Prenzlauer vor Gericht

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Syrer erhält 600 Euro Entschädigung

Im großen Verhandlungssaal des Amtsgerichts standen am Mittwoch zwei Brüder vor Gericht.
Im großen Verhandlungssaal des Amtsgerichts standen am Mittwoch zwei Brüder vor Gericht.
Claudia Marsal

„Scheiß-Ausländer“-Parolen und angedrohte Schläge kommen einen Prenzlauer teuer zu stehen. Das Amtsgericht entschied auf Schmerzensgeld.

Zwei Brüder aus Prenzlau haben sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht wegen eines Angriffs auf zwei Flüchtlinge verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft warf den beiden jungen Männern Beleidigung und versuchte Misshandlung vor. Die Kreisstädter sollen am 29. Dezember 2016 in der Steinstraße zwei Asylbewerber angepöbelt und bedroht haben. Dem 21-jährigen Haupttäter legte die Anklage zudem zur Last, mit einem zerbrochenen Flaschenhals hinter einem der Opfer hinterher gelaufen zu sein. Mit daran beteiligt war offenbar noch ein dritter Prenzlauer. Doch dieser leistete der Vorladung nicht Folge. Auch die vom Richter sofort eingeschaltete Polizei konnte den Angeklagten nicht ausfindig machen, weshalb sein Verfahren abgetrennt wurde und zu einem anderen Termin nachverhandelt wird. Der ältere der Brüder räumte seine Tat im Verlauf des Prozesses ein. „Ich weiß, dass ich Scheiße gebaut habe. Es tut mir leid“, sagte er mit Blick auf eines der Opfer. Der Syrer Mohamad H. wertete das als Entschuldigung. Er nahm sie an.

Gefährliche Stadt für Flüchtlinge

Auch wenn der 20-Jährige bis heute unter den Folgen des Angriffs leidet, wie er sagt. Obwohl er damals nicht körperlich zu Schaden gekommen sei, wiege die Tat schwer, erklärte der Fachabiturient weiter. Kurz nach dem Angriff schon sei er aus Prenzlau weggezogen, weil er die Angst vor weiteren Attacken nicht mehr los wurde, erklärte der angehende BWL-Student während der Verhandlungspause im Gespräch mit Anne Brückmann von der „Opferperspektive“. Diese verdeutlichte im Gespräch mit dem Uckermark Kurier, dass ihr Verein Prenzlau mittlerweile für eine der gefährlichsten Städte Brandenburgs hält, was Angriffe auf Flüchtlinge anbelangt.

Zahlbar in Monatsraten

Allein in diesem Jahr habe es schon zehn Vorfälle gegeben, die aktenkundig geworden sind, versicherte die Aktivistin. Im Fall der beiden angeklagten Brüder hat das Gericht noch Hoffnung, dass es keine weiteren Zwischenfälle geben wird. Seit der Attacke vor zwei Jahren waren die beiden nicht wieder aktenkundig geworden. Damals war offenbar auch viel Alkohol im Spiel gewesen. Richter Weisheit stellte in Absprache mit Staatsanwaltschaft und Verteidigung deshalb das Verfahren auch ein. Voraussetzung ist, dass der Hauptangeklagte dem geschädigten Syrer im nächsten halben Jahr 600 Euro überweist, zahlbar in Monatsraten von je hundert Euro. Das Geld bekommt der mittlerweile in Eberswalde lebende Flüchtling zur freien Verwendung – als Wiedergutmachung für das Unrecht, das ihm hier widerfahren ist, hieß es in der Urteilsbegründung. Sollte der Angeklagte nicht zahlen, geht der Prozess weiter.