Falls die Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag erhöht, haben Beitragszahler ein Sonderkündigungsrecht. Foto: Jens Kalaen
Falls die Krankenkasse ihren Zusatzbeitrag erhöht, haben Beitragszahler ein Sonderkündigungsrecht. Foto: Jens Kalaene Jens Kalaene
Zusatzbeitrag

Krankenkassen erhöhen Beiträge – und zwar heimlicher als sonst

Zum Jahreswechsel steigen die Zusatzbeiträge der Krankenkassen. Arbeitnehmer oder Rentner müssen darüber nicht extra informiert werden. Doch die Erhöhung lässt sich umgehen.
Berlin

Nach den astronomischen Preissteigerungen für Strom, Heizung oder Lebensmitteln kommt zum Jahreswechsel für viele Beschäftigte und Rentner der nächste Teuerungsschock. Um das 17 Milliarden Euro schwere Finanzloch der Krankenkassen zu stopfen, werden zum 1. Januar 2023 für viele Kassenpatienten die Beiträge zur Krankenversicherung steigen.

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Zwar bleibt der bundeseinheitliche Kassenbeitrag bei 14,6 Prozent stabil. Doch viele gesetzliche Krankenkassen haben bereits angekündigt, ihren Zusatzbeitrag zu erhöhen. Dieser liegt durchschnittlich bei 1,3 Prozent, wobei einige Kassen einen niedrigeren, andere einen höheren Abschlag verlangen. Erwartet wird eine Erhöhung um durchschnittlich 0,3 Prozentpunkte. Somit könnten die Gesamtbeiträge für Kassenpatienten auf im Schnitt 16,2 Prozent steigen.

Extra Belastung für Unternehmen

Davon zahlt die eine Hälfte der Arbeitnehmer oder Rentner, die andere Hälfte wird vom Arbeitgeber oder Rentenversicherungsträger übernommen. Eine Erhöhung der Kassenabschläge stellt also auch eine zusätzliche Belastung für Unternehmen dar. Für einen Angestellten mit einem Gehalt von 3000 Euro brutte beträgt die durchschnittliche Erhöhung somit 54 Euro im Jahr, bei 4000 Euro brutto sind es bereits 72 Euro.

Bei früheren Beitragserhöhungen waren die Krankenkassen verpflichtet, ihre Mitglieder gesondert schriftlich über Kostensteigerungen und das damit verbundene Sonderkündigungsrecht zu informieren. Dadurch hatten Arbeitnehmer und Rentner ausreichend Zeit, um von diesem Recht Gebrauch zu machen und zu einer Krankenkasse mit einem niedrigeren Zusatzbeitrag zu wechseln. Ein Wechsel zu einer günstigeren Kasse ist nämlich die einzige Möglichkeit, die Erhöhung zu umgehen.

Entscheidung in den nächsten zwei Wochen

Doch dieses Mal ist alles anders: Denn das sogenannte „GKV-Finanzstabilisierungsgesetz”, das im November im Bundesgesetzblatt verkündet wurde, erlaubt den Krankenkassen bis Mitte 2023, mögliche Erhöhungen des Zusatzbeitrages „auf andere geeignete Weise” zu kommunizieren, zum Beispiel über ihre Website. Zwar muss diese Aufklärung wie sonst auch mindestens einen Monat vor Inkrafttreten der Erhöhung erfolgen. Doch viele Arbeitnehmer und Rentner werden frühestens dann davon erfahren, wenn sie sich ihre Abrechnungen genauer ansehen. Für eine außerordentliche Kündigung kann es dann aber schon zu spät sein. Denn das Sonderkündigungsrecht gilt nur bis Ende des jeweiligen Monats, in dem der Zusatzbeitrag erhöht wird.

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Welche Daten müssen Kassenpatienten deshalb im Auge behalten? Die meisten Krankenkassen entscheiden in den kommenden beiden Wochen über ihre Abschläge. So tagt die DAK-Gesundheit am 15. Dezember, die Verwaltungsratssitzung der Techniker-Krankenkasse findet am 16. Dezember statt und die Gremien von AOK Nordost und Barmer kommen am 20. beziehungsweise 21. Dezember zusammen. Für Kassenpatienten ist es deshalb wichtig, unmittelbar nach diesen Terminen die Nachrichtenlage zu prüfen – denn ab der Bekanntgabe der Höhe und des Datums der Erhöhung tickt die Uhr.

Kassen-Wechsel wirklich sinnvoll?

Doch wie genau erfahren Beitragszahler nun von der Erhöhung? Die relevanten Informationen lassen sich auf den Internetseiten oder in der Mitgliedermagazinen der jeweiligen Krankenkassen finden. Zudem empfiehlt es sich, zu dieser Zeit die Berichterstattung in der Presse zu verfolgen. Darüber hinaus ist der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen gesetzlich dazu verpflichtet, eine ständig aktualisierte Liste der Zusatzbeiträge seiner Mitgliederkassen zu veröffentlichen. Im Normalfall ist diese tagesaktuell und lässt sich im Internet unter dieser Seite einsehen. Allerdings wird hier nur die jeweils aktuelle Höhe des Zusatzbeitrages aufgeführt, nicht das Datum und die Höhe der letzten Veränderung.

Nun stellt sich die Frage, ob es empfehlenswert ist, die Krankenkasse aufgrund einer Zusatzbeitragserhöhung zu wechseln. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen rät, einen möglichen Wechsel nicht nur von den Kosten abhängig zu machen. Da die gesetzlichen Kassen neben den Regelleistungen unterschiedliche Angebote hätten, müsste individuell entschieden werden, ob ein Wechsel nicht Unannehmlichkeiten oder gar finanzielle Nachteile mit sich brächte. „Präventionsangebote, Angebote zu Osteopathie oder Unterschiede beim Kundenservice – wie etwa eine Geschäftsstelle vor Ort oder eine gut erreichbare Hotline – können für viele Patienten entscheidende Faktoren sein, die eine Kassenwahl mit bestimmen”, teilen die Verbraucherschützer mit.

 

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