SCHWERE NEBENWIRKUNGEN

Arzneimittelbehörde warnt vor gängigen Antibiotika

Mehrere bislang häufig verschriebene Antibiotika-Wirkstoffe stehen unter Verdacht, schwere oder sogar lebenslange Nebenwirkungen auszulösen.
dpa
Ärzte sollen die weit verbreitete Antibiotikagruppe der Fluorchinolone wegen schwerer Nebenwirkungen nur noch stark eingeschränkt verschreiben. Sie wurden bisher unter anderem regelmäßig gegen Atemwegs- und Harnwegsinfekte verordnet.
Ärzte sollen die weit verbreitete Antibiotikagruppe der Fluorchinolone wegen schwerer Nebenwirkungen nur noch stark eingeschränkt verschreiben. Sie wurden bisher unter anderem regelmäßig gegen Atemwegs- und Harnwegsinfekte verordnet. Julian Stratenschulte
Bonn.

Ärzte sollen die weit verbreitete Antibiotikagruppe der Fluorchinolone wegen schwerer Nebenwirkungen nur noch stark eingeschränkt verschreiben. Das teilt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit.

Auf dem deutschen Markt sind folgende Wirkstoffe aus der Gruppe der Flourchinolone zugelassen: Ciprofloxacin, Levofloxacin, Moxifloxacin, Norfloxacin und Ofloxacin. Sie werden unter anderem gegen Harnwegsinfektionen, Atemwegsinfektionen und Gelenkentzündungen angewendet.

Knapp sechs Millionen Packungen verordnet

Medikamente mit diesen Wirkstoffen sollen laut Arzneimittelbehörde nach Möglichkeit nicht mehr bei „leichten und mittelschweren Infektionen“ eingesetzt werden. Laut Wissenschaftlichem Institut der AOK waren im Jahr 2015 knapp sechs Millionen Packungen mit fluorchinolonhaltigen Antibiotika verordnet worden.

„Bestimmte schwerwiegende Nebenwirkungen von Fluorchinolonen können lang anhalten, die Lebensqualität beeinträchtigen und sind möglicherweise irreversibel“, schreibt die Arzneimittelbehörde. Betroffen seien vor allem Sehnen, Muskeln, Gelenke und das Nervensystem.

Sehnenrisse, Nervenschmerzen, Angstzustände

Bereits nach wenigen Tabletten kann es in sehr seltenen Fällen beispielsweise zu Sehnenrissen, Nervenschmerzen oder Angstzuständen kommen. Beim ersten Anzeichen solch schwerwiegender Nebenwirkungen solle die Behandlung beendet werden.

Das BfArM stellt in seiner Mitteilung aber auch klar: „Fluorchinolone sind eine wichtige Behandlungsoption gegen verschiedene Infektionserkrankungen, darunter einige lebensbedrohliche, bei denen andere Antibiotika nicht ausreichend wirksam sind.“

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