HILFE FÜR ALKOHOLIKER

Sucht hätte Fleischer fast ruiniert

Seit neun Monaten ist Thomas Peuse trocken. Der Weg dorthin war steinig. Damit es auch andere schaffen, hat der 47-Jährige eine Selbsthilfegruppe gegründet, die sich am 15. Mai zum ersten Mal trifft.
Claudia Marsal Claudia Marsal
Thomas Peuse an seinem Lieblingsplatz, der Fleisch-Theke. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine liebe Frau...
Thomas Peuse an seinem Lieblingsplatz, der Fleisch-Theke. Jetzt fehlt eigentlich nur noch eine liebe Frau... Claudia Marsal
Prenzlau.

Thomas Peuse ist Fleischer. Metzger mit Leib und Seele. Doch um ein Haar hätte sich der 47-Jährige ins Heer der Arbeitslosen einreihen müssen. Nicht weil er seinen Job schlecht macht. Nein, in der Firma ist man zufrieden mit ihm. Seit Ewigkeiten schon hat er die selbe Stelle. Doch mit den Jahren bekam man auch im Betrieb mit, dass er Probleme hat. Probleme mit dem Alkohol.

Irgendwann hätte die Firma ihn rausschmeißen müssen, da ist er sicher. Glücklicherweise kam es so weit nicht. Dass der Prenzlauer jetzt darüber spricht, hat mit den „Trockenschwänen Prenzlau“ zu tun. So nennt sich eine neue Selbsthilfegruppe für trockene Alkoholiker, die Fleischer Thomas Peuse mit ins Leben gerufen hat. Er ist seit August 2017 vom Alkohol weg. Gelungen sei ihm das auch dank der großen Unterstützung durch Arbeitgeber und Kollegen.

Lange Alkoholentwöhnung durchgestanden

Sowohl die dreiwöchige Entgiftung in Angermünde als auch die anschließende drei Monate währende Alkoholentwöhnungsbehandlung stand der Kreisstädter mit der Gewissheit durch, dass sein Job in dieser Zeit sicher ist. Der alkoholkranke Mann weiß, dass das nicht selbstverständlich war. Auch wenn Alkoholismus seit langem als Krankheit anerkannt sei und Betriebe Krankschreibungen aus diesem Grund tolerieren müssten, gehe es nicht überall so glimpflich ab.

Einen konkreten Auslöser für die außer Kontrolle geratene Sucht vermag der alleinstehende Mann gar nicht zu benennen. Vielleicht war es die Scheidung oder der spätere Verlust eines geliebten Menschen, Thomas Peuse kann nur mutmaßen, was die Ursachen anbelangt.

Zu DDR-Zeiten viel gesoffen

Er vermutet, dass der Boden dafür schon zu DDR-Zeiten bereitet wurde. „Da wurde ja in den Firmen selbst viel gesoffen.“ Das sei heute anders, aber jetzt sei ihm eben das Feierabendbier, später die Goldkrone zum Verhängnis geworden. „Das ist so ein schleichender Prozess“, versucht Peuse zu erklären.

Aus einem Gläschen werden zwei, dann drei, später stelle sich das Glücksgefühl erst nach einer Flasche ein. Ein erster Versuch, mit der Sucht zu brechen, scheiterte 2015 ganz kläglich. „Ich habe mich damals zu früh in Sicherheit gewiegt, dachte, ein alkoholfreies Bier sei als Ersatz legitim.“ Doch das sei ein Trugschluss gewesen.

Vor alkoholfreiem Bier gewarnt

„Der Geschmack ist ja der selbe. Das weckt Erinnerungen. Und man rutscht langsam wieder rein.“ 0,0 – nur so und nicht anders funktioniere Abstinenz, weiß Thomas Peuse heute. „Geheilt sein werde ich nie“, auch das ist ihm schmerzlich bewusst. Aber jeder Tag, den er nicht vernebelt zu Ende bringe, sei ein glücklicher Tag. Thomas Peuse weiß, dass die Zahl der Abhängigen in den letzten Jahren gestiegen ist. Aktuell wird sie auf 1,8 Millionen beziffert.

Erstes Treffen am 15. Mai in Prenzlau

Aber jeder Einzelne, der den Weg aus der Sucht finde, sei ein Erfolg. Und dabei wollen die „Trockenschwäne“ helfen. Die erste Zusammenkunft findet am 15. Mai ab 18 Uhr im Haus „Lichtblick“ neben dem Prenzlauer Rathaus statt.

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Kommentare (1)

... in einer Situation, wo man Glück, Erfolg oder Ähnliches hat, kommt die Gretchenfrage, wie oder mit was man sich belohnen will. Dann merkt man, dass man vom Alkohol nicht entwöhnt ist. Viel Erfolg im weiteren Leben!