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Pflanzen durch Aufessen vor dem Aussterben bewahren

Eine Tomatenpflanze aus den USA im Gewächshaus des Vereins zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen.  FOTO: Patrick Pleul

VonAntje SchererEin Verein in der Uckermark züchtet „Rotkehlchen“ –eine alte Kartoffelsorte.Sie wird wie anderesfast Vergessenes wiederpopulär ...

VonAntje Scherer

Ein Verein in der Uckermark züchtet „Rotkehlchen“ –
eine alte Kartoffelsorte.
Sie wird wie anderes
fast Vergessenes wieder
populär gemacht.

Greiffenberg/Angermünde.Bei Hobbygärtnern liegen historische Kartoffel- oder Tomatensorten im Trend. Der Vorsitzende des Vereins zur Erhaltung und Rekultivierung von Nutzpflanzen in Brandenburg (VERN), Thomas Ebel: „Bei uns steigen sowohl die Mitgliederzahlen als auch das Spendenaufkommen.“
Der Verein im Angermünder Ortsteil Greiffenberg (Uckermark) setzt sich für den Erhalt der Vielfalt alter Kulturpflanzen ein.
Auf mehr als 4000 Quadratmetern werden in der Schaugärtnerei rund 2000 alte Nutzpflanzensorten vermehrt und so vor dem Aussterben bewahrt. Interessenten können gegen eine Spende Samen mit nach Hause nehmen. Auch die Online-Bestellung ist möglich. „Alte und bedrohte Sorten können nur bewahrt werden, wenn sie auch in privaten Gärten angebaut werden“, sagt Edel.
Das Motto des Vereins sei deshalb: „Bewahren durch Aufessen“. Der Vereinschef ist Biolandwirt und baut selbst rund 70 alte Kartoffelsorten an. „Jede schmeckt anders.“ Saatgut für Tomaten, Getreide, Salate und Blumen sowie Stauden sind im Angebot in Greiffenberg. Das Interesse daran steige. „Die alten Sorten sind gefragt.“ Zuletzt habe er Kartoffeln nach Tansania geschickt, berichtete Ebel. Der Verein ist auch bei Märkten in der Region und in Berlin präsent und arbeitet mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde zusammen.
Der 1996 gegründete Verein hat derzeit 500 Mitglieder. Darunter seien Gärtner, aber auch Großstädter.
Wer historische Sorten anbaue, trage direkt vor der Haustür zum Erhalt der genetischen Vielfalt bei, betont der Vereinsvorsitzende. Die Kartoffeln heißen „La Ratte“ oder „Bamberger Hörnchen“, die Tomaten „Blondköpfchen“ oder „Quedlinburger Früheste Liebe“. Die älteste Pflanze ist die Versaille-Nelke, die schon im Garten von Ludwig XIV blühte.