WAS BETROFFENE WISSEN MÜSSEN

Die sechs Phasen einer Corona-Infektion

Wissenschaftler haben mehr und mehr über das Coronavirus herausgefunden. Wie lange dauern die einzelnen Phasen des Krankheitsverlaufs und wie erkennt man sie?
So verläuft eine Corona-Infektion.
So verläuft eine Corona-Infektion. NK-Grafik/Science Media Center
Neubrandenburg.

Phase 1: Infektion

Wie bei Erkältungen und anderen grippalen Infekten steckt man sich mit dem Coronavirus über eine Tröpfchen- oder Schmierinfektion an. Meistens wird der Erreger entweder aus der Luft eingeatmet und wird über die Schleimhäute der Atemwege aufgenommen. Oder der Erreger gelangt über die Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut oder der Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden, in den Organismus.

Corona ist nach derzeitigem Wissensstand deutlich infektiöser als Grippeviren. Selbst hergestellte Behelfsmasken schützen eine Person nicht vor einer Ansteckung – obwohl sie das Risiko für andere verringern, sollte man selbst den Erreger in sich tragen. Nach der Infektion merkt eine Person tagelang erst einmal gar nichts. Er kann andere Menschen aber prinzipiell bis zu seiner Heilung anstecken [c].

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Phase 2: Übertragung

Nachdem sich ein Corona-Infizierter angesteckt hat, beginnt die sogenannten Latenzzeit [a], also die Zeit zwischen eigener Ansteckung und Infektiösität. Ist die Latenzzeit vorüber, beginnt die Gefahr, andere anzustecken. Zur genauen Dauer gibt es noch nicht viele verlässliche Studien. Das Robert-Koch-Institut (RKI) geht von 3 Tagen aus, verschiedene internationale Studien kommen zu dem Schluss, dass die Latenzzeit bei Covid-19 zwischen 2,5 und 4 Tagen liegt.

Interessant ist, dass nicht jeder angesteckt wird, der direkten Kontakt zu einem Infizierten hat. Laut einer Studie aus dem chinesischen Shenzhen sind in der Frühphase des Corona-Ausbruchs in China nur 15 Prozent der Kontakte innerhalb eines Haushaltes und 10 Prozent außerhalb erkrankt.

Phase 3: Symptome

Häufig und sehr früh berichten Covid-19-Patienten von Fieber und trockenem Husten, später kommen oft starke Gliederschmerzen hinzu. Nicht jeder Infizierte wird aber auch krank und entwickelt starke Symptome. Auch ist fraglich, wie viele Menschen sehr leichte Symptome, wie ein Halskratzen, als Krankheitszeichen überhaupt wahrnehmen. Bis Ende März gaben in Deutschland etwa 3,3 Prozent aller Infizierten an, überhaupt keine Symptome wahrgenommen zu haben.

Die Zeit zwischen Ansteckung und dem Auftauchen erster Symptome nennt man Inkubationszeit [b]. Covid-19 ist insofern eine tückische Krankheit, als dass die Inkubationszeit deutlich länger ist als die Latenzzeit: Ein Infizierter steckt somit seine Mitmenschen an, ohne dass er überhaupt irgendwelche Symptome hat.

Häufig wird ein Mittelwert zwischen fünf und sechs Tagen angegeben, allerdings schwanken die Werte stark. Von einzelnen Patienten sind sogar Inkubationszeiten von bis zu 14 Tage nachgewiesen, darauf basieren auch die gängigen Isolations- und Quarantäne-Empfehlungen. In einer Studie zeigten immerhin 6,65 Prozent der untersuchten Fälle eine Inkubationszeit von über 14 Tagen.

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Phase 4: Isolation

Die Dauer zwischen Symptombeginn und Isolation eines Patienten [e] spielt eine große Rolle für die erfolgreiche Eindämmung der Pandemie: Je kürzer diese Zeitspanne, desto weniger Menschen kann ein Infizierter anstecken. In Südkorea lag diese Zeitspanne bei durchschnittlich 4,3 Tagen, in China bei 4,6 Tagen. Normalerweise entwickelt ein Patient erst in der Isolation Antikörper gegen das Virus. Bis zum sechsten Tag nach Ansteckung entstehen keine spezifischen Antikörper, nach etwa zwölf Tagen wurden sie erstmals bei milden bis moderaten Fällen beobachtet [k]. Sind Antikörper nachweisbar, ist ein Patient immun, allerdings ist derzeit unklar, wie lange eine solche Immunität anhält.

Der sogenannte PCR-Test bestimmt, wann ein Patient positiv auf den Erreger getestet wird. Damit der Test positiv sein kann, muss genug Erbgut des Virus in einem Milliliter der Probe vorliegen, die Viruslast also hoch genug sein. Das ist sie schon deutlich vor Symptombeginn. Am Tag des Symptombeginns kann eine hohe Viruslast gemessen werden, die innerhalb der ersten Woche kontinuierlich abnimmt. Das deutet daraufhin, dass der Höhepunkt der Virusausschüttung mit Symptombeginn bereits überschritten ist [j]. Nach Tag 5 nach Symptombeginn lagen nur noch 50 Prozent der Proben oberhalb der Nachweisbarkeitsgrenze.

Phase 5: Krankenhaus-Behandlung

Wer schwere Symptome entwickelt, muss im Krankenhaus behandelt und schlimmstenfalls notbeatmet werden. Das RKI rechnet in einem eigenen Modell mit 4 Tagen vom Beginn der Symptome bis zur Aufnahme in einer Klinik [g]. Laut einer Studie vergehen durchschnittlich 24,7 Tage vom Symptombeginn an, bis im Krankenhaus behandelte Patienten wieder entlassen werden können [h]. Das RKI nimmt an, dass Patienten, die nicht auf Intensivstationen behandelt werden müssen, circa 14 Tage im Krankenhaus verbleiben bis sie gesund entlassen werden können.

Wie viele Patienten ins Krankenhaus müssen, schwankt stark von Land zu Land. In Deutschland sind es laut RKI geschätzt 4,5 Prozent aller Fälle, eine andere Studie rechnet mit 12 Prozent aller diagnostizierten Fälle. In anderen europäischen Ländern liegt dieser Wert manchmal deutlich darunter, wie mit 3 Prozent in Österreich, oft aber auch deutlich darüber, wie mit über 40 in Frankreich und Belgien und sogar über 50 Prozent, wie in Spanien.

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Phase 6: Heilung oder Tod

Mild bis moderat verlaufende Fälle können in häuslicher Isolation gesunden, in Südkorea wurden die ersten Patienten im Schnitt 13 Tage nach der Diagnose für gesund erklärt [f]. Nach 14 Tagen ab Symptombeginn kann die häusliche Quarantäne beendet werden, wenn der Patient für 48 Stunden symptomfrei war. 80 Prozent der Fälle sind nach bisherigem Wissensstand mild bis moderat verlaufen.

Covid-19-Patienten versterben durchschnittlich nach etwa 18 Tagen nach Symptombeginn [i]. Zuvor wurden Verstorbene im Schnitt 13 Tage im Krankenhaus behandelt. Die Todeszahlen entwickeln sich also mit großer Verzögerung im Vergleich zu den Fallzahlen. Das ist wichtig zur Berechnung der Schwere und der Sterblichkeit.

Menschen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt sterben, haben sich also etwa 23 bis 24 Tage zuvor infiziert. Das RKI geht davon aus, dass 50 Prozent der intensivmedizinisch behandelten Patienten sterben. Wie hoch der reale Anteil der Todesfälle pro im Krankenhaus behandelter Patienten ist, bleibt weiterhin unklar.

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