Schlafmythen
Gibt es Frühjahrsmüdigkeit wirklich?

Der Frühling stimuliert, macht aber auch müde.
Der Frühling stimuliert, macht aber auch müde.
Arne Dedert

Es scheint sie wirklich zu geben: Die Frühjahrsmüdigkeit. Schlafpapst Dr. Weeß ist dem Phänomen auf den Grund gegangen und erklärt mögliche Ursachen.

Endlich werden die Tage wieder länger und die Temperaturen steigen. Mit dem Frühlingsanfang blühen aber nicht alle wieder auf. „Es scheint sie wirklich zu geben, die Frühjahrsmüdigkeit”, sagt Schlafpapst Dr. Hans-Günter Weeß. Das große Gähnen beginne bei vielen oft schon am Morgen. Man fühle sich schlapp, manche seien sogar gereizter. Vor allem Ältere würden häufiger über Kreislaufschwierigkeiten, Abgeschlagenheit und Schwindel klagen. Manche würden die bleiernde Müdigkeit im Frühjahr sogar noch stärker empfinden als im Winter, weiß der Schlafexperte.

Dabei sei die Frühjahrsmüdigkeit vor allem ein Phänomen in Breiten, wo es zwischen Sommer und Winter bedeutsame Temperatur- und Helligkeitsunterschiede gibt. „Wer im Sommer warme Abende auf der Terrasse und im Winter warme Abende vor dem Ofen genießen kann, ist prädestiniert für die Frühjahrsmüdigkeit”, weiß Dr. Weeß.

Wechselhaftes Wetter belastet den Organismus

Hundertprozentig einig seien sich die Wissenschaftler jedoch noch nicht, was genau die Frühjahrsmüdigkeit verursacht. Möglicherweise seien es mehrere Ursachen im Wechselspiel. So brauche der Organismus einfach Zeit, um sich an die höheren Temperaturen, die längeren Tage und kürzeren Nächte zu gewöhnen. Zudem bringe der Frühling oft auch wechselndes Wetter mit starken Temperaturunterschieden mit sich, die unseren Organismus belasten.

„Unterstützen kann man ihn dabei, indem man viel Sonne tankt”, erklärt Prof. Thomas Pollmächer von der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Vor allem im Morgenlicht lohnt es sich, gleich raus an die frische Luft zu gehen. Das kann auch den Schlaf in der Nacht verbessern.

Betroffene können bereits im Winter vorbeugen

Es könnten wenige Wochen, aber auch schon mal ein Monat sein, bis wir die kräfteraubende Umstellung in den Frühlingsmodus vollzogen haben. Viel Bewegung im Freien, wechselwarme Duschen, Saunagänge, Kneipp-Anwendungen oder eine Bürstenmassage am Morgen und eine vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse können den Kreislauf und Hormonhaushalt im Kampf gegen die Frühjahrsmüdigkeit unterstützen.

Schlafpapst Dr. Weeß gibt noch einen Tipp: Wer bereits in der kalten Jahreszeit für viel Sport und Bewegung gesorgt und sich nicht in seine Winterhöhle zurückgezogen hat, der ist weniger empfindlich für die Frühjahrsmüdigkeit, so der Schlafexperte.
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Kommentare (1)

"...längeren Tage und kürzeren Nächte..." Diese Phänomen tritt meines Wissens nicht von heute auf morgen ein. Da hat die Natur - wider besseren Wissens von Experten und Wissenschaftlern - seit -zig Millionen Jahren schon für gesorgt. Die angebliche Frühjahrsmüdigkeit kann man gut mit realen Frühlingsgefühlen begegnen.