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Was Männer zum Weinen bringt

Ein leicht unscharfes Handy-Bild geht zurzeit im  Internet um die halbe "Welt". Es zeigt einen jungen Prenzlauer, der mit Tränen in den Augen seine Kollegin umarmt. Auf den Auslöser gedrückt hat die Mutter des 30-Jährigen an seinem letzten Arbeitstag.

Sebastian Hoffmann schämt sich seiner Tränen nicht.
Leser Sebastian Hoffmann schämt sich seiner Tränen nicht.

Männer heulen nicht. Auch Sebastian Hoffmann hat diesen Spruch gewiss  seit seiner frühesten Kindheit zu hören bekommen. Und trotzdem geht zurzeit ein Foto durchs Internet, das den jungen Mann aus Prenzlau weinend zeigt. Der 30-Jährige liegt tränenüberströmt in den Armen einer Kollegin, der es in diesem Moment vermutlich nicht anders erging. Doch Michaela Holz-Fitzner kehrt dem Betrachter gerade den Rücken zu.

Aufgenommen wurde der Schnappschuss bei der Abschlussveranstaltung der Landesgartenschau. Die Mutter des 30-Jährigen zückte ihr Handy, als ihr Sohn, der dort sechs Monate lang als Gästeführer gearbeitet hatte, nach der Dankesrede seines Chefs von der Bühne kam. "Das war schon ein sehr emotionaler Moment", denkt der gelernte Tiefbauer an diesen Augenblick zurück. Wochenlang hätten sie alle nur für die LAGA gelebt, und nun das jähe Aus. "Sicher, wir wussten, dass das nur eine Anstellung auf Zeit sein wird", sagt Sebastian Hoffmann traurig. Was niemand habe erwarten können, sei der Umstand gewesen, "dass uns die Arbeit so viel Spaß machen würde". Das und die Tatsache, dass dort Menschen zu Freunden fürs Leben wurden. 

Die Zeit auf der Landesgartenschau sei die schönste seines bisherigen Lebens gewesen, sagt Sebastian Hoffmann. Das habe zum einen an den netten Kollegen gelegen, von denen die meisten, so wie er, aus der Arbeitslosigkeit kamen. "Jeder hat sich sofort in die neue Aufgabe hineingekniet", denkt der Vater eines zweijährigen Sohnes zurück. Mindestens genauso wichtig fürs Arbeitsklima sei aber die Person des LaGa-Geschäftsführers gewesen. "Ich habe in all den Jahren noch nie so einen netten Chef wie Christian Hernjokl gehabt", erklärt der Kreisstädter bestimmt. Jetzt könne er das ja laut sagen, ohne dass ihm Schmeichelei unterstellt werde. "Es ist leider klar, dass er nie mehr mein Vorgesetzter werden kann, denn eine weitere Landesgartenschau so es in Brandenburg ja erstmal nicht geben."