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Gut vorbereitet zum ersten Bankgespräch

Geld
Ein bisschen Eigenkapital ist für eine Existenzgründung von Vorteil. Auch Rücklagen für die ersten Monate und für unvorhersehbare Ereignisse sind wichtig.
Ute Ziemann

Neben einer guten Geschäftsidee und einem schlüssigen Konzept ist die Finanzierung bei einer Firmengründung das A und O. Über Fördermittel, Bankgespräche und Finanzierungsmöglichkeiten sprach Ute Ziemann mit Volker Hirchert von der IHK Neubrandenburg für das östliche Mecklenburg-Vorpommern. Der gelernte Bankkaufmann ist Experte wenn es um Kredite und Darlehen geht.

Einmal im Monat bietet die IHK Neubrandenburg Bankensprechtage in Neubrandenburg und Greifswald an. Experten der Bürgschaftsbank, der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft und des Landesförderinstitutes stehen dann Unternehmern und Existenzgründern zu individuellen Gesprächen zur Verfügung. Wer nutzt diesen Service?

Zum einen sind es Existenzgründer, die schon ganz klare Vorstellungen haben. Sie kommen mit ihrem Konzept und wollen eine unabhängige Beratung, bevor sie den Weg zur Bank wagen. Zum anderen kommen Interessenten, um sich einfach nur zu informieren. Sie haben eine Idee und wollen wissen, ob sich diese überhaupt umsetzen lässt. Aber auch gestandene Unternehmer aus dem Kammerbezirk nutzen das Angebot, wenn sie beispielsweise für eine bevorstehende Investition unabhängigen Rat wollen.

Bleiben wir bei den Existenzgründern. Welche Fragen werden von ihnen am häufigsten gestellt?

Wie kann ich meinen Plan finanzieren? Welche Förderung ist möglich? Dabei verstehen die meisten unter Förderung Zuschüsse, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Doch Förderung ist weit mehr. Dazu gehören beispielsweise auch zinsgünstige Darlehen.

Apropos Darlehen: Wer eine Firma gründen will, braucht dafür Startkapital. Die wenigsten haben dieses aber in ausreichender Höhe. Welche Möglichkeiten gibt es, um das Vorhaben „Firmengründung“ zu finanzieren?

Es gibt mehrere Möglichkeiten der Kapitalbeschaffung. Dabei ist die häufigste Form immer noch das klassische Hausbankdarlehen. Die Bank sieht es gern, wenn sich der Gründer mit seinem Eigenkapital am finanziellen Risiko beteiligt. Für kleinere Gründungen mit Investitionen bis zu 20 000 Euro wird häufig alternativ das vom Land angebotene Mikrodarlehen beantragt. Für Gründer, die über geringe oder gar keine finanziellen Mittel verfügen, ist der ERP-Gründerkredit der KfW Bank – auch als Startgeld bekannt – interessant. Er kann bis zu einer Höhe von 100 000 Euro in Anspruch genommen werden. Er ist zinsgünstig und hat den Vorteil, dass 80 Prozent der Kreditsumme haftungsfrei gestellt sind. Er muss grundsätzlich über die Hausbank beantragt werden. Bei größeren Investitionen sollte ein Eigenkapitalanteil von 10 bis 20 Prozent vorhanden sein. Und wenn die Hausbank den Antrag ablehnt, gibt es alternative Möglichkeiten das Vorhaben zu finanzieren. Zum Beispiel bietet das Landesförderinstitut das Kleindarlehensprogramm für kleinere und mittlere Unternehmen an. Mit diesem Programm können Investitionen von 20 000 bis 200 000 Euro finanziert werden.

Sie sprechen von Krediten und Darlehen. Was ist der Unterschied?

Diese werden in der Praxis oft vermengt, was auch nicht weiter tragisch ist. Selbst mir passiert das immer wieder. Jeder weiß bei diesen Begriffen, worum es geht. Bei beiden handelt es sich grundsätzlich um Fremdgelder. Dabei kann der Begriff Kredit durchaus als übergeordnet angesehen werden. Es wird zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Krediten unterschieden. Die langfristigen Kredite ab einer Laufzeit von fünf Jahren bezeichnet man als Darlehen. Nehmen wir zum Beispiel den sogenannten Dispokredit. Dabei handelt es sich um einen kurzfristigen Kredit. Niemand würde auf die Idee kommen, diesen Kredit als Dispodarlehen zu bezeichnen.

Wie sollten sich Existenzgründer auf das Erstgespräch bei der Bank vorbereiten?

Die wichtigste Vorbereitung ist die Erarbeitung eines aussagekräftigen Geschäftskonzeptes, mit dem sich der Gründer identifiziert. Dieses Konzept schreibt er übrigens nicht für die Bank, sondern in erster Linie für sich selbst. Ist es fertig, sollte der Gründer einen Termin mit der Bank vereinbaren. Mein Rat: Das Konzept nicht vor diesem Termin zur Bank schicken, sondern es mitnehmen. So kann man viel besser sein Vorhaben und sich selbst vorstellen und präsentieren. Dabei sollte man selbstbewusst auftreten, denn als Existenzgründer ist man kein Bittsteller. Ziel ist es, den Banker von seiner Idee zu überzeugen. Gelingt dies, ist das Konzept sozusagen die Eintrittskarte zum Kapitalmarkt.

Kann man sich zum Bankgespräch Unterstützung mitnehmen?

Wer sich mit der Erläuterung der Rentabilitäts- und Liquiditätsplanung schwer tut, kann seinen Unternehmensberater mitnehmen. Wichtig ist aber, dass der Existenzgründer das Wort führt.

Welche anfallenden Kosten werden bei einer Firmengründung oft unterschätzt?

Das sind eindeutig die Lebenshaltungskosten, die ständig präsent sind. Viele bedenken nicht, dass manchmal erst ein bis zwei Monate nach Firmengründung das erste Geld reinkommt. Miete, Lebensmittel, Telefon und Versicherungen müssen aber regelmäßig bezahlt werden. Dazu kommen die bereits anfallenden Betriebskosten. Manchmal werden auch Kosten für den Notar oder den Eintrag ins Handelsregister außer Acht gelassen.

Wann gibt es den nächsten Bankensprechtag?

Am 14. Februar in Neubrandenburg in der Katharinenstraße 48. Beginn ist um 9.15 Uhr, das Ende gegen 16 Uhr. Für den Sprechtag wird um Anmeldung bis zum 8. Februar bei Angelika Seidel unter Telefon 0395 55 97 - 321 gebeten.