Es läuft nicht gut mit dem einen Altenpfleger, der die Oma im Heim betreut. Und nun? Eine anonyme Beschwerde führt i
Es läuft nicht gut mit dem einen Altenpfleger, der die Oma im Heim betreut. Und nun? Eine anonyme Beschwerde führt in aller Regel nicht zum Ziel. Tom Weller
Wertschätzung zeigen

Ein Knigge für den Umgang mit Pflegekräften

Der Vater lebt im Pflegeheim, die Oma wird ambulant gepflegt: Wie gehen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen wertschätzend mit den Pflegekräften um? Und was kommt nicht gut an?
dpa
Berlin

Oft klappt es gut mit der Wertschätzung zwischen Pflegenden, Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Doch: Was sollte man vielleicht lieber lassen und was wird gern gesehen? Ein Überblick.

Besser lassen: Besserwisserei

Vergessen darf man eines nicht: Menschen, die bisher selbstständig in ihrer Wohnung gelebt haben, müssen sich im Heim in die Obhut bislang fremder Menschen geben. Oder es kommen auf einmal Pflegekräfte in die Wohnung und kümmern sich um privateste Dinge.

Mehr lesen: Bundesrat billigt Corona-Bonus für Pflegekräfte

Diese neue Situation kann Betroffene wie auch ihre Angehörigen anfangs überfordern. Es kann dauern, bis alle Beteiligten ihre Rolle gefunden haben.

Deshalb gilt: „Es ist für beide Seiten extrem wichtig, sich auf Augenhöhe zu begegnen“, sagt Stefan Werner, Vizepräsident des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe. „Pflegekräfte dürfen dem zu Pflegenden oder Angehörigen nicht auf eine besserwisserische Art kommen.“

Besser lassen: Geld zustecken

Wenn die Anfangsschwierigkeiten überwunden sind und die Pflegebeziehung richtig gut läuft – wie bringen Pflegebedürftige und Angehörige ihre Dankbarkeit zum Ausdruck?

Am besten mit einem Lächeln und Freundlichkeit, rät Erika Prinz. Sie arbeitet im Rekrutierungsteam der Caritas-Altenhilfe in Berlin und hat als gelernte Krankenschwester langjährige Erfahrung in der Pflege.

Mehr lesen: Ministerium pocht auf Meldepflicht für Pflegekräfte

Geld dürfen die Pflegekräfte hingegen nicht annehmen. „Das hat so ein Gschmäckle, wie man bei uns hier in der Gegend sagt“, warnt Stefan Werner. „Es ist, als ob man sich Gefälligkeiten erkaufen will. Ich rate davon ab, die Beziehung bekommt eine andere, ungute Qualität dadurch.“

Erika Prinz hat aber einen Vorschlag parat, wenn Angehörige sich nicht mit leeren Händen bedanken wollen: „Wenn es von Herzen kommt, freuen sich Pflegekräfte immer über ein Pfund Kaffee oder eine Kekspackung für die Teamsitzung.“

Besser lassen: Einzelne Pfleger bevorzugen

Geschenke speziell für einen Pfleger oder eine Pflegerin – das sollte man besser lassen. „Pflege ist immer Teamarbeit“, sagt Stefan Werner, der auch Vizepräsident des Deutschen Berufsverbandes für Pflegeberufe (DBfK) ist.

Mehr lesen: Land bezweifelt Corona-Angaben aus Altenheimen und Kliniken

„Die meisten Einrichtungen haben das so geregelt, dass man sagt: „Ich nehme das gerne an, aber nicht nur für mich, sondern auch für meine Kollegen““, sagt er.

Besser lassen: Anonyme Beschwerden

Und was, wenn es mit einer bestimmten Pflegefachkraft nicht so gut läuft? Das sollten Betroffene rückmelden – aber auf angemessene Weise.

Den Pfleger oder die Pflegerin direkt anzusprechen – das ist oft gar nicht so einfach. Aber es gibt eine andere Möglichkeit: „In jedem Pflegedienst gibt es Ansprechpartner dafür“, sagt Stefan Werner. Betroffene können sich zum Beispiel an die Pflegedienstleitung oder das Rückmelde- oder Beschwerdemanagement wenden.

Mehr lesen: Notstand in den Kliniken – MV-Experten beraten mit Lauterbach

Von anonymen Beschwerden rät der Pflegeexperte allerdings ab: „Wenn ich eine konkrete Situation lösen will, fahre ich mit Anonymität nicht gut.“

Eine Lösung kann sein, dass bestimmte Fachkräfte etwa den Vater oder die Oma nicht mehr betreuen. „Das vertragliche Verhältnis, das man hat, besteht zur Organisation, nicht zu einer bestimmten Person“, erklärt Werner.

Gern gesehen: Klare Kommunikation

Wertschätzung hat viel mit Kommunikation zu tun. Pflegebedürftige sollten dabei auf ihr Empfinden vertrauen und mit klaren Ich-Botschaften Feedback geben. „Sie können zum Beispiel sagen: „Ich kenne mich schon mein ganzes Leben, bitte verstehen Sie, dass ich da auch Experte für mich selber bin““, sagt Werner.

Dem anderen so begegnen, wie man es sich selbst wünschen würde, hält auch Erika Prinz für eine goldene Regel in der Pflege. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, sagt sie. „Wenn ich wertschätze, werde ich auch wertgeschätzt.“

Mehr lesen: Seelsorge statt Bußgeld-Drohung für ungeimpfte Pflegekräfte gefordert

Angehörige sind immer ein Teil des Ganzen, weiß Erika Prinz. Miteinander zu reden sei das A und O. „Wenn Angehörige mit Pflegenden im Gespräch sind, werden ihnen Angst und Sorgen ein bisschen genommen.“

Ihre Erfahrung: Viele sind dankbar, mal loslassen zu können, manchen tut es gut, eingebunden zu werden. „Ich habe oft erlebt, wie dankbar Angehörige waren, mithelfen zu können, wenn ich zum Beispiel jemanden gebeten habe, mir etwas anzureichen.“

Gern gesehen: Druck auf Politik ausüben

Wertschätzung wünscht sich Stefan Werner noch aus einer anderen Richtung: der Politik. Denn so können sich die Arbeitsbedingungen verbessern.

Mehr lesen: Besser, aber nicht genug: Gute Zahlen zur Pflege täuschen

Und auch da können Angehörige viel tun, indem sie zum Beispiel einen Brief an ihren Abgeordneten schreiben. „Die Rahmenbedingungen ändern sich nicht durch Dankbarkeit. Aber genau die müssen besser werden. Da muss die Politik von der Gesellschaft Druck kriegen“, sagt Werner.

zur Homepage