LIEBE UND PARTNERSCHAFT

Die neue Wahrheit hinter der Ehe

Ist die Ehe ein Gefängnis? Oder ist sie das Rezept für ein glückliches Leben? Dieser Frage sind Forscher nachgegangen und haben Erstaunliches herausgefunden.
dpa
Paare haben heutzutage vor dem Ja-Wort oft schon mehrere Jahre zusammengelebt.
Paare haben heutzutage vor dem Ja-Wort oft schon mehrere Jahre zusammengelebt. Diana Drubig
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Berlin.

Heiraten – das stand in Wolfgang Krügers Generation für Gefängnis, gar als Gefahr für die Liebe. Die völlig unterschiedlichen Reaktionen auf seine Hochzeit ließen ihm keine Ruhe. Der Psychologe und Buchautor wollte herausfinden, ob verheiratete Paare glücklicher sind als Partner ohne Trauschein. Zum Weltglückstag am 20. März hat er eine Theorie: Die Ehe mache die Bundesbürger heute glücklicher als früher. Ist da was dran?

Beziehungsqualität kommt von innen

Lisa Fischbach kann jede Menge Statistiken zum Thema wälzen. Die Hamburger Psychologin analysiert Umfragen der Online-Partnervermittlung ElitePartner, die repräsentativ für die Bevölkerung sind. Die jüngste stammt vom Herbst 2018. Rund 9000 deutsche Erwachsene, die keine Mitglieder des Vermittlungsdienstes waren, gaben online Auskunft über die Zufriedenheit mit ihrer Partnerschaft. Im Ergebnis war eine stattliche Mehrheit von rund 83 Prozent sehr oder gut zufrieden, ob nun als Ehepaar oder ohne Trauschein. „Beziehungsqualität kommt heute viel mehr von innen, nicht bloß durch ein Papier”, sagt Fischbach.

Und doch sei etwas dran am gefühlten Quäntchen mehr Glück durchs Heiraten. „Ehen sind heute freiwilliger gewählt und werden bewusster geschlossen als noch vor ein oder zwei Generationen”, sagt sie. Meist gebe es auch keine großen Unterschiede mehr beim Alter oder in Sachen Bildung und Sicht auf die Welt. Das entschärfe Konfliktpotenzial. Partner hätten vor dem Ja-Wort oft schon mehrere Jahre zusammengelebt und seien älter als früher. „Eine Ehe ist heute kein gesellschaftlicher Zwang mehr. Es ist ein Zeichen für Verbindlichkeit, das die Liebe stärken soll”, resümiert Fischbach.

Heiraten ist wieder im Trend

Das Statistische Bundesamt hat auch gerechnet. Seit 2007 treten wieder mehr Paare vor den Traualtar, nach den jüngsten Zahlen für 2017 rund 407 000. Männer waren bei der Hochzeit im Durchschnitt 34, Frauen 31 Jahre alt. Anfang der 1970er-Jahre waren beide Partner jeweils 10 Jahre jünger. Auffällig ist, dass die durchschnittliche Dauer von Ehen in Deutschland beständig wächst – von rund 11 Jahren zu Beginn der neunziger Jahre auf mittlerweile 15. Im Jahr 2017 wurden rund 153 500 Paare geschieden. Das war der niedrigste Wert seit 1992.

„Das ist eine beeindruckende Entwicklung”, urteilt Psychologe Krüger. Viele Experten seien verwirrt und fragten sich, ob das an einem neuen Sicherheitsdenken in gefühlten Krisenzeiten liege. Krüger sieht es anders. „Ich glaube, dass in den letzten zehn Jahren die Ehen besser geworden sind. Glücklicher.” Beziehungen seien demokratischer als früher. Auch wenn Haushalt und Kindererziehung weiterhin eher auf den Schultern der Frauen lasteten, werde zwischen den Partnern mehr ausgehandelt.

Ehe bringt andere Intensität in die Partnerschaft

Noch in den 50er- und 60er-Jahren seien viele Ehen geprägt gewesen von gesellschaftlichen Zwängen, Versorgungsgedanken und oft auch von einem Machtgefälle. Heute sieht Krüger eigene Gefühle durch seine Umfrage unter 150 Partnern mit und ohne Trauschein und rund 40 Tiefeninterviews bestätigt. „Eine Ehe bringt noch einmal eine andere Intensität in die Beziehung”, fasst er zusammen. Es sei etwas anderes zu sagen „meine Frau” als „meine Freundin”.

Auch Forscherin Fischbach sieht in einer Ehe eine höhere Ebene von Verbindlichkeit. „Finanzen werden anders geregelt”, sagt sie. Meist entstehe ein Ruhegefühl, eine Art Plateau, da die Rechte für Ehepartner gesetzlich geregelt seien. Paare ohne Trauschein müssten sie immer wieder einzeln aushandeln – von der Sorge für gemeinsame Kinder bis hin zum Besuchsrecht auf der Intensivstation.

Zwar spiele in eine Ehe noch immer das romantische Ideal mit der hübschen Abkürzung „Amefi” hinein: Alles mit einem für immer. Heute dürften Ehen aber auch ohne gesellschaftliches Stigma scheitern, betont Fischbach. „Das nimmt ihnen den dogmatischen Überbau.” In der Realität hätten die Deutschen laut Elite-Umfrage im Schnitt 3,4 Partnerschaften im Leben. „Heute verharrt kaum noch jemand lange in einer Partnerschaft, die unglücklich ist”, sagt Fischbach.
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