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Vom schlechten Gewissen geplagt

150 Euro und ein Entschuldigungsbrief eines anonymen Schmähbriefschreibers landeten im Briefkasten des Uckermark Kurier.
150 Euro und ein Entschuldigungsbrief eines anonymen Schmähbriefschreibers landeten im Briefkasten des Uckermark Kurier.
Claudia Marsal

Mit einer Schmähschrift hatte ein anonymer Verfasser auf ein Foto in der Zeitung reagiert. Er erntete einen Sturm der Entrüstung. Nur einen Tag später muss er seine Aktion bitter bereut haben.

Es war nur ein Banner, auf dem eine jetzt im uckermärkischen Blindow wohnende polnische Familie ihren Nachwuchs begrüßte. "Herzlich Willkomen, Pola" stand darauf. Trotz des kleinen Rechtschreibfehlers war die Geste dem Uckermark Kurier ein Schnappschuss wert. Doch genau das fehlende "m" war es, das einen Leser veranlasste, einen anonymen Schmähbrief zu verfassen. "Toll, noch ein Gör mehr, das aus eine Familie kommt, die nicht lesen und schreiben können", stand da drin. Und "Da ist doch Hartz IV vorprogramiert", war da in ebenfalls fehlerhaftem Deutsch zu lesen.

Nach der Veröffentlichung der Zuschrift im Uckermark Kurier erhob sich ein Sturm der Entrüstung. In Dutzenden Reaktionen brachten Leser ihr Unverständnis über die verächtliche Meinung des Schreibers zum Ausdruck. Sie wurden ebenfalls veröffentlicht.

Geste nötigt Respekt ab

Und dann trat ein, womit niemand gerechnet hatte. Wenige Stunden nach Erscheinen des Artikels landete ein Umschlag im Briefkasten der Redaktion, der unverkennbar die Handschrift des Schmähbriefschreibers trug. Der Inhalt: ein Entschuldigungsschreiben und 150 Euro, die dem neugeborenen Mädchen zukommen sollen. Egal, was letztlich den Ausschlag für die Entschuldigung gab: Zu dieser Geste gehört Größe.