Staatsanwaltschaft sprachlos
Tödlichen Messerstich offenbar übersehen

Die Polizei hat die Wohnung des Tatverdächtigen versiegelt.
Die Polizei hat die Wohnung des Tatverdächtigen versiegelt.
Claudia Marsal

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin will Licht in einen ominösen Todesfall bringen. Die Behörden gehen davon aus, dass ein 51-jähriger Prenzlauer einer Gewalttat zum Opfer gefallen ist. Um ein Haar wäre das Verbrechen aber gar nicht entdeckt worden.

Sachen gibt‘s, die gibt‘s gar nicht - bis sie dann doch irgendwann passieren. Für Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper ist das jüngste Gewaltverbrechen von Prenzlau so ein Fall. Denn was sich da nach dem Tod eines 51-Jährigen zugetragen hat, dürfte bislang wohl beispiellos sein, wie sie sagt. Die Vertreterin der Anklage versichert, dass sie so etwas in ihrer langjährigen Praxis noch nicht erlebt habe.

Was war passiert? Die Prenzlauer Polizei war am 15. Februar 2014 gegen Mittag von einem erheblich alkoholisierten Mann angerufen worden. Dieser behauptete am Telefon, dass seinem Kumpel etwas zugestoßen sei. Die Beamten machten sich daraufhin unverzüglich auf den Weg in die Wohnung des namentlich benannten 55-Jährigen. Dort fanden die Rettungskräfte den leblosen Mieter vor.

Notarzt attestierte natürliche Todesursache

Und jetzt kommt‘s: Der hinzugezogene Notarzt attestierte nach der Untersuchung der Leiche eine natürliche Todesursache. Im Totenschein heißt es offenbar, dass geplatzte Krampfadern Schuld am Verscheiden des Mannes waren, so Lodenkämper. Nur weil die Beamten vorschriftsmäßig prüfen lassen wollten, ob sich der Anrufer der unterlassenen Hilfeleistung schuldig gemacht hatte, ging der Fall in die nächste Ebene.

Drei Stichwunden entdeckt

Die Staatsanwaltschaft Neuruppin wies daraufhin eine Obduktion des Verstorbenen an. Und siehe da, die Pathologen entdeckten drei Stichwunden an seinem Körper, von denen eine, so die Experten, todesursächlich gewesen war. So jedenfalls heißt es im Bericht an die Strafverfolgungsbehörde. Oberstaatsanwältin Lolita Lodenkämper steht gewiss nicht in dem Ruf, schnell sprachlos zu werden, aber hier war sie es erst einmal, wie sie bestätigte. Wie ein Mediziner drei Einstichwunden übersehen könne, das sei ihr ein Rätsel.