CORONA-PANDEMIE

Körperliche Fitness kann Corona-Tod verhindern

Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde Covid-19 in erster Linie als Lungenkrankheit verstanden. Heute wissen wir, dass das Virus den ganzen Körper angreift. Das hat nicht nur Nachteile.
Das Herz-Kreislaufsystem zu stärken, zum Beispiel durch Joggen oder Wandern, kann im Ernstfall das eigenen Leben retten.
Das Herz-Kreislaufsystem zu stärken, zum Beispiel durch Joggen oder Wandern, kann im Ernstfall das eigenen Leben retten. Christin Klose
Neubrandenburg.

Seit Monaten versuchen Ärzte weltweit herauszufinden, wie sich das Coronavirus und die Lungenkrankheit Covid-19 auf den menschlichen Körper auswirken. Dabei kristallisiert sich eine Tatsache immer mehr heraus: Das Virus befällt nicht nur Lunge und Atemwege, sondern besonders in schweren Fällen große Teile des Körpers. Es sei „erstaunlich und auch ein bisschen erschreckend”, sagte der Präsident des Robert-Koch-Instituts Lothar Wieler in dieser Woche, wie viele Organe das Virus in schweren Fällen zu befallen scheine.

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Immer häufiger wird neben einer Lungenentzündung auch von einem Befall der Blutgefässe berichtet, bei vielen Verstorbenen lassen sich hohe Konzentrationen des Virus auch im Blut und in Leber, Niere oder Herz nachweisen. Darm und Gehirn werden ebenfalls angegriffen, zuletzt geriet auch die Blutgerinnung immer mehr in den Fokus. Mittlerweile vermuten viele Mediziner, dass Herzinfarkte, Schlaganfälle, Embolien und Thrombosen durch Corona ausgelöst werden können. Vorerkrankte Patienten, etwa solche mit Diabetes oder hohem Blutdruck, seien dann besonders gefährdet.

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Fehlende Fitness ist großer Risikofaktor

Ärzte schließen daraus, dass dem Herz-Kreislauf-System eine besondere Rolle zukommt. Die These: Je anfälliger ein Patient hier ist, umso schlimmer trifft Covid-19 diese Person. Die bisher bekannten Corona-Risikofaktoren hätten als „kleinsten gemeinsamen Nenner die 'Un-Fitness' des Herz-Kreislaufsystems der Patienten”, sagte jüngst Alexander Tzankov, Leiter der Autopsie am Universitätsspital im schweizerischen Basel.

Um dies zu beweisen, hat eine deutsche Forschergruppe zwölf positiv getestete Todesfälle in Hamburg untersucht. Die Wissenschaftler führten medizinische und virtuelle Autopsien (also Computertomographien nach dem Tod) sowie virologische Tests durch. Sie kamen zu dem Schluss, dass koronare Herzkrankheit, Asthma und COPD die häufigsten Begleiterkrankungen der Verstorbenen waren.

Corona breitet sich über Blutgefäße aus

In sieben von zwölf Patienten belegte die Atopsie außerdem, dass sich ein Blutgerinnsel in tiefliegenden Venen gebildet hatte. Das Erstaunliche daran: Bei diesen Patienten bestand vor dem Tod kein Verdacht auf eine solche Verstopfung. Bei vier weiteren Patienten war eine Lungenembolie die direkte Todesursache: ein Blutgerinnsel war in die Lunge gewandert und hatte ein Gefäß verstopft, was den Blutfluss und somit den Sauerstofftransport im Körper beeinträchtigt.

Daraus folgerten die Wissenschaftler, dass sich das Coronavirus womöglich über die Blutgefäße im Körper verbreitet. Weitere Studien und Autopsien sollen diese Ergebnisse bekräftigen und Hinweise auf ärztliche Eingriffsmöglichkeiten geben. Die breite Angriffsfläche des Coronavirus mag erschreckend sein, aber auf eine bestimmte Art beruhigt sie auch. Denn durch die neuen Erkenntnisse verstehen Ärzte besser, wie Covid-19 im Körper wütet.

Bewegung und gute Ernährung

Daraus ergeben sich erste Antworten auf die Frage, was Bürger tun können, um sich vor schweren Verläufen einer Covid-19-Erkrankung zu schützen – eine wohltuende Erleichterung im Wust der vielen Negativmeldungen, die seit Wochen auf uns hereinprasseln. Die neuesten Erkenntnisse zeigen, dass ein Körper mit einem stabilen Immunsystem und einem gesunden Herz-Kreislauf-System dem Virus nicht hilflos ausgeliefert ist.

Corona-Handlungsempfehlungen sollten also kaum überraschen: wenig bis keinen Alkohol, keine Zigaretten, Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf und eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung stärken sowohl das Immun- als auch das Herz-Kreislaufsystem.

Medikamten-Mix könnte Leben retten

Doch auch für vorerkrankte Patienten sind dies gute Nachrichten. Denn obwohl es immer noch keine Medikamente gegen das Coronavirus gibt, gibt es Medikamente, die die Folgen einer Vorerkrankung abmildern und somit das Virus ineffektiver machen. Eine solche Möglichkeit schlug zuletzt der Leiter der Spezialeinheit für hochansteckende lebensbedrohliche Infektionen an der München-Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, vor.

Covid-19-Patienten sollten zunächst vorbeugend ein Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung bekommen. Gibt es erste Anzeichen für eine Embolie oder ein überschießendes Immunsystem, setzt man wieder andere Medikamente ein, um diese Reaktionen zu kontrollieren. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient auch eine schwere Covid-19-Erkrankung überlebt.

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Kommentare (1)

...bei den über 70- und über 80-Jährigen (Altersdurchschnitt der Coronatoten). Vielleicht hilft es, wenn das RKI nur noch alle halbe Jahr eine Pressekonferenz abhält.