Pepp-PT soll die Nutzer davor warnen, wenn Sie Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten und eine Quarant
Pepp-PT soll die Nutzer davor warnen, wenn Sie Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten und eine Quarantäne empfehlen. ALAIN JOCARD
Pepp-PT

App soll das Coronavirus eindämmen

Die Vorbereitungen für eine Stopp-Corona-App nehmen in Europa Fahrt auf. Um Ansteckungsketten aufzudecken, haben Forscher und Firmen eine neue Technik entwickelt.
Berlin

Eine Art digitaler Zollstock soll jetzt helfen, das Coronavirus weltweit einzudämmen. Eine Initiative hat dafür die Software-Anwendung „Pepp-PT” entwickelt (kurz für: Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing). Die Anwendung soll den Nutzern Hinweise und Warnungen liefern, wenn sich Menschen möglichen Corona-Infizierten nähern und dadurch Infektionsketten nachvollziehbar machen.

Die Bundesregierung setzt große Hoffnungen in die App zur Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten. Eine solche Technik gilt als eine Möglichkeit, die Ausbreitung der Lungenkrankheit zu bremsen, wenn es irgendwann Lockerungen der aktuellen Einschränkungen des öffentlichen Lebens geben wird. Unter anderem geht es darum, die begrenzte Menge vorhandener Corona-Tests zielgerichtet einsetzen zu können.

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„Pepp-PT” hat ein Team von rund 130 Mitarbeitern aus 17 Instituten, Organisationen und Firmen in Europa entwickelt, darunter das Frankfurter Unternehmen Arago, das Robert Koch-Institut und das Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut. Die Entwickler betonen ausdrücklich, dass es dabei nicht um das Ausspionieren privater Daten noch um eine Stigmatisierung der Nutzer geht. „Es ist ein anonymer und die Privatsphäre schützender digitaler Ansatz zur Kontaktverfolgung, der in voller Übereinstimmung mit der Datenschutzverordnung ist und auch bei Reisen zwischen Ländern über einen anonymen, länderübergreifenden Austauschmechanismus verwendet werden kann”, heißt es.

Software warnt mögliche Infizierte vor

Die Anwendung soll freiwillig installiert werden, die Nutzer bleiben anonym, es werden keine Namen oder Kontaktinformationen preisgegeben. Über den Funkstandard Bluetooth sollen sich Smartphones, deren Besitzer nahe genug für eine potenzielle Infektion gekommen sind, anonym einen temporären Zahlencode austauschen, der nur lokal auf den jeweiligen Geräten gespeichert wird.

Sollte ein Nutzer anschließend von einem Arzt positiv auf das Virus getestet werden, werde er von dem Arzt gebeten, seine Kontaktliste an Zahlencodes an den zentralen Server zu übermitteln. Die Software warnt daraufhin alle diese Personen davor, dass sie ebenfalls infiziert sein könnten und empfiehlt dann eine Quarantäne. Was die Anwendung ausdrücklich nicht übermitteln soll: Wer der oder die Infizierte ist und wann oder wo der Kontakt stattgefunden hat. Schließlich sollten keine identifizierenden Merkmale das Risikopersonen erhoben werden, sagte Arago-Gründer Chris Boos dem „Spiegel”.

Pepp-PT ist den Entwicklern zufolge aber keine eigenständige App, die Software kann „als Kontaktverfolgungsfunktion in nationale Corona-Handy-Apps eingebunden werden” und damit die nationalen Gesundheitsdienste unterstützen, hieß es vom Fraunhofer-Institut. Würde jedes Land eine eigene App entwickeln, würde sich daraus keine ausreichend große Datenbank ergeben. Pepp-PT könnte daher als internationaler Standard dienen.

Bundeswehrsoldaten testen App

Die Bundeswehr hat die Entwickler unterstützt. In der Berliner Julius-Leber-Kaserne beteiligten sich am Mittwoch nach Angaben der Bundeswehr etwa 50 Soldaten an einem Test für die Anwendung.

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte ursprünglich geplant, den Gesundheitsbehörden bei einer „epidemischen Lage von nationaler Tragweite” zu erlauben, Kontaktpersonen von Erkrankten anhand von Handy-Standortdaten zu ermitteln. Nach heftiger Kritik aus der Opposition, aber auch der SPD, stellte Spahn diese Pläne zurück.

Für eine App, die Bürger freiwillig installieren könnten und die sie ohne Preisgabe von Namen oder Standortdaten anonymisiert warnt, wenn sie Kontakt mit einem bestätigten Infizierten hatten, gibt es dagegen politische Unterstützung aus allen im Bundestag vertretenen Parteien. Auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber (SPD) hält dies für einen gangbaren Weg. Dabei müsste die Maßnahme befristet und klare Löschpflichten für gespeicherte Daten vorgesehen sein, hieß es vom Deutschen Richterbund.

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