AUSBREITUNG IN DEUTSCHLAND

Gefährliche Mücken im Anflug

Aggressive eingewanderte Moskitos breiten sich in Deutschland aus. Eine Biologin aus Brandenburg bemängelt, dass nicht genug gegen diese Überträger von gefährlichen Tropenkrankheiten getan wird.
dpa
Wenn so ein weiß gestreiftes Exemplar auf der Haut landet, droht nicht nur ein juckender Stich. Die Asiatische Tigermücke kann gefährliche Viren übertragen, die zum Beispiel für das Dengue-Fieber verantwortlich sind. James Gathany/CDC/Centers for Disease Control and Prevention
Müncheberg ·

Das aktuelle milde Wetter lockt bereits die ein oder andere Mücke ins Freie. Doch es sind nicht nur die heimischen Arten, die aus dem Winterquartieren kommen, sondern auch immer mehr potenziell gefährliche Exoten darunter, sagt Mückenexpertin Doreen Walther vom brandenburgischen Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg. Sie sind deshalb so gefährlich, weil sie prinzipiell Viren schwerer Tropen-Krankheiten wie West-Nil-, Chikungunya-, Dengue- oder auch Zika-Fieber auf den Menschen übertragen können.

Drei gefährliche Mückenarten in Deutschland

"Drei dieser Arten haben sich bereits in Deutschland etabliert." Dazu gehöre die Asiatische Tigermücke, von der es in Baden-Württemberg, Bayern, Thüringen und auch in Hessen Populationen gebe. Die Japanische Buschmücke habe bis auf Sachsen-Anhalt, Berlin, Brandenburg und die nördlichen Bundesländer Deutschland bereits erobert. Hinzu kommt laut Walther die Art Aedes koreicus, für die es noch keine deutsche Bezeichnung gibt. Zunächst war sie im bayrischen Augsburg entdeckt worden, eine Population gibt es inzwischen in Wiesbaden (Hessen).

Mücken sind früh dran dieses Jahr

Bisher sei deutschlandweit noch kein Fall bekannt, bei dem eine schwere, lebensgefährliche Erkrankung auf einen Mückenstich zurückzuführen war, erklärt die Wissenschaftlerin. "Es hat noch nicht geknallt, aber die Wahrscheinlichkeit steigt. Je wärmer es in Deutschland wird, umso besser sind die Bedingungen dafür, dass sich die Viren in den Mücken vervielfältigen." Sie bemängelt die mangelnden Präventivmaßnahmen gegen die gefährlichen Mückenarten.

In diesem Jahr seien die Mücken früh dran, sagt die Biologin Walther. Als Startmonate gelten in der Regel März und April. Was jetzt herum schwirrt, kann auch schon stechen. "Die ausgehungerten Weibchen gehen auf die Jagd, um noch mal Blut nachzutanken." Das Blut bräuchten sie für die Eiablage. Ein Mückenweibchen könne immerhin 300 Eier auf einen Schlag ablegen.

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So können die Mücken bekämpft werden

In Südwest-Deutschland untersucht die Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Stechmückenplage (KABS) seit mehr als 20 Jahren unter anderem das Auftreten der Asiatischen Tigermücke und hilft bei deren Bekämpfung mit. Als wirksam erwiesen haben sich Eiweiße des Bakteriums Bacillus thuringiensis israelensis (BTI). Sie töten Mückenlarven ab. "Die BTI-Eiweiße werden in Wasser angerührt, mit Handspritzen ausgebracht oder als Sprudeltabletten aufgelöst und verteilt. Sie sind bis zu einen Monat wirksam", erklärt Norbert Becker, wissenschaftlicher KABS-Direktor. Die Mittel würden von den Kommunen finanziert und in Kooperation mit Gesundheitsämtern und Ordnungsbehörden an die Bevölkerung in den betroffenen Gebieten verteilt.

"In ganz Deutschland kann allerdings nicht auf diese Weise prophylaktisch vorgegangen werden. Durch aktives Monitoring muss das Auftreten von Tigermücken erfasst und dann die Population gezielt bekämpft werden", sagt Becker.

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