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Richtkrone kann schon geschmückt werden

Hannah und Alex schlagen von den alten Wänden Putz ab. Ihnen macht die körperliche Arbeit Spaß, versichern sie. [KT_CREDIT] FOTOs: M. Strehlow

Die Bauarbeiten an der neuen Kita in Wallmow werden von sechs Helfern unterstützt. Seit Montag „schuften“ junge Leute aus allen Teilen Deutschlands auf ...

Die Bauarbeiten an der neuen Kita in Wallmow werden von sechs Helfern unterstützt. Seit Montag „schuften“ junge Leute aus allen Teilen Deutschlands auf der Großbaustelle des ehemaligen, denkmalgeschützten Stalls, direkt neben der Schule des Zuckermark e.V. Über den Internationalen Bauorden Deutscher Zweig e.V. sind sie in die Uckermark gekommen, um zwei Wochen beim Aufbau der „Klima-Kita“ des Zuckermark-Vereins mitzuhelfen.

Über die tatkräftige Unterstützung der Studenten, Azubis und Abiturienten freuen sich Baukoordinatorin Mandy Möhwald und Projektchefin Sonja Pinto riesig. Denn der zeitige und lange Winter sorgte auch in Wallmow für Verzögerungen. „Rund sechs Wochen liegen wir zurück“, bedauert Sonja Pinto. Damit wird sich nach jetzigem Stand die Einweihung des ehrgeizigen Projektes in den September/Oktober verschieben, werden sich Eltern und Kinder noch gedulden müssen. Dennoch verströmen die Frauen Zuversicht: „Der Frühling hat nun doch Einzug gehalten und es passiert wieder ganz viel am Bau.“
Das auf knapp 490 000 Euro veranschlagte Projekt der „Klima-Kita“ wird zwar von Fördermittelgebern wie dem Bildungsministerium in Potsdam unterstützt. Dennoch ist der Verein ständig auf der Suche nach Unterstützung, um die Eigenleistungen zu stemmen. So entstand zum Beispiel über den Bundesverband freier Alternativschulen der Kontakt zum Internationalen Bauorden mit Sitz in Ludwigshafen. Der plant mit seinen Partnern in Europa jährlich rund 180 Hilfsprojekte, sogenannte Baucamps, wie der gemeinnützige Verein auf seiner Homepage wissen lässt. Über 350 000 vorwiegend junge Menschen – Schüler, Studierende, Auszubildende, Handwerker und Angestellte – hätten bisher als Freiwillige unentgeltlich geholfen. So muss auch der Zuckermark e.V. nicht für den Einsatz der sechs jungen Leute zahlen, wohl aber für deren Unterkunft und Verpflegung sorgen. Zudem werden natürlich sportliche und kulturelle Freizeitangebote von Jonas Soubeyrand organisiert.

Die jungen Leute zwischen 18 und 25 Jahren haben offensichtlich Freude an der ungewohnten Handarbeit. Hannah aus Karlsruhe zum Beispiel studiert im sechsten Semester Bauingenieurwesen. Mit Alex und Anna klopft sie heftig den alten Putz von der Ziegelwand des Stalls, sodass die Brocken nur so herumspritzen. Alex kommt aus Aachen und will von Informatik auf Bauingenieur umsatteln. Auch deshalb probiert er sich erst einmal in der Praxis aus, verrät er freimütig. Anna dagegen muss sich nach diesem Praktikum an ihre Diplomarbeit setzen. Die Bauingenieurin in spe will sich körperlich nochmal so richtig verausgaben, bevor sie sich ans Schreiben macht.
Fachlich angeleitet werden sie von Vereinsmitglied Stefan Kownatzki sowie den Spezialisten der Prenzlauer Firma Kompaktbau und Sanierung Greese GmbH. Sonja Pinto ist des Lobes voll über die tolle Zusammenarbeit mit den Zimmerleuten und Maurern. Auf dem alten Stall, der vollständig entkernt wurde, thronen schon der neue Dachstuhl und die Träger für die erste Etage. Auffällig sind die vielen Aussparungen für Fenster. Sie sollen Licht und vor allem wärmende Sonnenstrahlen ins Gebäude lassen, um zusätzlichen Heizaufwand zu vermeiden. Das ist ein Kriterium der besonderen, klimaneutralen Bauweise des Modellprojektes.

Beim Rundgang über die Baustelle zeigt Sonja Pinto in die Höhe und meint lächelnd: „Das ist unser einziger Luxus“ – rötlich schimmernde Holzbalken und Streben aus Lärchenholz. Dort oben zu sehen sind auch schon die hölzernen Wandelemente für die Räumlichkeiten in der ersten Etage. Während sich ein Teil der Männer mit Schweißbrenner und Muskelkraft abmüht, alte Stahlträger zu demontieren oder Zugänge zu mauern, sind nebenan im Neubau die Zimmerleute fleißig. Das „Gerippe“ aus Holz steht bereits, wird nur noch an einigen Stellen zum Dach hin verbunden. Dann wird es Zeit fürs Richtfest, dessen Termin mit dem 26.April feststeht. Das ist auch der letzte Tag für die Freiwilligen des Bauordens in Wallmow. „Doch unser Richtfest werden sie noch miterleben“, ist sich Sonja Pinto sicher.