Mythen rund um den Schlaf
Kann zu viel Schlaf wirklich müde machen?

Müde? Bei der Umstellung auf die Sommerzeit ist das bei vielen vorprogrammiert. Ärgern sollte man sich aber nicht – die Müdigkeit ist schließlich nur vorübergehend.
Müde? Bei der Umstellung auf die Sommerzeit ist das bei vielen vorprogrammiert. Ärgern sollte man sich aber nicht – die Müdigkeit ist schließlich nur vorübergehend.
Monique Wüstenhagen

Rund um den Schlaf kursieren unendlich viele Mythen. So hört man immer wieder, dass zu viel Schlaf müde macht. Unser Schlafexperte Dr. Hans-Günter Weeß klärt auf.

Endlich Wochenende, endlich ausschlafen. Doch auch nach zehn Stunden Schlaf fühlen sich manche nicht so richtig fit. Und umgekehrt fühlt man sich oft nach einer schlaflosen Nacht weniger müde als befürchtet, sondern geradezu aufgekratzt. Das klingt eigenartig, ist aber völlig normal.

„Eine ganze Reihe von wissenschaftlichen Studien lässt vermuten, dass zu viel Schlaf genauso mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und einer reduzierten Lebenserwartung einhergeht wie zu wenig Schlaf”, erklärt Schlafexperte Dr. Hans-Günter Weeß. Es wird sogar vermutet, dass zu langer Schlaf die Stress- und Immunresistenz beeinträchtigt, dadurch Krankheiten gefördert werden und die Sterblichkeit zunimmt. Langer Schlaf könne Stimmungsausschläge in Richtung Depression verursachen und umgekehrt könne zu kurzer Schlaf Manien auslösen, wie zum Beispiel Hyperaktivität.

Die Dosis macht das Gift

Der Grund: Der Organismus versuche über seine Verhalten seine Wachheit zu regulieren. Ist eine Person besonders müde, bemüht sich der Organismus stärker als sonst ihn wach zu halten. Menschen werden dann überaktiv und suchen Außenreize jeder Art. Eltern kennen diesen Effekt nur zu gut von übermüdeten Kindern. Umgekehrt vermeidet der Organismus eher zusätzliche Außenstimuli, wenn nach langem Schlaf eine eher hochregulierte Wachheit besteht.

Schlafexperte Weeß fasst zusammen: „Die Dosis macht das Gift.” Es sei wie bei so vielem im Leben, wir sollten auf ein ausgewogenes Maß achten, weder in die eine noch in die andere Richtung über die Stränge schlagen. Wer versucht, sich so viel Schlaf zu gönnen, wie es ihm die Natur vorgibt, der lebt gesund und lange.

Zur Person:

Dr. Hans-Günter Weeß ist Inhaber der Akademie für Schlafmedizin und Leiter des Interdisziplinären Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster.
Seit mehr als 20 Jahren beschäftigt er sich klinisch und wissenschaftlich mit dem Schlaf und seinen Störungen.
Im November 2018 ist sein neuestes Buch bei Droemer erschienen: Schlaf wirkt Wunder - alles über das wichtigste Drittel des Lebens.
Es beschreibt den Mythos Schlaf, seine Auswirkungen auf die Gesundheit und das Leistungsvermögen und räumt mit vielen Schlafmythen auf.