Kaufsucht
Die wahren Auslöser für Shopping-Attacken finden

Wer an Kaufsucht leidet, sollte einen Therapeuten aufsuchen.
Wer an Kaufsucht leidet, sollte einen Therapeuten aufsuchen.
Henning Kaiser

Wer kennt es nicht? Man möchte eigentlich nur ein paar Socken kaufen und schleppt dann doch wieder eine volle Einkaufstasche nach Hause. Doch ab wann ist man süchtig und was kann man dagegen tun?

Kaufen, kaufen, kaufen – ohne dass man etwas braucht. Aus Stresssituationen oder einer unangenehmer Gefühlslage heraus stürzen sich manche Menschen in Shopping-Exzesse. Das kann in einer regelrechten Kaufsucht münden. Dabei ist nicht jeder, der viel kauft, gleich kaufsüchtig. Entscheidend sind das Verhalten und das Gefühl beim Einkaufen. Dass schnell nach dem Bezahlen das Interesse an dem Gekauften verloren geht, kann ein Hinweis auf eine Kaufsucht sein. „Bei den Betroffenen hat das Einkaufen seine eigentliche Funktion verloren”, sagt die Psychologin Chantal Mörsen vom Universitätsklinikum Charité in Berlin. „Sie kaufen, um zu kaufen – und nicht, um zu besitzen.”

Von Kaufsucht sind den Schätzungen zufolge zwischen 1 bis 6 Prozent der Bevölkerung betroffen. Das problematische Verhalten beginnt oft vor dem 20. Lebensjahr und verläuft meist chronisch mit symptomfreien Intervallen, die Monate bis Jahre dauern können.

Kaufsüchtige haben oft ein schlechtes Selbstwertgefühl

Die individuellen Auslöser sollten in einer Therapie identifiziert werden, rät der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN). Hinter dieser Sucht stecke oft ein Problem mit dem Selbstwertgefühl. Wie auch andere Suchtkranke leiden Kaufsüchtige unter seelischen Belastungen, sie benutzen das Einkaufen zur Flucht vor ihren Problemen und Gefühlen. Mörsen vergleicht die Kaufsucht mit einer Alkoholabhängigkeit. Auffällig ist, dass sie insgesamt locker mit Geld umgehen und nur schlecht einschätzen können, wie viel sie ausgegeben haben. Geld bedeutet ihnen nichts, sie haben kein Verhältnis dazu.

Einen Weg aus der Spirale der Kaufsucht zu finden, ist schwer. Fachleute empfehlen eine Verhaltenstherapie. Dort lernen die Menschen unter anderem, sich ihren Problemen und Gefühlen zu stellen. Sie werden sich ihres eigenen Verhaltens bewusst und lernen, es zu ändern. Die Rückfallgefahr ist allerdings hoch. Aber: Suchtverhalten sei erlernt, und der Mensch könne umlernen.

Betroffene könnten sich darüber hinaus selbst Regeln setzen und beispielsweise nur mit Bargeld bezahlen und Kreditkarten bei ihrer Bank zurückgeben. Eine weitere Strategie sei, die Ware vor dem Gang zur Kasse wieder zurückzulegen und das Geschäft zu verlassen. Denn bei manchen Süchtigen lasse der Drang nach, sobald sie die Kaufatmosphäre hinter sich gelassen haben.

 

Weitere Informationen finden Sie unter www.psychiater-im-netz.de.