Einfach auch mal lassen: Die „Now Mow May”-Bewegung wirbt dafür, im ganzen Mai seinen Rasen für mehr Art
Einfach auch mal lassen: Die „Now Mow May”-Bewegung wirbt dafür, im ganzen Mai seinen Rasen für mehr Artenvielfalt nicht zu mähen. Olena Mykhaylova
Garten-Pflege

Einen Monat den Rasen nicht mähen – wozu das denn?

Hände weg vom Rasenmäher – und zwar den ganzen Monat Mai! Die einen nennen’s Faulheit, die anderen Artenschutz. Die Bewegung „No Mow May” hat jedenfalls gute Gründe.
Neubrandenburg

Generationen von Gartenfreunden kennen es nicht anders: Wenn das Gras höher als eine Handbreit gewachsen ist, wird der Rasenmäher angeschmissen und wieder Ordnung im Garten geschaffen. Doch damit ist nun Schluss: Im ganzen Mai darf es grünen und blühen, da wird keinem Stückchen Gartengrün auch nur ein einziger Halm gekrümmt.

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Das ist zumindest das Ziel der Bewegung „No Mow May” („Nicht-Mähen-Mai”), die 2019 von der britischen Naturschutzorganisation Plantlife gegründet wurde und im Mutterland des penibel gepflegten englischen Rasens bereits auf großes Echo stößt. Der Grund: Aufs Rasenmähen zu verzichten stärkt die Pflanzen-Vielfalt und hilft Insekten beim Überleben.

Belohnung für Wiesenbilder

Mittlerweile ist die Mäh-Abstinenz über die USA auch nach Deutschland geschwappt. Die Gartenakademie Rheinland-Pfalz und die Deutsche Gartenbau-Gesellschaft 1822 haben in diesem Jahr zum „Mähfreien Mai“ aufgerufen. „Mit 3 M, nämlich ,Mai Minus Mähen' laden wir Sie dazu ein, Ihren Garten in einen Hort der Vielfalt zu verwandeln – indem Sie einfach nichts tun! Lehnen Sie sich zurück und lassen den Rasenmäher in der Gartenlaube stehen!”, heißt es in dem Aufruf an den progressiven Laubenpieper.

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Doch nicht nur das: Mäh-Abstinente sollen den Effekt des „nützlichen Nichtstuns” abschließend protokollieren. Bei der Aktion „Jede Blüte zählt“ soll ab 22. Mai markieren Sie ein Quadratmeter auf der blühenden Rasenfläche markiert werden, wo an einem Tag alle vorkommenden Blüten gezählt und notiert werden. Für die artenreichsten Wiesenbilder gibt es als Belohnung ein Samenpaket.

Gemähter Weg durchs hohe Gras

Doch warum ist Rasenmähen eigentlich so problematisch? „Ein perfekt gepflegter Rasen bietet Insekten kaum Futter und Nistmöglichkeiten”, erklärt Bettina de la Chevallerie, Geschäftsführerin der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft 1822. Untersuchungen hätten gezeigt, dass sich der Anteil an nektarreichen Blüten um ein Zehnfaches erhöht, wenn man den Rasenmäher häufiger stehen lässt. "Ähnliches haben auch die Gartenbesitzer beobachtet, die sich im vergangenen Jahr am mähfreien Mai beteiligt und für den Wettbewerb Fotos eingeschickt haben”, so de la Chevallerie.

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Wer zu große Unordnung im eigenen Garten-Paradies fürchtet, könne das Nicht-Mähen erst mal vorsichtig angehen lassen. „Man muss ja nicht den gesamten Rasen mähen, sondern kann Stellen mit unterschiedlichen Höhen stehen lassen – an den Ecken, am Rand oder mittendrin als Insel”, rät Bettina de la Chevallerie. Auch ein gemähter Weg durch das hohe Gras könne Ordnung bieten. „Und wiesenähnliche Säume, die nur einmal im Jahr gemäht werden, dienen als Puppenstube für Schmetterlinge.”

 

 

 

 

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