ÄRZTEMANGEL IN MV

Hausärzte dürfen Patienten nur bedingt ablehnen

Die Suche nach einem neuen Hausarzt gestaltet sich in Mecklenburg-Vorpommern oft schwierig. Doch Ärzte dürfen Patienten nur bedingt ablehnen. Aktuelle Zahlen sorgen zudem für eine Überraschung.
dpa
Arztpraxen im Nordosten sind vielerorts überfüllt.
Arztpraxen im Nordosten sind vielerorts überfüllt. Rolf Vennenbernd
Neubrandenburg.

Wie überall im Land mangelt es auch in Mecklenburg-Vorpommern an Hausärzten. Rund 130 Stellen waren Ende 2017 nicht besetzt, in den kommenden fünf Jahren verabschieden sich 500 Mediziner in den Ruhestand. Das ist seit langem bekannt, und damit liegt das Land bundesweit immerhin im Mittelfeld. Brandenburg hingegen trägt bei der Ärztedichte die Rote Laterne. Überraschend sind aktuelle Zahlen vom Bundesarztregister, wonach Mecklenburg-Vorpommern mit die jüngsten Hausärzte hat. Der Altersdurchschnitt liegt bei 54 Jahren.

Dennoch sind Arztpraxen im Nordosten vielerorts überfüllt, so dass sich die Hausarztsuche mitunter schwierig gestaltet. Die Landesregierung plant daher, die Online-Behandlung auszuweiten. Grundsätzlich sind Ärzte mit einer Kassenzulassung dazu verpflichtet, gesetzlich Versicherte zu behandeln. Es gibt aber Gründe, aus denen sie eine Behandlung verweigern dürfen, erklärt die Unabhängige Patientenberatung (UPD).

Wann Patienten abgelehnt werden dürfen

Einer dieser Gründe ist Überlastung: Wenn der Arzt so viele Patienten hat, dass er Massen an Überstunden schieben müsste oder sich für einzelne Besucher kaum noch Zeit nehmen kann, kann er die Aufnahme weiterer Patienten ablehnen. Das gilt auch und gerade für die Dauerbetreuung durch Haus- oder Kinderärzte. Gar nicht ablehnen dürfen Ärzte Patienten nur bei einem medizinischen Notfall.

Wie man doch noch einen Arzt bekommt

Patienten bleibt dann nur, sich an die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) zu wenden – jedes Bundesland hat jeweils eine, Nordrhein-Westfalen zwei. Hier können sich Betroffene erstens beschweren, die sich zu Unrecht abgelehnt fühlen. Zweitens muss die KV einen alternativen Haus- oder Kinderarzt vermitteln. Eine Möglichkeit, einzelne Ärzte wegen Nicht-Behandlung zu verklagen, gibt es nach Angaben der UPD nicht.Nach dem neuen Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) soll die Vermittlung von Haus- oder Kinderarzt künftig auch über die Termin-Servicestellen der KV laufen. Für Facharzt-Termine sind diese bereits jetzt zuständig.

Es gibt nur eine Ausnahme

Die Behandlungspflicht gilt übrigens nur für Vertragsärzte und Kassenpatienten – und nicht für Privatärzte ohne Kassenzulassung oder Privatpatienten. Hier greift die Vertragsautonomie: Ärzte dürfen also selbst entscheiden, mit wem sie einen Behandlungsvertrag schließen. Einzige Ausnahme ist auch hier der Notfall.

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