TROTZ CORONAVIRUS

Darf ich im Freibad, im See und in der Ostsee baden gehen?

Wenn es heiß wird, zieht es die Menschen ins Freibad, an die Seen oder in die Ostsee. In Zeiten von Corona stellt sich aber die Frage: Ist das gefährlich?
dpa
Die Freibäder dürfen erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie öffnen.
Die Freibäder dürfen erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie öffnen. Rolf Vennenbernd
Berlin.

Die Temperaturen steigen, die Verunsicherung bleibt: Wenn mit dem Sommer die Hitze kommt, wächst die Sehnsucht nach Abkühlung. Darf ich in Corona-Zeiten ins Freibad, an den Badesee oder ins Meer?

Behauptung: Angesichts einer drohenden Infektion mit dem Coronavirus ist Schwimmen in Freibädern, Seen und Meeren zu gefährlich.

Bewertung: Schwimmen an sich ist unproblematisch. Doch die Besucher von Strand- oder Freibädern müssen die Abstandsregeln beachten.

Fakten: Wer ins Schwimmbad, an den Badesee oder ans Meer geht, sollte auch außerhalb des Wassers Vorsicht walten lassen. Der Alptraum von Virologen sind dicht nebeneinander liegende Handtücher mit sich sonnenden Menschen darauf.

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Vom kühlen Nass selbst geht eine geringere Infektionsgefahr als vom direkten Kontakt von Mensch zu Mensch. Darüber sind sich Wissenschaftler einig. Wenig Grund zur Sorge gibt es, wenn es sich dabei um aufbereitetes und mit Chlor desinfiziertes Badewasser in Hallen- und Freibädern handelt. Das Virus werde dadurch „zuverlässig inaktiviert”, sagt Christian Ochsenbauer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen.

 

Das bestätigt auch das Umweltbundesamt (UBA): „Das Wasser in konventionellen Schwimmbädern (Frei- oder Hallenbäder) unterliegt einer ständigen Aufbereitung. (...) Filtration und Desinfektion sind wirksame Verfahren zur Inaktivierung von eingetragenen Mikroorganismen (z.B. Bakterien und Viren).”

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Wer Bäder mit biologischer Aufbereitung wie Schwimm- und Badeteiche besucht, sollte aber genauer hinschauen. Sie enthalten laut Umweltbundesamt „kein Desinfektionsmittel, daher geht von derartigen Bädern ein gewisses Infektionsrisiko aus, auf welches der Badegast generell vor Ort hingewiesen werden sollte”.

Ebenso nachweisbar sei das Coronavirus im noch nicht aufbereiteten Abwasser, erklärt Janne Vehreschild, der beim Deutschen Zentrum für Infektionsforschung eine Arbeitsgruppe zu den Risikofaktoren bei Covid-19 leitet. Der Experte: „Ob diese Mengen für eine Ansteckung ausreichen, steht aber noch nicht fest.”

Unbedenklich sei dagegen das Baden und Schwimmen in größeren Naturgewässern wie Badeseen oder in Meeren wie Nord- und Ostsee, heißt es beim UBA. Die Gefahr einer Ansteckung sei wegen der Verdünnung im Wasser äußerst gering: „Steigende Wassertemperaturen und erhöhte Sonneneinstrahlung im Sommer werden zu einer noch stärkeren Inaktivierung möglicherweise in das Wasser eingetragener Viren führen”. Die Weltgesundheitsorganisation WHO habe keine Hinweise dafür gefunden, dass das Coronavirus über den Wasserweg übertragen werde.

Grundsätzlich jedoch sollten Menschen mit Atemwegsinfekten oder Durchfall nicht baden, um andere nicht zu gefährden, mahnt das UBA. „Dies gilt völlig unabhängig davon, um welche potenziellen Krankheitserreger es sich im Einzelnen handelt.”

Freibäder starten in die Saison

Planschen nur mit Abstand, Besuche nur mit Voranmeldung und Warteschlangen vor den Becken: Zahlreiche Freibäder starten im Schatten der Corona-Pandemie in die Sommersaison. In Sachsen dürfen die Bäder schon seit dem 15. Mai wieder die Pforten öffnen, in Nordrhein-Westfalen seit Mittwoch (20.5.).

Andere Bundesländer ziehen in den kommenden Wochen nach, ab dem 25. Mai dürfen die Freibäder in Mecklenburg-Vorpommern öffnen. Hessen will die Bäder zumindest für Vereine wieder öffnen. Bayern oder Baden-Württemberg wollen noch abwarten. Doch wie wird der neue Alltag zwischen Pommesbude, Liegewiese und Sprungturm?

Online-Buchungen und Zeitfenster

Gerade an heißen Sommertagen sehnen sich viele nach dem Sprung ins kühle Nass. Doch diesen Sommer wird die schnelle Schwimmrunde nach Feierabend nicht überall uneingeschränkt möglich sein, wie Christian Ochsenbauer, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen (DGfB), erklärt. Um die Besucherströme zu kanalisieren, wollen viele Bäder Zeitkarten anbieten. So etwa in den Betrieben der „Kölnbäder”, wo Kunden nur mit E-Tickets eingelassen werden.

„Spontanbesuche sind nicht vorgesehen”, sagt Pressesprecherin Franziska Graalmann. Mit den Online-Registrierung kämen die Bäder auch gleichzeitig ihrer Nachweispflicht nach. Auch in Berlin, wo die ersten Bäder zum 25. Mai wieder öffnen wollen, wird ein solches Konzept geplant.

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Abstand, Abstand, Abstand

Ob auf der Liegewiese, beim Anstehen am Sprungturm oder im Becken: Abstand ist das Gebot der Stunde. In Köln oder Düsseldorf werden schon Markierungen auf dem Boden angebracht, in einigen Bädern sollen die Schwimmbahnen nur in eine Richtung beschwommen werden dürfen.

Die rund 1,50 Meter langen Poolnudeln dienen bisweilen als Abstandshalter. Die DGfB empfiehlt, die Personenanzahl in den Becken zu begrenzen. „Es kann dann schon passieren, dass die Leute in einer Warteschlange vor dem Becken stehen müssen”, sagt Ochsenbauer. Auch auf den Liegewiesen gelten die bekannten Abstands- und Kontaktgebote.

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Neue Aufgaben für Bademeister

Wie die Besucher mit den neuen Regeln umgehen, kann niemand vorhersagen. Betreiber wie „Kölnbäder” setzen auf die Vernunft ihrer Kundschaft. „Wir hoffen darauf, dass die ein oder anderen Dinge schon gelernt worden sind”, sagt Graalmann. Trotzdem werde das Personal dazu angehalten, Abstandsregeln zu kontrollieren und gegebenenfalls zu ermahnen.

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Wer sich partout nicht daran halten will, muss das Bad verlassen. Auf den Wiesen sollen auch Security-Kräfte sicherstellen, dass sich keine größeren Gruppen bilden. Neue Aufgaben kommen auf die Bademeister zu. DGfB-Geschäftsführer Ochsenbauer schlägt vor, dass sie die Badenden zählen und die Becken gegebenenfalls sperren sollen.

Was dem Virus den Garaus machen soll

Die Abstandsregeln sollen sicherstellen, dass sich das Coronavirus nicht über die Luft verbreitet. Darüber hinaus gilt: Desinfizieren was geht! Sanitäre Einrichtungen sollen öfter gereinigt werden, in Berlin bleiben Umkleiden und Duschräume gleich ganz geschlossen. Einige Bäder planen auch, alle paar Stunden den Betrieb zu unterbrechen und eine Grundreinigung vorzunehmen, wie Ochsenbauer berichtet.

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Ein Stück Normalität

Trotz der Corona-Vorzeichen versuchen viele Betreiber so etwas wie Normalität herzustellen. In den meisten Bädern sollen die Kleinen auch in den Kinderplanschbecken toben können, erzählt Ochsenbauer. Auch den obligatorischen Freibad-Pommes steht meist nichts im Wege, die Gastronomie ist vielerorts geöffnet.

Und unter Einhaltung der Abstandsregeln sollen auch Attraktionen wie Sprungtürme und Rutschen für die Besucher zugänglich sein. Neben Sicherheit und Hygiene gehe es nämlich auch noch um eine andere Sache, sagt Ochsenbauer: „Lebensqualität”.

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