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Was passierte auf der „Wodka-Party“?

Ein Mann aus Pasewalk soll in Prenzlau mit weiteren Männern Flüchtlinge verprügelt haben. Am ersten Verhandlungstag offenbarten sich aber Unklarheiten.
Der Angeklagte wurde in Handschellen vorgeführt.
Der Angeklagte wurde in Handschellen vorgeführt. Claudia Marsal
Der Iraner Majid T. trat als Nebenkläger auf.
Der Iraner Majid T. trat als Nebenkläger auf. Claudia Marsal
Prenzlau.

Im März 2016 fand im Prenzlauer Eventcenter eine „Wodka-Party“ statt. Das Haus war voll an jenem Tag. Auch der Iraner Majid T. gehörte zu den Gästen der Veranstaltung. Im Laufe des Abends soll der 26-Jährige mit anderen Landsleuten auf eine Gruppe deutscher Diskogänger getroffen sein, die ihnen feindlich gesinnt war. Am Rande der Tanzfläche sei es jedenfalls zu Rangeleien gekommen, sagte der Friseur am Dienstag vor dem Amtsgericht Prenzlau aus. Der Asylbewerber trat dort als Zeuge im Prozess gegen den 27-jährigen Tim F. auf. Der gebürtige Pasewalker soll in dieser Nacht mit zwei weiteren Männern gewalttätig geworden sein.

Von Security verbannt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem jungen Mann vor, drei Migranten gemeinschaftlich misshandelt zu haben. Der Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung steht im Raum. Laut Anklage hat sich das Ganze in den Morgenstunden vor der Großraumdisko zugetragen. Beide Streitparteien waren zuvor offenbar von den Security-Leuten des Saales verwiesen worden. Auf dem Parkplatz schlug Tim F., so der Staatsanwalt, dann mit zwei weiteren, nicht identifizierten Tätern mehrfach zu. Den ersten Schlag habe er abbekommen, versicherte Majid T. im Zeugenstand.

Tattoomeister beschreibt Schlag

Der in seiner iranischen Heimat zuletzt als Tattoomeister tätige Flüchtling sagte aus, unvermittelt einen heftigen Schlag an der linken Schläfe gespürt zu haben. Als Täter könne er zweifelsfrei den ihm auf der Anklagebank gegenübersitzenden Tim F. identifizieren, erklärte Majid T. dem Vorsitzenden Richter, Jörn Christian Kattenstroth.

Blutend am Boden

Was dann passiert sei, wisse er nicht, erklärte der Zeuge den anwesenden Juristen und Schöffen. Man habe ihm während des Angriffs, in dessen Folge er laut seiner Schilderung kurz das Bewusstsein verlor, die Kapuze über den Kopf gezogen. Als er wieder zu sich gekommen sei, habe ein Freund blutend am Boden gelegen, blickte der Asylbewerber auf die Tatnacht zurück.

Untätig beobachtet

Ein weiterer Freund sei mit anderen Angreifern beschäftigt gewesen – dieses Bild habe er noch vor Augen, betonte Majid T: Die Sicherheitsleute des Betreibers hätten untätig daneben gestanden und der Prügelei zugesehen, so wie andere Besucher wohl auch. Die Security hat nach Ansicht der Nebenklage offenbar einen maßgeblichen Anteil am Zustandekommen des Angriffs vor der Diskothek. Laut Majid T. habe es nämlich keinen triftigen Grund gegeben, ihn und weitere Asylbewerber aus dem Saal zu werfen.

20-jährige Zeugin

Diese Auffassung teilt auch Maria K. aus Prenzlau. Die 20-Jährige sagte aus, lange Zeit mit Majid T. und seinen Freunden zusammen gewesen zu sein. Niemand von denen habe, wie von anderen deutschen Gästen behauptet, eine Frau aus der zweiten Gruppe belästigt. „Im Gegenteil, die Provokationen gingen von den anderen aus“, versicherte die Auszubildende. Die Kreisstädterin erklärte im Zeugenstand, dass sie noch versucht habe, zu vermitteln. Auch den Rauswurf der Asylbewerber wollte sie durch ihr Veto verhindern, erklärte die Zeugin.

Schlägerei nicht mitbekommen

Die folgende Schlägerei habe sie aber nicht mitbekommen, weil sie in der Disko geblieben sei. Maria K. erfuhr demnach erst Stunden später von dem Vorfall, als einer der Asylbewerber ihr Fotos von Verletzungen aufs Handy schickte und den Angreifer als „Nazi“ beschrieb. Sie habe in diesem Moment gewusst, um welche Person es sich handelte. Unter anderem weil ihr seine auffälligen Tätowierungen an Kopf und Händen und Eiserne Kreuze auf seinem Pullover aufgefallen waren.

Angeklagter sagt nichts

Der Angeklagte, der aktuell eine mehrjährige Haftstrafe wegen anderer Vergehen absitzt, ergriff während der Sitzung nicht das Wort. Dafür stellte sein Verteidiger mehrmals die Glaubwürdigkeit der Zeugen auf den Prüfstand. Rechtsanwalt Dietmar Kernchen zeigte dem Gericht etliche Widersprüche in den Aussagen auf. Majid T. habe beispielsweise von zwei, dann von drei beziehungsweise vier Angreifern berichtet. Auch bei den von ihm geschilderen zeitlichen Abläufe gebe Einiges Rätsel auf, manifestierte der Jurist.

Etliche Widersprüche

Die vor zwei Jahren bei der Polizei getätigten Aussagen kollidierten, so der Verteidiger, teilweise mit dem jetzt Gesagten. Er forderte den Dolmetscher mehrmals auf, dem jungen Iraner alle Fragen korrekt zu übersetzen. Unklarheiten gab es auch bei der Diskussion über einen Schadensersatzverzicht. Ein entsprechendes Formular lag dem Richter vor. Wie die Unterschrift des Zeugen, der eine kaputte Brille und eine defekte Uhr beklagt, unter das Papier gekommen ist, konnte Majid T. nicht zweifelsfrei klären.

Sitzung vertagt

Es könne sein, dass die Heimleiterin das Dokument für ihn ausgefüllt habe. erklärte der Flüchtling. Ob sie ihn dabei über den Inhalt aufgeklärt habe, wisse er aber nicht mehr. Die Hauptverhandlung ging mit der Anhörung weiterer Zeugen zu Ende und wurde vertagt. Über den Termin der nächsten Sitzung wird die Öffentlichkeit rechtzeitig informiert, hieß es.

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Kommentare (5)

Ich verstehe nicht, warum man eine Wodka Party als Veranstaltung bezeichnet, das ist zügelloses Besäufnis. Sowas gehört verboten, denn was dabei rauskommt steht ja im Artikel. Egal welcher Nationalität die Beteiligten sind. Iraner sind doch eigentlich Moslems, die Alkohol verabscheuen. Oder ist damit Integration gemeint ,denn ob die Iraner keinen Alkohol getrunken haben geht aus dem Artikel nicht hervor, oder ich hab was überlesen.

... dass der Iraner ein Muslim ist? Weil er aus dem Iran kommt? Sind alle Deutschen Katholiken? Die Bibel untersagt Ehebruch. Sind alle verheirateten Deutschen treu? Und wieso muss nach dem Vorfall in bzw. vor der Disko geklärt werden, ob der Iraner ein Alkoholverbot umging? Ist Ossi62 ein Koranwächter?

Sie schwafeln hier nur dummes Zeug, KD. Ich habe lediglich unterstellt, das der Iraner ein Moslem ist, was garantiert auch zu 95% stimmt.

Ne, ne Verbote haben wir schon genug!
Wer damit nicht umgehen kann, gehört da nicht hin.
Da wäre ggf. der Veranstalter dann in einer gewissen Haftung zu nehmen.

Alkohol und nicht unseren Alkohol gewohnte Suedlaender das geht nicht gut - ! - Da waere der Veranstalter auch gefordert gewesen - meine Erfahrungen -! Veranstaltet lieber Kaelbertraenken dann sind Schlaegereien hinfaellig -