Das Medieninteresse war wie immer groß. Wer nicht erschien, war der Angeklagte.
Das Medieninteresse war wie immer groß. Wer nicht erschien, war der Angeklagte. Claudia Marsal
Uckermärker angeklagt

Prozess um Nazi-Ware erneut vertagt

Udo W. aus dem Boitzenburger Land soll mit Gegenständen des Dritten Reiches gehandelt haben. Was er dazu sagt, erfuhr die Öffentlichkeit am Freitag nicht.
Prenzlau

In Prenzlau stand am Freitag zum wiederholten Mal Udo W. aus dem Boitzenburger Land vor Gericht. Zumindest theoretisch. Denn persönlich erschien der Angeklagte nicht. Der 47-Jährige ließ sich durch einen Rechtsanwalt aus Neuruppin vertreten. Die Staatsanwaltschaft wirft Udo W. vor, im Internet über Jahre mit Kennzeichen verfassungsfeindlicher Organisationen gehandelt zu haben. Die ihm zur Last gelegten Taten reichen bis ins Jahr 2005 zurück.

Vieles mit Hakenkreuzen versehen

Die Anklagevertreterin führte in einem fast 20-minütigen Bericht Dutzende Beispiele dafür auf, unter anderem den Verkauf und Versand von Gegenständen des Dritten Reiches wie Sturmabzeichen, Eisernen Kreuzen, SS-Ehrendolchen, Mützenadlern und Nahkampfspangen, die allesamt mit Hakenkreuzen, Sieg-Runen und/oder Totenköpfen versehen waren.

In Polen hergestellt

Die Devotionalien der Nazi-Zeit soll der Familienvater in Polen herstellen lassen haben. Von dort aus sei zum Teil auch der Versand nach Deutschland erfolgt, berichtete die Anklägerin. Einen Teil der Ware habe der Mann persönlich nach Deutschland gebracht und Käufern übersendet, hieß es weiter. Für die Zahlungen sei sowohl sein Konto bei der Sparkasse als auch das seiner Eltern angegeben worden, zeigte die Staatsanwältin auf. Der Richter unterbrach die Sitzung nach dem Verlesen der Anklageschrift für ein Rechtsgespräch.

Ablaufhemmung festgestellt

Den zahlreich erschienenen Medienvertretern wurde im Anschluss zur Kenntnis gegeben, dass es um die Verjährungsproblematik gegangen sei. Richter Jörn Christian Kattenstroth stellte dazu fest, dass er eine Ablaufhemmung in dem Verfahren sehe, weshalb Verjährung nicht eintrete. Die Einstellung des Verfahrens komme für ihn deshalb auch nicht in Betracht. Der Verteidiger machte nicht von seinem Recht Gebrauch, sich im Namen des Angeklagten zu äußern beziehungsweise zu den Tatvorwürfen einzulassen. Die Verhandlung wurde deshalb nach gut einer Stunde für zunächst beendet erklärt. Als nächster Termin wurde Mittwoch, der 7. November, anberaumt.

Immer wieder taktiert

In mehreren Verfahren war der Angeklagte bereits zu Haftstrafen auf Bewährung verurteilt worden. Gegen die Urteile hatte Udo W. immer wieder Berufung eingelegt. Bei den notwendigen Nachfolgeterminen erschien er meist gar nicht vor Gericht. So, wie beispielsweise Mitte 2015, reichte er mehrfach Krankenscheine ein, die ihn für verhandlungsunfähig erklärten.

 

https://www.nordkurier.de/prenzlau/nazi-orden-prozess-laeuft-die-zeit-davon-0916695708.html

https://www.nordkurier.de/templin/im-nazi-prozess-laeuft-die-zeit-davon-0714724405.html

 

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