E-BIKE RATGEBER

Das sollten Sie beim Pedelec-Kauf beachten

Wer sich ein Elektrofahrrad kaufen möchte, kann schnell den Überblick verlieren. Wir erklären, worauf Sie bei einem Pedelec unbedingt achten sollten.
dpa
Elektrounterstützung gibt es mittlerweile für jede Fahrradgattung, so natürlich auch für Mountainbikes. Ab
Elektrounterstützung gibt es mittlerweile für jede Fahrradgattung, so natürlich auch für Mountainbikes. Aber nicht jeder Elektrofahrrad-Fahrer braucht so ein geländegängiges Bike. Tobias Hase
Göttingen.

„Einen ersten Überblick bieten die zahlreichen Informationsangebote im Internet, etwa von ADAC oder ADFC”, sagt René Filippek. Auch ein Gang zum Bahnhof könne nicht schaden. „Im Bahnhofsbuchhandel finden sich mittlerweile eine ganze Reihe von ausgewiesenen Fachmagazinen zum Thema Elektrofahrrad, die gezielt gerade auch Einsteiger ansprechen”, weiß der Pedelec-Experte des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC).

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Elektrische Unterstützung gibt es nicht zum Nulltarif

Dass ein von einem E-Motor unterstütztes Fahrrad deutlich teurer ist, als ein traditionell ausschließlich mit Muskelkraft angetriebenes, versteht sich von selbst. „Der Durchschnittsverkaufspreis für ein normales Fahrrad liegt bei 850, der für ein E-Bike bei etwa 2300 Euro”, nennt Gunnar Fehlau Zahlen. Der Journalist vom Pressedienst Fahrrad (pd-f) gibt auch die Zeitschrift „Fahrstil” heraus.

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Filippek zieht die untere Grenze mit 1800 Euro tiefer, warnt aber wie Fehlau gleichzeitig vor vermeintlichen Baumarkt-Schnäppchen. „Davon sollte man die Finger lassen, wegen der mangelnden Qualität, und auch, weil hier der Ansprechpartner fehlt, wenn es nach dem Kauf ein Problem gibt.” Und die kommen bei diesen Angeboten nicht selten vor.

Derjenige, der billig kaufe, der kaufe letztlich zweimal, sagt Robin Schmitt. „Ein Auto kauft man ja auch nicht beim Discounter, sondern beim Fachhändler, der auch Ansprech- und Servicepartner ist”, so der Chefredakteur der Zeitschrift „E-Mountainbike”. „Für solide Technik muss man mindestens 2500, für ein voll gefedertes E-Bike eher gar 4000 Euro in die Hand nehmen.” Schmitt rät, weitere 200 bis 300 Euro für Helm, Fahrradbekleidung und sonstiges Equipment mit einzuplanen.

Für was brauche ich das Pedelec genau?

Ist das Budget festgelegt, gilt es die Frage zu klären, für welchen Einsatzzweck das Pedelec eigentlich gedacht ist. Wer mit dem Rad zur Arbeit fahren wolle, vielleicht sogar im Winter, oder eventuell eine Strecke mit langen Bergpassagen hat, der benötigt ein anders geartetes E-Bike, als wenn es im Sommer vielleicht drei-, viermal zum Biergarten gehen solle, skizziert Fehlau. „Das muss ich bei meiner Kaufentscheidung berücksichtigen.”

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Und Filippek ergänzt: „Die rustikale Optik eines Mountainbikes mag vielen gefallen, aber nicht jeder benötigt eines”. So sei für denjenigen, der täglich mit dem Rad zur Arbeit fahren wolle, ein ab Werk mit Beleuchtung, Schutzblechen und einem Gepäckträger ausgerüstetes Trekkingrad die bessere Wahl.

Bei Motor und Akku geht es um die Wurst

Neben diesen klassischen Entscheidungskriterien sollten aber auch die Komponenten, die das Elektro-Fahrrad vom normalen abheben, die Auswahl beeinflussen. Also E-Motor und Akku. Denn Motor ist nicht gleich Motor, und Akku ist nicht gleich Akku. „Beim Pedelec kommt der Software eine ebenso große Bedeutung zu wie der Hardware”, erläutert Schmitt.

„Connectivity, Convenience und User Experience sind entscheidende Faktoren dafür, ob man sich mit einem E-Bike wohlfühlt oder nicht.” Mittelmotoren bieten die beste Performance, seien aber etwas teurer als Nabenmotoren, die wiederum konstruktionsbedingt bei steilen Anstiegen schnell an ihre Grenzen kommen, so der Journalist, der früher selbst Enduro-Rennen gefahren ist.

Als mit Abstand bester Antrieb gilt heute der auch am häufigsten verbaute Mittelmotor, aber auch hier gibt es von Anbieter zu Anbieter deutliche Unterschiede in der Leistungscharakteristik. „Die Motoren unterscheiden sich weniger auf der Qualitäts- als auf der Konzeptebene”, sagt Fehlau. Man könne sich das ein bisschen vorstellen wie beim Auto. Wo eine Mittelklasse-Limousine vielleicht eher etwas behäbig Gas annehme, während ein Porsche überaus sensibel auf den Tritt aufs Gaspedal reagiere.

„Beim Pedelec gilt der Motor von Brose als sehr harmonisch und schaltet sanft ab, wenn die 25 km/h-Marke erreicht ist, während die Aggregate von Yamaha oder TQ so scharf reagieren, dass das Rad beinahe einen Satz macht, wenn man anfährt”, erklärt der Journalist.

Nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen

„Der Trend zu immer mehr PS, selbst in Kompakt- oder Mittelklassefahrzeugen, lässt sich ähnlich bei Pedelecs beobachten”, wählt auch Filippek einen Auto-Vergleich. „Ich halte dieses 'Immer größer, immer stärker, immer weiter' bei Motoren und Akkus allerdings für einen klassischen Fall von 'Mit Kanonen auf Spatzen schießen'».

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Viele Motoren seien für den Einsatz im Mountainbike-Sport konstruiert, in einem Trekking-Bike aber überfordere die Kraft eines solchen Motors die allermeisten Nutzer. Ähnliches gilt für den Akku. „Ein großer, leistungsstarker Akku mag mir zwar die Sicherheit vermitteln, nicht liegen zu bleiben”, sagt Schmitt. „Bin ich aber nur auf kürzeren Strecken unterwegs, werde ich die Kapazität dieses Akkus nie vollständig nutzen können, muss aber dennoch den Mehrpreis und das höhere Gewicht in Kauf nehmen.”

Der Händler als Berater

Kurzum: Das auf dem Papier begeisterndste Pedelec kann dennoch das falsche sein, wenn man sich nur vom bunten Marketing-Sprech leiten lässt. Welches E-Bike das richtige für wen ist, das weiß in der Regel der Fachhändler. „Nur der Händler kann meine Vorstellungen davon, was ich mit dem Rad anstellen will, in die entsprechende Technik übersetzen”, gibt Fehlau zu bedenken. Und nur bei einer Probefahrt könne man buchstäblich erfahren, ob die Geometrie eines bestimmten Modells überhaupt zu den eigenen Körpermaßen passe und ob man mit der Motorcharakteristik zurechtkomme.

Auch für Schmitt ist die Expertise eines Fachmanns, egal, wo der nun sitzt, unerlässlich. „In Zeiten von Multichannel-Verkauf, Online- und Direkt-Versendern zählt mehr denn je das gesamte Ökosystem um das Bike herum, und Fragen nach Beratung und Service-Netzwerk oder auch einer Fernwartung sollten vom jeweiligen Verkäufer möglichst positiv beantwortet werden”.

Die Radler müssen sich aber auch selbst kennen

Aller Expertise zum Trotz könne selbst ein top aufgestellter Händler aber nichts ausrichten, wenn man sich selbst und seine Bedürfnisse völlig falsch einschätzte, so Fehlau. „Wer glaubt, einen Marathon laufen zu können und sich die qualitativ besten Wettkampfschuhe kauft, tatsächlich aber seit Jahren nicht mehr gelaufen ist, der wird mit großer Sicherheit eine ziemliche Enttäuschung erleben”. Nicht anders verhalte es sich mit dem Gelegenheitsfahrer, der plötzlich ein High- Performance-E-Bike kaufe, mahnt Fehlau beim Käufer eine gesunde Selbsteinschätzung an.

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