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Raritäten und Kurzweiliges mit Hornist

Solohornist Christoph Eß [KT_CREDIT] FOTO: Beatrice Kuehnke

VonPeter BuskeZum Ausklang ihrerKlassiksaison machen die „Preußen“ auf ergötzliche Weise mit „Alp- und anderen Hörnern“ bekannt.Prenzlau.Der die ...

VonPeter Buske

Zum Ausklang ihrer
Klassiksaison machen die „Preußen“ auf ergötzliche Weise mit „Alp- und anderen Hörnern“ bekannt.

Prenzlau.Der die Hörner auf meisterliche Art zu blasen versteht, heißt Christoph Eß und ist Solohornist der Bamberger Symphoniker. Zusammen mit der erweiterten Streicherstammbesetzung des Preußischen Kammerorchesters unter Leitung von Frank Zacher gab er im Kultur- und Plenarsaal in Prenzlau einen klangvollen Einblick in die Historie und diffizilen blastechnischen Spielweisen und baulichen Besonderheiten.
Dabei versucht er sich erstmals auf dem wegen seiner kniffligen Tonbildung bei Musikern auch „Glücksspirale“ genannten ventillosen Naturhorn, mit dem er Mozarts DKonzert KV 412 spielt. Ob Stakkati, Triller oder Legatobögen: alles gelingt ihm überaus klangvoll und mit vorzüglichster Intonation, unterstützt von den munter und gelöst, enorm homogen und geschmeidig begleitenden Streichern.
Man kommt aus dem Staunen nicht heraus, dass aus dem meterlangen Blasrohr des Alphorns außer durchdringenden, jagdhorntypischen Signalen auch überraschend kecke und leise Tonfolgen erklingen können. In Leopold Mozarts „Sinfonia Pastorella“ ist’s verteufelt himmlischer Schall, den Christoph Eß dem aparten
Orchesterspiel beimischt. Ohne einen improvisierten Hirtengesang lässt ihn das begeisterte Publikum nicht vom Podium. Den Ohren vertrauter klingt das moderne Waldhorn, das er ebenso ansatzsicher beherrscht. Zunächst in einem kammermusikalischen Kurzweiler, dem C-Dur-Scherzino von Max Reger. Beim exzellenten, klangtransparenten Zusammenspiel geht es kapriziös bis lebhaft zu – die reinste Freude.
Lustbetontes Spiel mit strahlender und glanzvoller Solistenassistenz zeichnet ebenfalls die Wiedergabe des ausdrucksvollen Hornkonzerts von Gordon Jacob aus. Man kann sich daran kaum sattgenug hören. In Topform zeigen sich die „Preußen“ auch in ihren eigenen Beiträgen, einer Anhäufung von romantischen Raritäten aus der britischen und schwedischen Schatztruhe.
Unterhaltsam, schwelgerisch, very british und distinguiert spielen sie die sechsteilige „Lady Radnor’s“-Suite von Charles Perry. Zart und traumhaft schön erklingt die „Elegy“ vom Edelromantiker Sir Edward Elgar, süffig und voluminös, dann wieder nordisch herb und düster die „Kleine Serenade“ von Lars-Erik Larsson. Ein gelungenes Saisonfinale mit zum Verlieben schönen Zutaten.