Gehöft und das typisch knatternde Geräusch der Zweitaktmotoren wurde durch die Mauern noch verstärkt – Parfüm und Musik für die Mopedverrückten, deren große Leidenschaft Simson-Roller sind. Ob aufgemotzt, original erhalten oder bunt lackiert – am Sonnabend waren Anhänger des DDR-Kultgefährts auf die Uckeralm bei Seelübbe gepilgert, wo das erste große Treffen der Region stattfand. Klar, dass da kein Weg zu weit war und die Fans mit ihren 3,4 PS unter der Blechhaube einige Stunden Fahrtweg in Kauf nahmen. Die am weitesten angereisten kamen immerhin aus Oranienburg. Auf 15 Mopeds zuckelten die Fans samt Zeltutensilien mit 60 Kilometern pro Stunde über die Landstraßen.

Matthias Aßmann und seine Clique vom Zweitakt-Team Uckermark hatten es nicht ganz so weit. Neun Fahrzeuge hatten die Templiner dabei und zogen mit den edlen Teilen – S 50, S 51, Schwalbe und sogar ein schick aufgemöbeltes Duo – sämtliche Blicke auf sich. Matthias Aßmann selbst fährt eine S 51. Natürlich hat er schon einige Stunden an dem Teil herumgeschraubt, das eine oder andere umgebaut und ausprobiert. Jetzt ist der 38-Jährige zufrieden: Umgespritzt in Flip-Flop, ändert sich die Farbe je nach Lichteinfluss von Grün und Gold nach Blau. Außerdem legte er die Simson höher und tauschte die Lampen vorn aus. Der Altenpfleger liebäugelt mit einer MZ, rot oder gelb sollte das Motorrad sein, auf alle Fälle aber mit Beiwagen. „Dann kommt auch meine Frau mit.“ Bis dahin fährt Moppi als Sozius bei ihm auf der S 51 mit: Pittiplatsch und seine Freunde aus dem Märchenwald sind schließlich das Markenzeichen des Templiner Zweitakt-Teams.

Gegenüber auf der Uckeralm zeigten die Kumpels von der Simson Brigade Röpersdorf, womit sie sich in ihrer Freizeit beschäftigen. Ihre Mopeds erinnerten nur noch in der Form an die Originale und leuchteten in tollen Farben – kein Wunder, wenn man jemanden im Team hat, der in der Pulverbeschichtung arbeitete. „Der eine kann das, der andere jenes, wir ergänzen uns prima“, so Steffen Frisch, auf dessen Konto die schimmernden Lackierungen gehen. Der 31-Jährige ist stolz darauf, dass seine aufgemöbelte S 50 stolze 80 Sachen läuft. Nur Schwalben mag der Prenzlauer partout nicht. Die bringen ihm Unglück, wie er verriet, weshalb er seine verkaufte. Erst vor drei Monaten hatte sich der Mopedfan wieder einmal auf die Seite gelegt. Dieses Mal war er aber so schwer gestürzt, dass er sich die Schulter brach. „Das passiert schon mal“, wiegelte der junge Mann ab.

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