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Pflanzen ragen aus einem Vorgarten mit grauen und schwarzen Schottersteinen. Mehrere Bundesländer haben den Schottergärten mittlerweile den Kampf angesagt, sie haben größere Steinflächen in Gärten verboten. Carmen Jaspersen
Vorgarten-Verbote

Deutschen Schottergärten geht es an den Kragen

In immer mehr Bundesländern, Landkreisen, Kommunen und Städten in Deutschland wächst der Widerstand gegen größtenteils aus Steinen bestehenden Vorgärten.
Neubrandenburg

Sie haben es nicht leicht, die Schottergärten in unserem Land. Als „Gärten des Grauens” verspottet, ob ihrer überschaubaren Flora und Fauna von Umweltaktivisten angefeindet – und in zunehmend mehr Regionen in Deutschland schlichtweg verboten.

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So zum Beispiel seit Juli 2020 in Baden-Württemberg. Auch Sachsen-Anhalt, Hamburg, Hessen und Schleswig-Holstein haben inzwischen ähnliche Gesetze erlassen. In Erlangen und Paderborn gibt es seit Kurzem Schottergärten-Verbote, in Leipzig und Mainz sollen sie im Herbst in Kraft treten. In Rheinland-Pfalz haben unter anderem die Städte Kaiserslautern, Speyer und Ludwigshafen ein entsprechendes Verbot, es gibt eine entsprechende Regel in Nürnberg und in Ingolstadt. In NRW werden Strafzahlungen diskutiert, im Saarland werden mittlerweile wie in Karlsruhe, Köln oder Pforzheim wechselwilligen Eigentümern Gelder für die Umgestaltung angeboten.

Bauordnung spricht gegen Schottergärten

In Mecklenburg-Vorpommern ist schon jetzt in der Landesbauordnung diese Art von Flächengestaltung untersagt. Laut Paragraf 8 sind „nicht mit Gebäuden überbaute Flächen bebauter Grundstücke zu begrünen oder zu bepflanzen“.

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Diese Regel gilt allerdings mehr oder weniger für sämtliche Landesbauordnungen in Deutschland. Unbebaute Flächen sollten demnach wasseraufnahmefähig belassen und zusätzlich zu bepflanzen oder wenigstens zu begrünen werden. Ein Schottergarten erfüllt keines dieser Kriterien.

Geldstrafen für Schottergärtner?

Wie der Naturschutzbund Deutschland erklärte, sind Schottergärten besonders in den Neubaugebieten der Speckgürtel sowie in Städten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Brandenburg äußerst beliebt. Wer schon einen solchen Vorgarten bereits sein Eigen nennt, sollte sich aber nicht allzu sicher fühlen. Die Diskussion wird fortgesetzt, manche fordern bereits hohe Geldstrafen für Schottergärtner.

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Denn viele Schottergärten sind zum Schutz vor Unkraut auf einer undurchlässigen Plane angelegt. Diese „Gärten” seien schon seit Inkrafttreten der Bauordnungen illegal, argumentieren Schottergärten-Gegner – deshalb könne es auch keinen Bestandsschutz geben.

So pflegeleicht sind sie nicht

Doch wo liegt eigentlich das Problem? Schottergärten seien Todeszonen für alles Lebendige, meinen Kritiker. Schottergärten sind pflegeleicht und ästhetisch, finden Befürworter. Schottergärten hitzen sich gerade im Sommer zu sehr auf und führen zu gesundheitlichen Problemen, heißt es von den Gegnern. Schottergärten seien günstig und ordentlich, sagen die Kiesel-Fans. Manche Gartenfreunde wollen aber nicht mal mehr von „Gärten” sprechen und nennen die Anthrazit-Paradiese gerne auch nur „Steinschüttungen”.

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Stimmt das eigentlich mit der Pflegeleichtigkeit? Denn auch auf und zwischen den Steinen lassen sich früher oder später Flechten, Moose und Unkräuter nieder. Nach einigen Jahren müssen viele Gärtner darüber nachdenken, so einen Schottergarten komplett zu sanieren: alle Steine runter, alle aufgefrischt wieder rauf. Alternative: Alles komplett mit Chemie einsprühen.

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Wenigstens gibt es mittlerweile eine Hymne auf den Schottergarten. Die Regensburger Sängerin Die Nowak hat ihre tiefempfundene Liebe zu Schottergärten in ein Lied gegossen. Darin heißt es unter anderem: „All die Pfade führen ins Nichts, doch das ist hier egal, Irgendwann verirrt sich hierher mal ein Kind – und wirft den Ball vor Neugier über die Gabionenwand.”

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