Zu Weihnachten gab es natürlich auch in der DDR unzählige unterschiedliche Familien-Traditionen. Manches gleicht sich aber in vielen Familien.
Zu Weihnachten gab es natürlich auch in der DDR unzählige unterschiedliche Familien-Traditionen. Manches gleicht sich aber in vielen Familien. Peter Gercke (Archiv)
Leser-Erinnerung

So war Weihnachten früher bei uns in der DDR

Nordkurier-Leserin Annette Franke-Blume aus Warthe in der Uckermark hat uns geschrieben, wie sie in den 1970er Jahren Weihnachten gefeiert hat. Hier ist ihre Geschichte.
Warthe

Als ich Ihren Aufruf las, doch mal über Weihnachten in der DDR zu schreiben, fielen mir unsere Weihnachtsfeiern in den 70er Jahren ein, an die ich mich heute noch gerne erinnere. Zur der Zeit war ich 11/12 Jahre alt, wir wohnten da in Warthe, die Weihnachtsfeiern wurden zu der Zeit von der Gemeinde in dem großen Saal in der Gaststätte „Drei Eichen”, die noch heute im Familienbesitz existiert, für alle Kinder und Rentner ausgerichtet.

Im Saal wurden lange Tischreihen aufgestellt, eine große echte Tanne stand im Raum geschmückt mit bunten Kugeln, und echte Kerzen wurden angezündet. Ich glaube mich zu erinnern, dass auch Feuerwehrleute auf den Baum aufpassten.

Mit unserem Chor und der Laienspielgruppe haben wir lange vorher tüchtig geprobt. Ein kleines Theaterstück wurde natürlich mit selbstgebauter Dekoration für die Bühne eingeübt, Lieder geprobt und unsere Gedichte immer wieder geübt. Dann war es soweit, die Pionierbluse und das Halstuch wurden nochmal aufgebügelt, der Plisseerock gerichtet , dicke Strumphhosen an und die Stiefel auf Vordermann gebracht – wir konnten los!

Meine Schwester Petra war auch mit im Chor und spielte Flöte. Die Aufregung wuchs, hoffentlich passiert uns kein Patzer. Die Gedichte wurden nochmal abgefragt. Wir suchten uns einen Platz und jeder hatte sein eigenes Kaffeegedeck mitgebracht.

Die Feier wurde mit einer Ansprache vom Bürgermeister eröffnet. Danach ging der Chor auf die Bühne . Lieder wurden gesungen, von Herrn Löschmann mit der Gitarre begleitet. Ich stand mit in der ersten Reihe und durfte nur die Lippen bewegen, weil ich nicht singen konnte. Gedichte auftragen habe ich dagegen gerne gemacht.

Ein Gedicht habe ich bis heute noch in guter Erinnerung:

„Weihnachtsabend”

Hört nur, gestern Abend so gegen sieben,Mutter war grad beim Kaufmann drüben,da poltert es die Treppe hinauf, klopft an die Tür und reißt sie auf.

Knecht Ruprecht kam herein und denkt Euch, ich war ganz allein.Er brummte etwas wie Weihnachtslieder, da rutschte ich flink vom Stuhl hernieder und sang das Lied von der heiligen Nacht, da hat er aber Augen gemacht!

Er schenkte mir Nüsse und Pfefferkuchen und brummte, dich werd ich noch mal besuchen.„Grüß Vater und Mutter recht schön”, Und ich sagte fröhlich: „Auf Wiedersehen!”

Dann folgte ein kleines Laienspielstück, „Peter sucht den Weihnachtsmann”, das mit Applaus beendet wurde. Meine Schulfreundin Doris war der Peter, und ich war einer von den Zwergen. Unser Programm war zu Ende, und nach einer kurzen Pause polterte es an die Tür. Der Weihnachtsmann kommt! Mit den Worten vom Gedicht „Knecht Ruprecht” von Theodor Storm auf den Lippen trat er ein:

"... von drauß' vom Walde komme ich her,ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr! Allüberall auf den Tannenspitzen sah ich goldene Lichtlein sitzen ...”

Der Weihnachtsmann hatte einen riesigen Mantel an und frisch geputzte Knobelbecher an den Füßen. Trotz seiner Verkleidung wussten wir schnell, wer darunter steckte. Wir haben uns aber nicht getraut rumzukichern, wir hatten Respekt! Denn der Weihnachtsmann hatte nicht nur einen großen Sack mit Geschenken dabei, sondern auch eine große Rute!

Nach und nach wurde jedes Kind aufgerufen und musste einen Vers aufsagen, dann bekam man sein Geschenk. Die Jungen haben auch mal die Rute zu spüren bekommen, weil sie es mit ihrem Schabernack übertrieben haben, da hat Knecht Ruprecht nicht lange gefackelt. Mit frischem Kuchen und Kakao kling dann langsam unsere Feier aus, und wir gingen glücklich mit unseren Geschenken nach Hause.

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