Energie

Gas- und Strompreise steigen bei Millionen Deutschen

Mit dem Konjunkturaufschwung steigen die Gas- und Strompreise. Das bekommen Millionen Verbraucher in Deutschland zu spüren – spätestens an diesem Wochenende.
dpa
Haushalte in Deutschland zahlen im weltweiten Vergleich weiterhin vergleichsweise viel für Strom. Hier leuchtet der Schal
Haushalte in Deutschland zahlen im weltweiten Vergleich weiterhin vergleichsweise viel für Strom. Hier leuchtet der Schalter einer Mehrfachsteckdose. Karl-Josef Hildenbrand
München

Immer mehr Verbraucher in Deutschland bekommen die stark gestiegenen Preise auf den Weltenergiemärkten zu spüren. Ab dem Jahreswechsel müssen Millionen von Haushaltskunden deutlich mehr für Strom und Gas bezahlen. Die Vergleichsportale Check24 und Verivox berichteten am Freitag von mehreren hundert Gas- und Stromversorgern, die vor allem ihre Grundversorgungstarife erhöhen wollen. Bis zu diesem Samstag müssen die Unternehmen Erhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt haben – sechs Wochen vor dem Stichtag. Die Verbraucherzentrale riet dazu, in diesem Jahr Post vom Energieversorger besonders aufmerksam zu lesen.

Laut Verivox haben seit Juli insgesamt 463 Gasversorger die Preise erhöht oder Erhöhungen angekündigt, im Durchschnitt um 21 Prozent. Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 20 000 Kilowattstunden bedeute dies Mehrausgaben von 305 Euro im Jahr. Rund 3,9 Millionen Haushalte seien davon betroffen. Check24 kommt auf anderer Datengrundlage auf eine jährliche Mehrbelastung von im Schnitt 369 Euro.

Gas beheizt knapp die Hälfte der Wohnungen

Nach Angaben der Bundesnetzagentur gibt es in Deutschland derzeit 684 Gasversorgungsunternehmen, die Haushaltskunden beliefern. Demnach beziehen noch rund 17 Prozent aller Haushalte eine Gasgrundversorgung. Das bedeutet, dass sie weder den Lieferanten gewechselt noch beim örtlichen Grundversorger einen Tarifwechsel vorgenommen haben. Der Behörde zufolge konnten Haushaltskunden 2020 im Durchschnitt zwischen 113 Gaslieferanten wählen. In Deutschland gibt es rund 42,8 Millionen Wohnungen (Stand 2020). Knapp die Hälfte wird mit Gas beheizt.

Beim Strom liegen die Angaben der beiden Portale näher beieinander. Demnach wollen mehr als 190 Unternehmen wiederum vor allem in der Grundversorgung ihre Preise erhöhen oder haben schon erhöht, im Schnitt um 7 (Verivox) beziehungsweise 9 Prozent (Check24). Für einen Musterhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 5000 Kilowattstunden bedeutet dies laut Check24 Mehrausgaben von 146 Euro pro Jahr. Rund 1,6 Millionen Haushalte seien davon betroffen. Laut Check24 gibt es in Deutschland 831 Stromgrundversorger. Der Netzagentur zufolge konnten Haushaltskunden 2020 in ihrem jeweiligen Netzgebiet im Durchschnitt zwischen 142 Stromanbietern wählen.

Kündigen? Auf Vertragslaufzeiten achten!

Nicht alle Stromanbieter erhöhen die Preise. Unter anderem wegen der zum Jahreswechsel sinkenden EEG-Umlage zur Förderung von Ökostrom konnten mehr als 20 Unternehmen die Preise um gut 2 Prozent senken. Dies wird rund einer Million Haushalten zugute kommen. Strom beziehen laut Netzagentur rund 25 Prozent der Haushalte im Grundversorgungstarif.

„Der Energiemarkt steht Kopf, und bei vielen Verbrauchern landen drastische Preiserhöhungen im Briefkasten oder Maileingang“, sagte der Energieexperte der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Udo Sieverding. „In diesem Jahr sollten Verbraucher daher besonders aufmerksam die Post des Energieversorgers lesen und reagieren.“ Allerdings herrsche auch bei den Vermittlungsportalen ein Ausnahmezustand. „Denn auf den vorderen Plätzen sind keine Schnäppchen mehr zu finden, sondern bestenfalls Übergangstarife, um noch Schlimmeres zu verhindern.“ Bei einem Wechsel sollten Kunden daher auf kurze Vertragslaufzeiten achten und eine frühestmögliche Kündigung im Kopf behalten.

Es gibt mehrere Gründe

Experten sehen mehrere Gründe für die gestiegenen Gaspreise im Großhandel. So habe sich die Nachfrage nach verflüssigtem Erdgas stark erhöht, besonders in Asien, erklärte Eren Çam vom Energiewirtschaftlichen Institut an der Universität zu Köln. Eine Rolle habe auch die Trockenheit in Lateinamerika gespielt. Dort mussten Gaskraftwerke mehr Strom produzieren, nachdem weniger Strom aus Wasserkraft erzeugt werden konnte. Ein erheblicher Teil der Flüssiggasexporte (LNG) aus den USA ging dorthin, so dass für Europa weniger zur Verfügung stand.

Die Nachfrage in Asien sei hoch, sagte Çam. „Es gibt eine gewisse Knappheit, das treibt die Preise.“ Hinzukomme, dass nach dem kalten Winter die Gasspeicher nicht wieder so gut gefüllt worden seien wie üblich. Russland habe in den vergangenen Monaten zwar seine vertraglichen Lieferverpflichtungen erfüllt, darüber hinaus aber keine zusätzlichen Mengen nach Europa geliefert.

„Die Speicher-Füllsaison in Russland ist nun beendet, und es wurden zusätzliche Mengen für Europa angekündigt“, sagte Çam. Trotz geringfügig erhöhter Lieferungen aus Russland hätten die Mengen aber nicht ausgereicht, um die Preise zu senken. Der Energieexperte hält es für möglich, dass sich der Markt über den Winter entspannt, falls Russland mehr Gas liefert. „Es wird trotzdem eine gewisse Knappheit geben. Wenn wir einen kalten Winter haben, könnten die Preise hoch bleiben.“

Als Gründe für die steigenden Strompreise nennen die Energieexperten von Check24 unter anderem die steigenden Preise für Erdgas und Steinkohle sowie die steigende Nachfrage nach Elektrizität.

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Kommentare (3)

Die "Energie-Wende" wird teurer und teurer und teurer ...

Das kommt unerwartet wie Raucher oder Alkoholiker für ihre Abhängigkeit, unter dem Vorwand des Gesundheitsschutzes und der medizinischen Folgekosten auszunehmen, obwohl die Versicherer privatwirtschaftlich geführt werden. Nur wer trotz Armut mit Ressourcen prasst und den ganzen Tag RTL laufen hat, muss sich nicht wundern, wenn böse Geister auf die Idee kommen dieses phlegmatische Verhalten auszunutzen wie der Prosieben Chef. Wie doof der Vorstand von RWE wohl auf der Jahresversammlung schauen würde, wenn Deutschland beginnt Energie zu sparen. Keine üppigen Renditen für kleine Privatanleger die millionenfach auf Fondsgebundene Altersvorsorge setzen und das trotz Preiserhöhung. Wie schnell die Sparkasse RWE & Co wohl aus dem Portfolio schmeißen würde, um die vertraglichen Prozente zu garantieren? 2 Jahre? 3 Jahre?

Gas- und Strompreise steigen bei Millionen Deutschen dank einer Gattung Mensch die man deutlich und nicht anders als Kriegsgewinnler bezeichnen muss.

Denn etwas anderes sind solche Menschen bzw. Betreiber nicht(von Versorgern kann man beim besten Willen nicht mehr reden) die eine Schieflage (wenn auch hausgemacht) so konsequent ausnutzen um sich billigst zu bedienen.

In diesem Fall gibt es keinen Unterschied zwischen dem Virus u. dessen Gefolge der Kriegsgewinnler. Nur eines scheint hierbei sicher...das dass letzte Hemd auch für solche Art Mensch keine Taschen hat die man füllen kann um etwas in die Anderwelt mit rüber zu retten. Klingt komisch ist aber zum Glück so ;)