Unsere Themenseiten

:

Das erste Mal Weihnachtsbaum und Geschenke

Können Kinderaugen schöner glänzen?
Können Kinderaugen schöner glänzen?
Claudia Marsal

Viele Bewohner des Prenzlauer Asylbewerberheims kennen Weihnachtsfeiern nicht. Ein junger Afghane meint aber, dass es wichtig ist, gerade diese Tradition in Deutschland zu erfahren - und organisierte deshalb eine wirklich tolle Sache.

Mazi Qaderi wird immer noch ganz still, wenn er den Fuß über die Schwelle eines Asylbewerberheimes setzt. Keine Frage, die fünf langen Jahre, die er mit seiner Familie selbst in so einer Unterkunft verbracht hat, sind noch sehr präsent. „Zu sechst in einem Zimmer in einer Atmosphäre der Hoffnungslosigkeit – das prägt“, sagt der 21-jährige Afghane mit dem ernsten Gesicht.

Aus den ersten Jahren  ist ihm vor allem eins in Erinnerung geblieben: „Ich weiß noch, wie wir Ausländerkinder nach den Weihnachtsferien immer abseits standen, wenn sich die Deutschen ihre Geschenke zeigten und von ihren Feiern im Kreise der Familie berichteten. Wir konnten damit nichts anfangen, denn Weihnachten gab es für uns ja nicht.“

Bräuche des anderen respektieren

Auch in seinem Kulturkreis spielt das christliche Weihnachtsfest keine Rolle. „Aber das heißt doch nicht, dass wir uns den deutschen Festen verweigern müssen. Ich bin der Meinung, dass es wichtig für die Integration ist, die Bräuche der anderen zu respektieren und an ihnen teilzuhaben.“ Der junge Afghane, der nach einer blendenden Schullaufbahn mittlerweile Chef eines gut gehenden Betreuungsdienstes ist, weiß, dass nicht alle seiner Landsleute diese Auffassung teilen.

Aber er ist sicher, richtig zu liegen. Und weil ihm daran liegt, dass es die nach ihm Kommenden leichter haben, entschloss sich der ehrgeizige junge Mann vor Weihnachten zu einer beispielhaften Aktion. Über das Internet rief der Geschäftsmann zu Spenden fürs Asylbewerberheim Prenzlau auf. Er bat ganz bewusst darum, festliche Weihnachtspäckchen für die dortigen Kinder zu packen. „Damit sie jetzt eine Freude und nach den Ferien etwas zu erzählen haben.“