CORONA-PANDEMIE

Der wahre Grund, warum das Klopapier knapp wird

Und warum sich das Problem auf absehbare Zeit nicht lösen lässt. Tipp vorab: Es hat nichts mit Hamstern und Panikkäufen zu tun.
Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit horten immer mehr Menschen Klopapier. Doch das alleine führt nicht zur Knapphe
Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit horten immer mehr Menschen Klopapier. Doch das alleine führt nicht zur Knappheit. Rene Traut
Neubrandenburg.

Das Phänomen der leeren Toilettenpapier-Regale ist nicht nur in Deutschland zu beobachten. Australien, USA, Frankreich, Großbritannien, Hong Kong: Überall scheinen die Menschen Unmengen an Klopapier zu horten, um durch die Corona-Krise zu kommen. Warum eigentlich? Schließlich steht Klopapier in keiner funktionalen Beziehung zum Coronavirus. Würde es sich um Desinfektionsmittel, Atemschutzmasken oder Medikamente handeln, wären Hamsterkäufe rational nachvollziehbar. Aber Klopapier?

Mehr lesen: Klopapier-Krise – Rohre verstopfen und Fettberge drohen

Deswegen haben sich Psychologen und Wirtschaftswissenschaftler in den vergangenen Wochen auf die Suche nach Erklärungen gemacht, die allesamt eins gemein haben: Sie unterstellen den Käufern eine Art irrationales Verhalten. Da man in Krisenzeiten nicht öfter auf Toilette geht, braucht man auch nicht mehr Klopapier. Weil aber die ersten schon mit dem Hamstern begonnen haben, ziehen nun viele Menschen mit Panikkäufen nach. Die Nachfrage steigt, das Angebot bleibt konstant, deshalb sind viele Regale leer.

 

Klopapier-Industrie besteht aus zwei Märkten

Diese Erklärung, wäre sie denn richtig, hätte den angenehmen Nebeneffekt, dass die Menschen, die anfällig für Panikkäufe sind, irgendwann ihre Lager aufgefüllt hätten und dann zum normalen Konsum übergingen. Und dann normalisierten sich auch die Marktbedingungen – die Nachfrage würde sinken, das Angebot bliebe konstant, die Regale wären dann wieder voll.

Allerdings übersieht die Erklärung einen entscheidenden Punkt – nämlich, dass die Toilettenpapier-Industrie aus zwei grundsätzlich verschiedenden Märkten besteht. Der eine Markt deckt den gewerblichen und der andere den privaten Rahmen ab. Das Angebot, die Produktion und Versorgungsketten dieser beiden Märkte haben sich nicht geändert, weil davon ausgegangen wurde, dass die Zahl der Toilettengänge auch in Krisenzeiten stabil bleibt.

Nutzung zuhause steigt um 40 Prozent

Was dabei – überraschenderweise – nicht bedacht wurde: Die Menschen gehen zwar genau so oft zur Toilette, aber an anderen Orten. Durch die Schließung von Schulen, Universitäten, Restaurants, Flughäfen, Bahnhöfen, Geschäften und Bürogebäuden hat sich die Nachfrage ganz drastisch vom gewerblichen auf den privaten Teil des Gesamtmarktes für Toilettenpapier verlagert. Toilettenpapierhersteller in den USA schätzen, dass zuhause 40 Prozent mehr Toilettenpapier genutzt wird, wenn alle Mitglieder eines Haushaltes ihr Geschäft nur noch dort erledigten.

Das Problem dabei: der gewerbliche und der private Klopapier-Markt agieren mehr oder weniger unabhängig voneinander. Es ist nicht möglich, für den gewerblichen Markt gedachtes Toilettenpapier einfach in Supermärkten zu verkaufen. Das Papier ist ein anderes, die Rollen sind deutlich größer, verkauft wird nicht in handlichen 12er-Rollen, sondern in Paletten.

Problem lässt sich nicht einfach lösen

Und nicht nur das: Es gibt bereits bestehende Verträge und Lieferketten. Diese grundlegend zu ändern wäre teuer und zeitaufwendig. Da Toilettenpapier viel Platz weg nimmt und wenig Geld einbringt, sind die Produktions- und Lieferketten auf höchste Produktivität geeicht. Diese zu unterbrechen würde sich selten lohnen. Außerdem müsste jede Änderung wieder rückgängig gemacht werden, sobald Schulen, Geschäfte, Restaurants und andere öffentliche Einrichtungen wieder öffneten.

Hamsterkäufe sind somit nicht irrational, sondern eine rationale Reaktion auf ein ernstzunehmendes Problem von Produktion und Lieferketten in Corona-Zeiten. Das Problem wird sich so schnell nicht lösen. Im Gegenteil: Es ist davon auszugehen, dass es bei vielen anderen Produkten ähnliche Probleme geben wird, je länder die Krise andauert.

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Kommentare (8)

Das hört sich nach verspätetem Aprilscherz an

Du bist doch selber der April Corona Kracher der Nation.....

scheißen sich 50 Leute in die Hose!

Wer hamstert im Supermarkt bei Nacht und Wind?
Es ist der Deutsche der wieder mal spinnt.
Er hält die Nudeln wohl fest im Arm,
und Klopapier auch für seinen Darm.

Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Vater, du denn die Nachrichten nicht?
Die Pandemie von Corona, sie naht -
Mein Sohn, Hygiene dich davor bewahrt!

Mein Vater, mein Vater, doch merkst du es nicht
wie langsam die Grundversorgung zusammenbricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Sohn,
es reicht doch Seife zur Desinfektion.

Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort,
das Mehl und die Nudeln sind auch schon längst fort!
Mein Sohn, mein Sohn, bedenke wir geh´n
nicht gleich für Jahrzehnte in Quarantän'!

Bleib deshalb ruhig und besonnen mein Kind,
wenn beim Händewaschen wir sorgsam sind,
dann leiden wir alle auch keine Not;
Und horte nicht Klopapier wie ein Idiot!

Unser aller Prophet HHirke hat doch schon gesagt woran es liegt. 40000 schwerbewaffnete US Boys haben sich das Klopapier unter den Nagel gerissen:-)

HIHRKE, bitte soviel Zeit muss sein!

Statt jeden Müll von Twitter und dpa weiterzuverbreiten, würde ein wahrer Journalist einfach mal recherchieren, wieviel Toilettenpapierfabriken wir in Deutschland haben.
Statt dessen wird weiter irgendwelche Märchen vom Hamsterkäufer und Transportschwierigkeiten verbreitet.
Ach übrigens, selbst wenn die angeblichen Lager voll sind, die Transportketten sind mitsamt ihrer LKW´s vor knapp 3 Wochen über die Grenzen verschwunden. Die Staus an der polnischen und tschechischen Grenze, sollte noch jeder in Erinnerung haben.

P.S. schaut mal auf die Autobahn, da fahren kaum noch LKW´s

... dass wir ein Lieferproblem bei Klopapier haben! Ich komme mir nämlich gelinde gesagt ziemlich verarscht vor, wenn mir seit Wochen gebetsmühlenartig immer wieder versichert wird, die Versorgung - auch mit Toilettenpapier - sei gesichert, die Lager seien voll, die Ware müsse nur zu den Märkten transportiert werden und ich bei nahezu täglichem Gang in (verschiedene) Supermärkte oder Discounter nach Feierabend gestern Abend das erste Mal seit mehr als drei Wochen noch eine Packung Toilettenpapier ergattern konnte! Dann werde ich jetzt wohl vorsichtshalber auch mal mit dem Hamstern anfangen... Jedenfalls bei Klopapier.