Ein Glas Alkohol ab und an soll der Gesundheit förderlich sein – glaubte man lange Zeit.
Ein Glas Alkohol ab und an soll der Gesundheit förderlich sein – glaubte man lange Zeit. Daniel Maurer (Symbolbild)
Greifswalder Studie

Alkohol in Maßen verlängert nicht das Leben

Anders als bisher angenommen, ist ein Glas Wein am Tag offenbar doch nicht gesund. Forscher aus Greifswald räumen mit diesem Mythos auf und kommen bei ihrer Studie zu ganz anderen Ergebnissen.
Greifswald

Alkohol trinken, um gesund zu bleiben? Jahrzehntelang ist man davon ausgegangen, dass das funktioniert, wenn man es dabei mit dem Alkohol nicht übertreibt. Doch Professor Ulrich John* und sein Team haben diese Annahme nun widerlegt.

Die Studie der Greifswalder Forscher ist in der Fachzeitschrift PLOS Medicine veröffentlicht worden, teilte die Universitätsmedizin Greifswald mit. Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass Menschen die Alkohol in geringen Mengen trinken, gesundheitlich nicht besser dastehen als solche, die niemals Alkohol trinken.

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„Bisherige Studien legten nahe, dass Menschen, die geringfügige bis moderate Mengen trinken, länger leben. Dies führte lange zur Schlussfolgerung, mäßiger Alkoholkonsum könne gesundheitsfördernde Effekte haben, insbesondere in Bezug auf das Herz-Kreislauf-System. Dies konnten wir nun klar widerlegen“ sagt John.

Andere Faktoren ausschlaggebend

Stattdessen sei die kürzere Lebenserwartung alkoholabstinent lebender Menschen auf andere Faktoren zurückzuführen. Dazu gehören frühere Alkohol- oder Drogenprobleme, tägliches Tabakrauchen und eine schlechtere selbst eingeschätzte Gesundheit.

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Grundlage für die Studie waren Daten von 4028 Erwachsenen aus Schleswig-Holstein im Alter zwischen 18 und 64 Jahren, die bereits 1996/97 erfasst worden sind. Die Personen gaben dabei detaillierte Informationen zu ihrem Konsumverhalten, ihrer Gesundheit sowie Suchterkrankungen an. Rund 25 Jahre später ist nun untersucht worden, welche damaligen Studienteilnehmer wann gestorben sind.

Nur rund jeder zehnte Teilnehmer der Studie hatte in dem Jahr vor der Befragung keinen Alkohol getrunken. Die große Mehrheit dieser 447 Personen war jedoch zuvor Alkoholkonsument – 322 davon waren in der Vergangenheit suchtkrank, auf sie traf also einer der oben genannten Faktoren zu. Ohne Risikofaktoren waren lediglich 125 der Nichttrinker. Diese wurde dann mit den moderaten Trinkern hinsichtlich ihres Sterberisikos verglichen.

Kein Unterschied bei Sterbewahrscheinlichkeit

„Überraschend war für uns der Befund, dass alkoholabstinente Personen ohne Risikofaktoren sich in ihrer Sterbewahrscheinlichkeit nicht von Menschen mit geringem bis moderatem Alkoholkonsum unterscheiden“ sagt Ulrich John und fügt hinzu: “Lange Zeit wurde angenommen, dass geringer bis moderater Alkoholkonsum günstige Wirkungen auf die Gesundheit haben kann. Wir fanden nun jedoch, dass die meisten alkoholabstinent lebenden Personen unserer Studie zuvor Alkohol- oder Drogenprobleme, hohen Alkohol- oder täglichen Nikotinkonsum hatten oder ihre Gesundheit als mäßig bis schlecht bewerteten – alles Faktoren, die bekannt dafür sind, dass sie vorzeitigen Tod vorhersagen.“

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Die Greifswalder Forscher kommen daher zu dem Schluss, dass die Ergebnisse der Studie der Empfehlung widersprechen, aus gesundheitlichen Gründen Alkohol zu trinken.

Die Studie zum Nachlesen:

John U, Rumpf H-J, Hanke M, Meyer C.

Alcohol abstinence and mortality in a general population sample of adults in Germany: A cohort studyPLOS Medicine 2021

*Professor Ulrich John aus der Abteilung für Präventionsforschung und Sozialmedizin am Institut für Community Medicine der Universitätsmedizin Greifswald ist der Leiter der Studie.

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