KUPPELEI VORM FEST

Singles in den besten Jahren gesucht

Vielen Menschen graut es vorm Fest – weil sie keinen Partner mehr haben. Das wollen wir ändern. Wer einsam ist, kann sich in der Redaktion melden.
Die meisten Menschen sehnen sich nach einem Partner.
Die meisten Menschen sehnen sich nach einem Partner. contrastwerkstatt - Fotolia.com
Prenzlau.

Nur noch vier Tage, dann fängt für Margret T. die schlimmste Zeit des Jahres an. Ach, was heißt, sie fängt an. „Eigentlich hat sie längst begonnen“, sagt die 71-Jährige und seufzt. Spätestens als zum ersten Mal „Merry Christmas“ im Radio dudelte, sank ihr Stimmungsbarometer auf den Tiefpunkt. Die Prenzlauerin gehört zu denen, die Weihnachten hassen. Noch nicht immer, aber immer mehr. „Als die Kinder und später die Enkel noch klein waren, habe ich das Fest genossen“, blickt die Verkäuferin nachdenklich zurück.

Plätzchen backen, Gänsebraten vorbereiten, Baumschmuck basteln – das sei ihre Welt gewesen. Sie habe es immer allen und jedem Recht machen wollen, vor allem der eigenen Familie. Gedankt habe ihr das nicht jeder, wie sie traurig bilanziert. All die schönen Feiern seien nämlich nichts mehr wert gewesen, als ihr Mann eine jüngere Frau kennenlernte. Auf einmal war er weg. 30  gemeinsame Jahre einfach so ausgeblasen – noch heute kann Margret T. nicht davon erzählen, ohne dass sie zu weinen beginnt.

„Im nächsten Jahr hätten wir Goldene Hochzeit gehabt“, setzt sie betreten hinzu. Nicht dass sie die hätte feiern wollen. „Eine schöne Reise zum Jubiläum hatten wir mal geplant“, verrät sie dann. Aida oder so, und im Nachhinein mit den Verwandten auf das Eheglück anstoßen.

Kein Mann mehr da

Tja, das war einmal. Wie gewonnen, so zerronnen. Auf Kreuzfahrt gegangen ist die kleine, quirlige Frau trotzdem schon. Mit der Tochter und dem Schwiegersohn. „Die haben glücklicherweise immer zu mir gehalten.“ Bei den anderen beiden Kindern war das nicht so. „Söhne halt, die zieht es mehr zum Vater“, resümiert Margret T. nachdenklich. Zerstritten hätten sie sich nicht. „Nein, sie kommen auch zu Besuch. Schon der Enkelsöhne wegen. Aber zur Tochter hat man als Mutter dann doch eine andere Beziehung.“ Die 32-Jährige war es auch, die dem Uckermark Kurier den Tipp gab, bei der Mama mal vorstellig zu werden.

„Sie ist so eine Seele von Mensch und nicht dafür geschaffen, allein zu bleiben.“ Aber von sich aus würde sie sich nie trauen, nach einem Partner zu suchen, ist die Älteste der drei Geschwister sicher.

Lieber sitze ihre Mutter jeden Abend einsam vorm Fernseher, als sich jemandem an den Hals zu werfen, setzt die Tochter schmunzelnd hinzu. Ja, „an den Hals werfen“ – diese Formulierung gebraucht die noch auf Zuverdienst tätige Rentnerin. Lange Zeit habe sie ja gehofft, dass mal jemand in den Laden komme und sich beim Bezahlen an der Kasse etwas ergebe. „So wie im Film, man wechselt ein paar Worte, lacht sich an und dann ist das Eis gebrochen.“ Alle anderen Varianten hält die vierfache Großmutter für viel zu konstruiert. „Eine Bekannte von mir hat mal eine Internetanzeige aufgegeben. Nach dreimal Telefonieren gab es dann ein Treffen. Das war alles andere als schön. Sie musste die Rechnung zahlen und tat das letztlich auch, um den Mann wieder loszuwerden. Der hatte keine Partnerin, sondern eine billige Haushaltshilfe gesucht.“

Allein gebummelt

Davor graut der gebürtigen Sächsin am meisten. Einem fremden Kerl die Socken stopfen – „nein, dafür liebe ich meine Selbstständigkeit viel zu sehr.“ Aber ab und an mal abends ausgehen oder zum Eisessen fahren, das würde ihr schon gefallen. Die letzten beiden Wochen habe sie das besonders vermisst. Denn beim Bummel übern Weihnachtsmarkt kam sie sich schon sehr einsam vor. Einmal kam zwar die Tochter mit, ein anderes Mal die Bekannte aus der Physiotherapie-Gymnastik.

„Aber mit einem Mann an der Seite wäre das schon schöner“, macht sie aus ihren romantischen Gefühlen keinen Hehl. Was sie nicht brauche, sei ein Stoffel, von denen es ja leider auch genug gebe. „Beim Einkaufen bin ich so manches Mal froh, dass ich nicht so einen mauligen Ehemann an meiner Seite habe, dem alles zu viel ist. Dann schleppe ich mein Zeug lieber allein.“

Haben Sie, liebe Leser, sich bei diesen Zeilen ein bisschen wiedererkannt? Gehören Sie auch zu den einsamen Seelen, denen vorm Zweisamkeitsglück der Feiertage graut? Dann fassen Sie sich doch ein Herz und melden Sie sich in der Redaktion. Vielleicht bekommen wir gemeinsam vorm Jahreswechsel noch eine Seite mit Singles in den besten Jahren hin.

Telefon: 03984 864712

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